Mädchen wandten sich wegen sexueller Straftaten an die Polizei

Polizisten nutzen Ermittlungen aus, um Mädchen anzubaggern und zu bedrohen

Das Wappen der Landespolizei von Mecklenburg-Vorpommern auf einer Uniformjacke, aufgenommen am 01.03.2011 während eines Pressetermins in Waldeck. Foto: Jens Büttner
Wappen der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern
picture alliance / ZB, Jens Büttner

Polizisten missbrauchen Vertrauen

In Mecklenburg-Vorpommern haben Polizisten schamlos Ermittlungen ausgenutzt, um so junge Mädchen anzubaggern und zu bedrohen. Laut Spiegel Online wurden diese Fälle in einem Bericht des Landesbeauftragten für Datenschutz für das Jahr 2018 veröffentlicht. Zwei Mädchen, 15 und 13 Jahre alt, waren bei der Polizei, um Anzeige zu erstatten beziehungsweise als Zeugin auszusagen. Die Polizisten nutzten anschließend die Kontaktdaten, um die Mädchen anzubaggern. Ein anderer Polizist bedrohte eine 16-Jährige, die seinen Sohn angezeigt hatte.

Polizist bat Mädchen Fotoshooting an

Das 15-jährige Mädchen soll mit einer Betreuerin zur Polizei gegangen sein, um Anzeige zu erstatten. Es sollen gegen ihren Willen Bilder von ihr im Netz veröffentlicht worden sein, auf denen sie beim Sex zu sehen ist. Der Polizist, dem das Mädchen ihren Fall geschildert hat, soll danach dem Mädchen per SMS angeboten haben, mit ihr ein Fotoshooting zu machen.

Der Datenschutzbeauftragte Heinz Müller schrieb dazu in seinem Bericht: "Besonders gravierend ist dabei, dass diese Jugendliche sexuell freizügig in Erscheinung getreten und psychisch instabil gewesen ist."

Polizist baggert 13-jährige Zeugin an

In dem Fall der 13-Jährigen sollte das Mädchen bei der Polizei als Zeugin in einem Kindesmissbrauchsverfahren aussagen. Im Anschluss an die Zeugenvernehmung hatte ein Polizist das junge Mädchen dann nach ihrer Handynummer gefragt, um eventuell weitere Fragen zu stellen. Am selben Abend soll er ihr dann noch bei Whatapp geschrieben und deutlich sein sexuelles Interesse dargestellt haben.

Außerdem wurde noch ein weiterer Polizist im Bericht genannt, der seine Position ausgenutzt haben soll. Sein Sohn wurde wohl angezeigt, weil er seine Ex-Freundin und dessen Vater bedroht hat, nachdem sie die Beziehung beendet hatte. Der Polizist und Vater des Angezeigten hat dann die Erstatterin der Anzeige per Whatsapp bedroht, sie solle die Anzeige doch zurückziehen.

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Polizisten können nicht entlassen werden

Alle drei Polizisten seien noch im Dienst und werden es wahrscheinlich auch bleiben. Der Ministeriumssprecher äußerte dazu: "Es steht außer Frage, dass die Polizistinnen und Polizisten dieses Fehlverhalten in ihren Reihen natürlich nicht wollen. Für eine Entfernung auf dem Dienst reichen die Vergehen juristisch aber nicht, werden aber selbstverständlich konsequent disziplinarisch verfolgt."

Die Fälle wurden publik, da die europäische Datenschutzgrundverordnung besagt, dass Bußgeldverfahren gegen Polizeibeamte, die aus Datenschutzverletzungen passierten, öffentlich zu machen sind. Daher sind alle Fällle jetzt gebündelt in dem Tätigkeitsbericht der Behörde veröffentlicht worden.