Maurizio Arrivabene gegen Sebastian Vettel: Familienkrach bei Ferrari?

8. Oktober 2016 - 12:31 Uhr

In der Ferrari-Familie wird das Klima rauer – zu lange wartet die Scuderia nun schon auf ein Erfolgserlebnis. Ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Der vermeintliche Sieg- und Titelbringer Sebastian Vettel scheint entzaubert – zumindest hat ihn Teamchef Maurizio Arrivabene erstmals öffentlich kritisiert und den Druck auf den viermaligen Champion kräftig erhöht: Vettel müsse sich wie jeder seinen Platz bei Ferrari verdienen.

Vettel machte in Suzuka gute Miene zum bösen Spiel und demonstrierte Gelassenheit, zumindest nach außen. Er sehe keinen Grund für ein klärendes Gespräche mit Arrivabene, sagte der viermalige Champion und Verwies auf das gutes Verhältnis zu seinem Boss: "Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich es ihm und umgekehrt."

Eine Aussage, die von einem Interview Arrivabenes im italienischen Fernsehen konterkariert wird. Arrivabene hatte dort angedeutet, Vettel beschäftige sich zu sehr mit Themen außerhalb seiner Verantwortung. "Er muss sich nur auf das Auto konzentrieren. Manchmal müssen wir ihn daran erinnern", sagte der Teamchef. Gleichzeitig lehnte der Italiener Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung von Vettels Ende 2017 auslaufendem Vertrag zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Ferrari-Teamchef: Platz bei Ferrari muss man sich verdienen

"Ich glaube nicht, dass wir sein Selbstvertrauen mit irgendwelchen Verlängerungen gewinnen können", meinte Arrivabene und machte unmissverständlich deutlich: "Jeder von uns hat Ziele. Es ist nur richtig, dass jeder, egal wer, sich seinen Platz und sein Gehalt verdienen muss."

"Es wird viel heißer gekocht, als es dann gegessen wird", sagte Vettel in Suzuka auf Fragen nach Arrivabenes Aussagen. Doch in ItaIien wächst die Kritik an dem 29-Jährigen. Nach dem Startunfall beim Malaysia-GP am vergangenen Wochenende stellte die italienische Presse erstmals in Frage, ob Vettel der geeignete Mann dafür ist, Ferrari zurück an die Spitze der Königsklasse zu führen.

Maurizio Arrivabene rudert zurück

Fakt ist: Vettel hat in seinem zweiten Jahr bei der Scuderia bislang kein Rennen gewonnen. Insgesamt wartet er schon seit 22 Grand Prix auf einen Sieg, so lange wie noch nie in seiner Karriere. "Wir haben hohe Ansprüche an uns selbst. Wenn wir die nicht erfüllen, beißen wir uns als Erste in den Arsch", konterte Vettel die öffentlichen Anfeindungen.

Nach den Plätzen 3 und 4 von Kimi Räikkönen und Vettel im Qualifying zum Japan-GP wiegelte auch Arrivabene ab. "Einige Leute haben mich falsch zitiert", sagte der Teamchef im Interview mit RTL. Er habe lediglich klar machen wollen, dass es momentan noch zu früh sei, um über eine Vertragsverlängerung zu sprechen.

"Sebastian ist bei uns und wir sind stolz darauf, dass er bei uns ist", betonte Arrivabene und lobte seinen Angestellten für sein Engagement und seinen Arbeitseifer: "Er will den ganzen Tag arbeiten. Daher habe ich zu ihm gesagt: Bleibe konzentriert auf deine Aufgaben." Eine Aussage, die man allerdings nicht nur positiv verstehen muss.