Massentötungen in Sotschi: Straßenhunde sterben für Olympische Winterspiele

Umweltschützer und Tierfreunde beklagen das rigide Vorgehen der Behörden gegen herrenlose Hunde in der Olympiastadt Sotschi.
Umweltschützer und Tierfreunde beklagen das rigide Vorgehen der Behörden gegen herrenlose Hunde in der Olympiastadt Sotschi.
© Getty Images, Bongarts

07. März 2014 - 12:04 Uhr

Olympia-Region will "saubere Spiele"

Am Freitag beginnen in Sotschi die Olympischen Winterspiele. "Saubere Spiele" wollen die Russen der Welt bieten. Und das heißt offensichtlich auch: Streunende Hunde passen nicht länger ins Straßenbild. Tierschützer schlagen Alarm: "Morde an Hunden in und um Sotschi" nähmen deutlich zu.

Jahrelang war für die Vierbeiner die Olympia-Baustelle das Zuhause. Jetzt sind die Gastarbeiter, die die Vierbeiner fütterten und zum eigenen Schutz hielten, weg. Die Hunde sind geblieben. An der Schwarzmeerküste und in der Bergregion Krasnaja Poljana seien Hundefänger im Einsatz, wie besorgte Bürger in Internetblogs berichten. Die Hunde würden vergiftet und erschossen, auch Katzen fielen den Tierfängern zum Opfer.

"Ich verstehe ja, dass die Stadt für die Olympia-Gäste sauber sein will. Aber die massenhaften Tötungen sind doch keine Lösung", sagt die Umweltaktivistin Olga Noskowez. Das massenhafte Verschwinden von Hunden und Katzen falle ins Auge. Die Grünen-Politikerin sagt, dass die Stadt eine Firma damit beauftragt habe, sich um das Problem zu kümmern.

Russische Behörden begründen das Vorgehen gegen Hunde und Katzen traditionell mit Sicherheitsbelangen und Hygiene, um Infektionen durch Bisse zu verhindern. Das Problem mit herrenlosen Tieren ist in vielen Regionen Russlands verbreitet - viele haben Tollwut oder andere Krankheiten. Medien berichten immer wieder über Attacken auf Menschen.

Hundefänger von Sotschi kommen vor allem nachts

Der Bau eines von Bürgermeister Anatoli Pachomow zuletzt in Aussicht gestellten Tierheims lasse weiter auf sich warten, sagt Noskowez. "Die Probleme hätten vor Jahren gelöst werden können, indem Tiere sterilisiert werden", sagt die Aktivistin. Die Behörden seien nicht bereit, mit Straßenhunden und Katzen wie in zivilisierten Ländern vernünftig umzugehen, schimpft auch die Tierschützerin Tatjana Leschtschenko. Für viele Russen seien die Kosten einer Sterilisierung von rund 3.000 Rubel (etwa 60 Euro) einfach unbezahlbar.

"Die Hundefänger in der Olympia-Region Sotschi kommen vor allem nachts, wenn keiner hinschaut. Die Morde nehmen zu. Das Ziel ist, die Stadt für Olympia zu säubern", beklagt Leschtschenko. "Es gibt Kopfprämien dafür. Wir brauchen dringend eine Massensterilisierung, damit sich Hunde und Katzen nicht unkontrolliert vermehren. Auch öffentliche Appelle an Bürger können helfen, verantwortungsbewusst zu sein." Was in anderen Ländern gehe, müsse auch beim Olympia-Gastgeber Russland möglich sein.

Das Problem mit herrenlosen Tieren ist verbreitet im postsowjetischen Raum. Verkäufer handeln mit Welpen auf Straßen und Märkten. Kritik gab es 2012 etwa an den brutalen Tötungen von Hunden in der Ukraine - vor der Fußball-Europameisterschaft. Auch in Sotschi gab es in den vergangenen Monaten ungeachtet des in Russland eingeschränkten Demonstrationsrechts Straßenproteste gegen den "inhumanen Umgang" mit Tieren. Aber das prallte an Behördenmauern ab.

Die unabhängige Internetzeitung 'Kawkaski Usel' (Kaukasischer Knoten) hat mehrere Augenzeugenberichte über das brutale Vorgehen der Tierfänger veröffentlicht. Die Leute, darunter Kinder, seien teils traumatisiert, wenn sie sähen, wie Tiere erschossen würden oder qualvoll am Gift verendeten. Die Zeitung zitiert auch Mitarbeiter der Firma Bassja, die Kopfprämien von im Schnitt 1.000 Rubel bestätigen. Die Tötungen seien im Moment der schnellste Weg, vor der Ankunft der Olympia-Gäste das Problem aus der Welt zu schaffen, sagt der Bassja- Mitarbeiter.

Immer mehr Tierschützer um Leschtschenko organisieren sich nun in sozialen Netzwerken im Internet, veröffentlichen Fotos von Straßentieren. Ihr Ziel ist es, Familien zu finden, die bereit sind, Hunde und Katzen vor den Fängern zu retten.