Matthias Ginter: Zwischen Schlagzeilen und Auszeichnungen

Seit 2005 beim SC Freiburg
Seit 2005 beim SC Freiburg
© picture alliance / dpa, Patrick Seeger

15. November 2013 - 14:50 Uhr

Mit gerade einmal 19 Jahren ist Matthias Ginter Hoffnungsträger eines ganzen Vereins. In der vergangenen Saison erreichte er mit dem SC Freiburg sensationell die Europa League und spielte sich in den Fokus diverser Top-Clubs in Europa. Seit rund zwei Jahren befindet sich Ginter auf der Überholspur.

Es war der 21. Januar 2012. Bundesliga-Abstiegskampf zwischen dem Tabellenletzten aus Freiburg und dem Vorletzten, dem FC Augsburg. In der 70. Spielminute wechselte der neue SC-Coach Christian Streich beim Stand von 0:0 den damals 18-jährigen Ginter ein. Nur 18 Minuten später schraubte sich der Innenverteidiger nach einer Ecke hoch, köpfte das entscheidende Tor und rettete Freiburg somit den wichtigen Dreier. Äußern durfte sich der Matchwinner anschließend nicht. "Der Junge hat in drei Monaten Abitur, man sollte ihn in Ruhe lassen", begründete Streich die Maßnahme.

Die Medien stürzten sich natürlich trotzdem auf den Freiburger Helden. " Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig. In allen Zeitungen stand: "Ginter rettet den SC!" Alleine den Namen zu sehen, fand ich seltsam. Deswegen habe ich bewusst darauf verzichtet, alle Artikel über mich zu lesen. Ich überließ es meinem Vater, am Sonntag zum Kiosk zu fahren und alle Zeitungen zu kaufen", erklärte Ginter wenige Wochen später.

An die Schlagzeilen hat er sich mittlerweile gewöhnt. Ebenso an Auszeichnungen. Zweimal wurde Ginter bereits mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold (2012/2013) geehrt. Die wichtigste Auszeichnung im deutschen Jugendfußball. Nur Mario Götze schaffte dies ebenfalls zwei Jahre in Folge.

Im Visier der Top-Clubs

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Steht bei vielen Top-Clubs auf dem Zettel
© dpa, Patrick Seeger

Begonnen hat die Fußballer-Karriere von Ginter im Alter von vier Jahren beim SV March. Zur Saison 2005/06 folgte dann der Wechsel in die Jugend des SC Freiburg, mit der er 2011 und 2012 den DFB-Junioren-Vereinspokal gewinnen konnte. Damals spielte Ginter noch im Mittelfeld. Steuerte in 25 Spielen 14 Treffer bei. "Ehrlich gesagt wurde ich nie als Innenverteidiger ausgebildet. In der Jugend war ich häufig der Zehner oder der offensive Sechser. Deswegen die Tore. Bei den Profis hatte man mich eigentlich als Sechser eingeplant. Als sich vier Innenverteidiger gleichzeitig verletzten, wurde ich nach hinten gezogen." Ein genialer Schachzug von Christian Streich, der die Entwicklung des Talents als langjähriger Leiter der Freiburger Fußballakademie von Anfang an begleitet hat.

Inzwischen hat Ginter 47 Punktspiele bestritten. Mehr noch. Mit teils überragenden Leistungen auch in der deutschen U21-Nationalmannschaft weckte er außerhalb des Breisgaus Begehrlichkeiten. Neben Borussia Dortmund sollen der FC Arsenal und Juventus Turin im Sommer angeklopft haben. Ginter lehnte jedoch dankend ab. "Wirklich darüber nachgedacht habe ich nicht. Auch wenn es mich gefreut hat, von großen europäischen Vereinen zu hören. Aber ich habe in Freiburg alles und fühle mich wohl. Hier kann ich Spielpraxis sammeln, das ist in meinem Alter das Wichtigste", sagte er damals. Vernünftige Sätze, die seinem ruhigen und bodenständigen Naturell entsprechen.

Mittlerweile hat er seine Aussagen aber ein wenig relativiert. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht irgendwann bei einem Top-Club spielen möchte." Druck macht er sich dennoch nicht: "Es kann sein, dass ich über das Saisonende hinaus in Freiburg bleibe."

Doch Ginters Zukunft hängt auch unweigerlich mit dem Abschneiden des SC Freiburg zusammen. Den bitteren Gang in die Zweite Liga wird der Hoffnungsträger wohl nicht antreten.