US-Präsident soll verschiedene Warnungen ignoriert haben

Medienbericht enthüllt Trumps Corona-Versagen: "Er hätte es kommen sehen müssen"

Medienbericht enthüllt Trumps Corona-Versagen: "Er hätte es kommen sehen müssen"
Medienbericht enthüllt Trumps Corona-Versagen: "Er hätte es kommen sehen müssen"
© AP, Alex Brandon, AB

15. April 2020 - 9:04 Uhr

Kritik an Corona-Krisenmanagement des US-Präsidenten

"Er hätte es kommen sehen müssen". Unter dieser Überschrift hat die "New York Times" einen Bericht veröffentlicht, der dem US-Präsidenten ein vernichtendes Zeugnis in der Corona-Krise ausstellt. Demnach sollen verschiedene US-Behörden schon früh vor einer Ausbreitung der Lungenkrankheit in den USA gewarnt haben. Krisenszenarien, die Donald Trump den Recherchen zufolge jedoch ignoriert hat.

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Corona-Krise: Hat Donald Trump wichtige Zeit verspielt?

Die Zeitung hat dem Bericht zufolge verschiedene Quellen zusammengetragen, aus denen hervorgeht, dass die Corona-Epidemie von der US-Regierung lange Zeit unterschätzt worden ist. So hat etwa der nationalen Sicherheitsrat, der für Pandemien zuständig ist, schon im frühen Januar einen Geheimdienstbericht erhalten, wonach vor einer rasanten Ausbreitung des Coronavirus in den USA gewarnt worden ist. Daraufhin wurden verschiedene Pläne für eine Eindämmung des Virus entworfen, darunter Ausgangsbeschränkungen und Shutdowns besonders betroffener Städte. Schritte, die Donald Trump erst im März eingeleitet hat.

Dass es in den USA bis zu einer halben Million Tote geben könnte und der Wirtschaft Billionenverluste drohen, sei Trump ebenfalls im Januar ganz konkret mitgeteilt worden, so die "New York Times". Außerdem hätten Gesundheitsexperten der Regierung bereits im Februar geraten, die Bevölkerung zu sozialer Distanz aufzufordern.

"Mit Abstand größte Entscheidung meines Lebens"

Noch Ende Februar sagte Donald Trump: "Das Risiko für Amerikaner bleibt sehr gering".
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© REUTERS, Yuri Gripas, /FW1F/Diane Craft

Bereits zuvor hatte es immer wieder Medienberichte gegeben, die Trumps zögerliches Handeln kritisiert hatten. Noch bis Anfang März hatte der US-Präsident beteuert, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge. Trump wird vorgeworfen, dass das Land von dem Ausbruch unvorbereitet getroffen wurde. Seine Rechtfertigung lautet immer wieder: Niemand habe mit einer solchen Pandemie rechnen können.

Der Weltgesundheitsorganisation warf er jedoch in einem Tweet vor, es in der Coronavirus-Pandemie "wirklich vermasselt" zu haben und drohte mit Beitragskürzungen. Bei einer Pressekonferenz legte er nahe, dass die WHO "wahrscheinlich" zu Beginn der Pandemie mehr gewusst habe, als sie offenlegte. Einige Experten deuten das als Ablenkungsmanöver von seinem eigenen Fehlern.

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© AP, John Minchillo, JM

Inzwischen bezeichnet Trump die Corona-Krise als eine nie dagewesene Herausforderung. Wann und wie das Land wieder zur Normalität zurückgebracht werden könne, nannte er am Osterwochenende die "mit Abstand größte Entscheidung meines Lebens". Er kündigte an, voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorzustellen, das über die Öffnung des Landes beraten soll. Er werde seine Entscheidungen in Abstimmung mit "den klügsten Menschen" finden. "Ich möchte geleitet werden", sagte Trump, der sich sonst gerne als Macher darstellt und nicht mit Eigenlob spart.

In den USA gibt es inzwischen mehr als eine halbe Million nachgewiesene Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Mehr als 100.000 Menschen sind bereits daran gestorben. Das geht aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor (Stand: 12.4.2020). Der Ostküstenstaat New York und die gleichnamige Metropole sind derzeit am schlimmsten von der Coronavirus-Epidemie betroffen.