Massenprotest gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht für Schwule und Lesben in Paris

Zehntausende haben in Paris gegen die Ehe und ein Adoptionsrecht für Homosexuelle demonstriert.
© REUTERS, PHILIPPE WOJAZER

12. Februar 2013 - 20:15 Uhr

"Wir stammen alle ab von einem Mann und einer Frau"

Der Sozialist François Hollande hatte im Wahlkampf ein Gesetz versprochen, das Lesben und Schwulen die Eheschließung und Adoptionen ermöglicht. Mittlerweile ist er Frankreichs Präsident und will sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Doch dagegen regt sich großer Widerstand.

Mehrere Hunderttausend Franzosen haben dementsprechend gegen die geplante Einführung der Homo-Ehe demonstriert. In den Sternmarsch in Paris reihten sich Katholiken, Konservative und Muslime, aber auch evangelikale Christen und selbst Homosexuelle ein. Die Organsiatoren sprachen von einer Million Teilnehmern, die Polizei von 340.000.

Die Initiatoren hatten fünf Hochgeschwindigkeitszüge und 900 Busse organisiert, um Aktivisten in die Hauptstadt zu bringen. Die Protestler trugen Schilder mit Aufschriften wie "Wir stammen alle ab von einem Mann und einer Frau" und "Hoden haben keine Eizellen".

Die katholische Kirche unterstützt die Proteste. Auch der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, sowie Oppositionsführer Jean-François Copé und andere Politiker der konservativen Partei UMP nahmen an den Protesten teil.

Hollandes Umfragewerte im Sinkflug

Gerade in ländlichen Gebieten Frankreichs hat der Plan Hollandes unerwartet heftigen Widerstand hervorgerufen. Bereits im vergangenen Jahr hatten geschätzte 100.000 Menschen gegen das Vorhaben demonstriert. Umfragen zeigen zwar eine Mehrheit für die Einführung der Homo-Ehe, doch das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben wird von den meisten Franzosen abgelehnt.

Mehr als 2.000 Bürgermeister hatten nach der Wahl Hollandes im Mai 2012 eine Petition unterzeichnet: Sie wollen nicht dazu gezwungen werden, in ihrer Funktion als Standesbeamte homosexuelle Paare zu trauen.

Der Widerstand könnte noch zunehmen, wenn noch in diesem Monat das Parlament erstmals über den Gesetzentwurf diskutieren soll.

Dies ist nicht der einzige Grund dafür, dass Hollandes Umfragewerte im Sinkflug sind. Das Debakel um die Reichensteuer hat die Pariser Regierung mit der publikumswirksamen Auswanderung des Schauspielers Gerard Depardieu nach Russland zur Zielscheibe internationalen Spotts gemacht. Und der Verfassungsrat schmetterte die Reichensteuer von satten 75 Prozent ab. Die Regierung feilt nun an einer neuen Gesetzesvorlage, aber der Image-Schaden dürfte schwierig zu beheben sein.

Umfragen zufolge glauben inzwischen drei von vier Franzosen nicht mehr, dass Hollande wie versprochen bis Ende 2013 den steten Anstieg der Erwerbslosigkeit stoppen kann. Seine Zustimmungswerte sanken zuletzt um vier Punkte auf 37 Prozent.