Max Meyer: Der Junge mit dem 20-Millionen-Euro-Pass

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

15. November 2013 - 14:50 Uhr

Wenn Bundesliga-Fans ein junges Schalker Offensiv-Talent nennen sollen, würde wohl meist der Name Julian Draxler fallen. Mit einer pompös inszenierten Vertragsverlängerung des 20-Jährigen drehten die 'Königsblauen' im Sommer allen europäischen Top-Clubs, die an Draxler interessiert waren, eine lange Nase. Doch speziell die Schalker Anhänger werden wissen, dass S04-Trainer Jens Keller in seinem Schmuckkästchen ein weiteres Juwel hat, das vielleicht sogar noch mehr glänzt als Draxler.

"Ist gar nicht so schlimm, dass ich nicht erkannt werde. Das finde ich eigentlich ganz gut", sagt Max Meyer, Schalkes große Mittelfeld-Hoffnung. Der U19-Nationalspieler, der am 18. September 1995 in Oberhausen geboren wurde, lernte das Fußballspielen beim FC Sardegna Oberhausen. Scouts von Rot-Weiß Oberhausen erkannten das Talent Mayers schon, als dieser erst sieben Jahre alt war. Von 2002 bis 2004 spielte Meyer bei RWO, ehe er zum MSV Duisburg wechselte.

Dort kickte das Offensiv-Talent fünf Jahre. Neben dem Training beim MSV absolvierte Meyer zudem intensive Futsal-Einheiten, die seinen Spielstil nachhaltig beeinflussten. "Er kam direkt nach dem Training oder einem Ligaspiel sofort zu uns gefahren, um in der Halle weiterzukicken", sagt sein damaliger Futsal-Trainer Naim Sassi dem Online-Portal 'spox'. "Max war beim Futsal wie ein Papagei aus der Zoohandlung, der für 90 Minuten zurück zum Amazonas gebracht wurde. Jeder spürte, dass er bei uns seine Kreativität ausleben konnte. In einem Futsal-Spiel hatte er sogar so einen Spaß, dass er beim Dribbling anfing zu trillern und zu pfeifen. Im Fußball wurde ihm ja verboten, zu viel zu dribbeln und den Ball zu lange zu halten, weil man in erster Linie funktionieren muss."

Meyer wollte eigentlich zu Gladbach

2009 wechselte Meyer dann im Alter von 14 Jahren zu Schalke 04. "Wenn ich ehrlich bin, war Borussia Mönchengladbach damals meine erste Wahl, weil ich dort viele Spieler schon kannte", sagt Meyer - eine Aussage, über die sich manch ein Verantwortlicher in Mönchengladbach wohl jetzt mächtig ärgert. Dank überzeugender Leistungen in der B-Jugend-Bundesliga West hatte Meyer 2009 seinen ersten Länderspieleinsatz in Deutschlands U-15. Nicht nur beim DFB, sondern auch bei S04 durchlief Meyer die Jugendabteilungen stets als Leistungsträger. 2012 erreichte der Spielgestalter dann seinen vorläufigen Höhepunkt, als er mit Schalkes A-Jugend das schaffte, was den 'königsblauen' Profis seit mehr als 50 Jahren nicht gelang: er wurde deutscher Meister.

In acht Minuten zum Ruhm

Max Meyer, FC Schalke 04, Borussia Dortmund
Mit Toren im Derby macht sich Meyer sehr schnell beim Schalker Publikum beliebt.
© dpa, Friso Gentsch

In der Winterpause der Saison 2012/13 beförderte Jens Keller den Offensiv-Spieler in den Schalker Profikader, für den Meyer am 16. Februar sein Bundesliga-Debüt gab. "Er hat hier von Anfang an Akzente gesetzt", erinnert sich Schalkes Trainer an die ersten Gehversuche Meyers im Profifußball. Meyers Debüt war ein erfolgreiches. Beim 2:2 in Mainz wurde Meyer in der 72. Minute eingewechselt und bereitete den entscheidenden Ausgleich vor. Fünf Wochen später feierte er zudem seine Premiere in der Champions League im Viertelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul.

Sein bisher wohl wichtigster Arbeitstag auf Schalke war zugleich auch einer der kürzesten. Beim Playoff-Rückspiel in der Champions League bei PAOK Saloniki betrat Meyer in der 61. Minute den Platz, bereitete das entscheidende 2:1 für Julian Draxler mit einem feinen Pass vor und wurde aus taktischen Gründen in der 69. Minute gleich wieder ausgewechselt. Weil Meyers Assist ausschlaggebend für Schalkes Champions-League-Qualifikation war, sprach die Presse anschließend von einem "20-Millionen-Euro-Pass".

"Max tritt nicht auf wie Graf Koks"

In der aktuellen Saison absolvierte Meyer für Schalke schon 15 Pflichtspiele, in denen er vier Treffer erzielte und zwei weitere vorbereitete. Erst 18 Jahre alt, und schon ein kleiner Star; während anderen Spielern dieser rasche Erfolg schon zu Kopfe stieg, bleibt der bescheidene Meyer auf dem Boden der Tatsachen. "Er hat ein exzellentes familiäres Umfeld", sagt Manager Horst Heldt. "Zur Zeit macht er genau das Richtige: Er arbeitet konzentriert und tritt nicht auf wie Graf Koks."

Seine Leistungen haben längst Begehrlichkeiten internationaler Top-Vereine geweckt. Die 'WAZ' berichtete vergangene Woche, dass Jose Mourinho den 18-Jährigen für rund 15 Millionen Euro zum FC Chelsea locken will. Doch Schalke will sein Talent unbedingt binden. "Max ist ein selbstbewusster junger Spieler. Er tut unserem Spiel gut. Ich kann ihm nur seine Möglichkeiten aufzeigen, aber wie er sich letztlich entscheidet, muss er mit seiner Familie und seinem Berater ausmachen", so Jens Keller.

Rauls Erbe bedeutet Ehre und Druck

Was die 'Knappen' von Meyer halten, wurde nicht zuletzt unmittelbar vor dieser Saison deutlich, als sie ihm eine ganz besondere Rückennummer gaben. "Dass ich jetzt die 7 trage, macht mich stolz", sagt Meyer. "Im ersten Moment musste ich schon schlucken, denn ich weiß natürlich, wer die 7 vor mir getragen hat. Raul war ein genialer Fußballer. Deshalb ist es jetzt eine große Ehre für mich."

Beim FC Schalke die Rückennummer 7 zu tragen, bedeutet nicht nur viel Ehre, sondern auch eine große Erwartungshaltung. Stück für Stück führen die 'Königsblauen' ihr Juwel an den Alltag des Profifußballs heran in der Hoffnung, dass er eines Tages den ganz großen Durchbruch schafft. Nicht nur für Schalke-Fans, sondern für die gesamte Bundesliga, wird es spannend sein, zu beobachten, ob Meyer die nächsten Schritte gehen wird oder ob der 18-Jährige ein ewiges Talent bleibt.