"Seit Monaten auf dem Prüfstand"

Binotto: Ferrari 2021 mit neuem Motor

Motorsports: FIA Formula One World Championship, WM, Weltmeisterschaft 2020, Preseason Testing in Barcelona, Mattia Bin
© imago images/HochZwei/Syndication, HOCH ZWEI / Italy Photo Press via www.imago-images.de, www.imago-images.de

18. September 2020 - 13:23 Uhr

Mit neuem Motor aus der Krise?

Ferrari steckt in seiner größten Formel-1-Krise seit … ? Eine Haupt-Baustelle der Roten: Der Motor, der diese Saison die Salsiccia nicht vom Teller zieht. Zumindest für 2021 ist laut Scuderia-Capo Mattia Binotto Besserung in Sicht – in Form eines nagelneuen Motors.

Ferrari-Motor 2020 der schlechteste

Ferraris Motor werde 2021 "komplett neu sein", sagte der Teamchef in einem Interview mit dem "Corriere della Sera": "Er läuft schon seit Monaten auf dem Prüfstand." In Maranello hofft man, mit dem neuen Aggregat zumindest die Power-Lücke zu Mercedes, aber auch Renault und Honda zu schließen.

2019 war Ferrari noch Highspeed-Primus, hatte die stärkste Power Unit im Feld. Dann aber kamen Tricksereien beim Sprit-Durchfluss heraus, die dem Team aus Maranello auf den Geraden einen beträchtlichen PS-Vorteil brachten. Die FIA gab daraufhin eine Technische Direktive heraus, die die "Einspritzhilfe" verbot und schloss mit Ferrari einen dubiosen Geheim-Deal, um die Schummelei unter den Teppich zu kehren.

Seither ist es mit Ferraris Power-Herrschaft vorbei. Mehr noch: 2020 ist der Ferrari-Motor der schlechteste im F1-Feld. Die Leistungen der Scuderia selbst, aber auch die der Kunden Haas und Alfa Romeo sprechen eine klare Sprache. Das soll sich durch den neuen Motor ändern.

Kaschieren geht nicht mehr

Klar ist aber: Ein gutes Triebwerk allein wird die riesen Probleme der Scuderia nicht lösen. Ferrari hat diese Jahr nicht nur zu wenig Power, auch der Abtrieb des SF1000 ist mangelhaft.

Aerodynamisch griff die Scuderia bei der Entwicklung des momentanen Autos ins Klo, wie Binotto einräumte. "2019 konnten wir die Grenzen des Autos mit dem Motor kaschieren." Das geht jetzt nicht mehr.

Weil Ferrari lange das stärkste Motorpaket hatte, schenkte die Scuderia dem Thema Abtrieb zu wenig Beachtung. Ein Fehler, den auch Sebastian Vettel seiner baldigen Ex zwischen den Zeilen immer wieder vorhält. Das Team sei ihm in Abtrieb-Hinsicht leider nicht gefolgt, monierte der 33-Jährige zuletzt.

Mehr als "Evolution" ist nicht drin

Ob es Ferrari gelingt, nächstes Jahr signifikant aufzuholen, ist fraglich – neuer Motor hin oder her. Da die F1-Regeln für kommende Saison wegen der Corona-Pandemie eingefroren wurden, können die Teams ihre Boliden nur begrenzt weiterentwickeln. Ein fetter Nachteil für ein Hinterbänkler-Team wie es Ferrari neuerdings ist.

Der 2021er Ferrari werde daher "notwendigerweise eine Evolution" des unliebsamen SF1000, kündigte Binotto vorsorglich an. Vielleicht wird aus der Roten Gurke ja immerhin eine Zucchini - deren Wassergehalt ist zumindest vier Prozent niedriger als der gurkige.