52 Verletzte in Volkmarsen (Hessen)

In Karnevalszug gerast: SEK stürmt Wohnung von Maurice P. (29)

26. Februar 2020 - 9:57 Uhr

Es ist ein Karnevalstag, dessen Ausgang fassungslos macht

Bunte Kostüme, feiernde Menschen, Konfetti auf den Straßen: Die nordhessische Kleinstadt Volkmarsen lebt den Karneval. Es herrscht Ausnahmezustand, während der Karnevalsumzug durch das 6.800-Seelen-Städchten zieht. Doch plötzlich wird das Fest von einem schrecklichen Angriff überschattet. Krankenwagen und Polizei-Einheiten rasen heran, Hubschrauber kreisen über der kleinen Innenstadt. Ein 29-Jähriger ist mit einem silbernen Mercedes-Kombi in die feiernde Menge gerast. 52 Menschen wurden verletzt, unter den Opfern sind auch 18 Kinder. Der Fahrer, Maurice P., wurde festgenommen. Am Abend wurde seine Wohnung von einem SEK-Kommando durchsucht.

Ermittler durchsuchen das Haus der Großmutter von Maurice P. (29)

Am späten Montagabend rücken die Beamten vor dem Wohnhaus von Maurice P. an. Die Ermittler suchen dort nach Hinweisen. Auch das Haus der Großmutter des 29-Jährigen aus Volkmarsen wird durchsucht. Vermummte Polizisten sperrten den Ortskern in Tatortnähe ab. Welches Motiv er hatte, ist noch völlig unklar. Man weiß nur, das er die Tat absichtlich begangen hat. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Bisherigen Erkenntnissen zufolge fuhr P. am Nachmittag gegen 14.45 Uhr mit hoher Geschwindigkeit in eine Personengruppe, wie die Ermittler am Abend mitteilten. Wie Augenzeuge Bernd Kreutzmann gegenüber RTL berichtet, habe der Fahrer zunächst mit einem Mercedes-Kombi die Absperrung umfahren und sei dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugesteuert. "Da waren viele Verletzte, vor allem Kinder, die am Bordstein die Bonbons eingesammelt haben", sagt der Rentner unter Tränen. Augenzeugen haben berichtet, der Mann sei gezielt auf Kinder zugefahren und habe noch einmal Gas gegeben. Bislang hat sich die Polizei dazu nicht geäußert.

Maurice P. (29) aus Volkmarsen war polizeibekannt

Warum der 29-jährige in die Menschenmenge hineinsteuerte, ist noch ungewiss. Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat lagen nicht vor. Das hessische Innenministerium schloss einen Anschlag nicht aus. Ein Sprecher der Behörde begründete das am Montag mit der Situation vor Ort. Der Fahrer war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt. Allerdings war der Mann der Polizei in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Medien- und Augenzeugenberichte, wonach der Tatverdächtige stark alkoholisiert war, konnten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Eine Nachbarin sagte zu RTL: "Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen und sagte, 'bald stehe ich in der Zeitung'."

Nach Angaben von Polizeipräsident Bereswill gab es auch noch eine zweite Festnahme. Allerdings sei noch nicht klar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei, sagte er auf einer Veranstaltung am Montagabend in Frankfurt am Main.