Tausend Politiker und Promis ausgespäht und Erpressungsversuche

Massiver Klau von Politikerdaten: Bundestags-Hacker angeklagt

Symbolfoto zum Thema Hackerangriff auf den Bundestag Ein Laptop auf dessen Bildschirm ein Foto a
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26. Mai 2020 - 11:56 Uhr

Habeck besonders betroffen - auch Merkel-Daten aufgetaucht

Seine dreisten Verbrechen hatte große Aufmerksamkeit hervorgerufen: Im Fall eines massiven Online-Angriffs auf etwa 1.000 Politiker und Prominente hat die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen einen 22 Jahre alten Deutschen erhoben. Der Beschuldigte soll unter anderem im Dezember 2018 persönliche Daten, darunter die von 993 Politikern, über den Twitter-Account "@_0rbit" mit dem Nutzernamen "G0d" als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Auch Prominente waren betroffen.

Liste der Vorwürfe ist lang

15.10.2018, Berlin: Robert Habeck, Bundesvorsitzender Bündnis 90 / Die Grünen, beantwortet auf dem Podium der Bundespressekonferenz Fragen zu den Ergebnissen der Landtagswahlen in Bayern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Grünen-Chef Robert Habeck
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Besonders betroffen war Grünen-Parteichef Robert Habeck. Aber auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war ein Datensatz - unter anderem mit Faxnummer und einer E-Mail-Adresse - aufgetaucht.

Laut Anklage soll der Mann zudem zwischen August 2015 und Januar 2019 in 73 Fällen personenbezogene Daten (insbesondere Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, Bildaufnahmen und Kommunikation) von Politikern, Journalisten und Prominenten ausgespäht zu haben.

In weiteren Fällen soll er die bereits von Dritten ausgespähten Zugangsdaten von Geschädigten auf einer illegalen und von US-amerikanischen Behörden im Januar 2020 abgeschalteten Hacker-Webseite angekauft haben.

Motiv: Ärger über Politiker und Prominente

Zudem wird ihm versuchte Erpressung von sechs Bundestagsabgeordneten vorgeworfen. Die Anklage beim Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Alsfeld wurde laut Generalstaatsanwaltschaft wegen des "Verdachts des Ausspähens und der Veränderung von Daten, der Vorbereitung des Ausspähens von Daten, der Fälschung beweiserheblicher Daten, der Datenhehlerei, der falschen Verdächtigung, des Vortäuschens von Straftaten, der versuchten Erpressung sowie wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz" erhoben.

Der Hacker war im Januar 2019 in Hessen vorläufig festgenommen worden. Er hatte damals gestanden, die Daten aus Ärger über Politiker und Prominente veröffentlicht zu haben.