Massenflucht in die Türkei: PKK ruft zum Kampf gegen IS auf

24. September 2014 - 19:18 Uhr

Mehr als 130.000 Flüchtlinge in drei Tagen

Der Angriff des IS (Islamischer Staat) auf die kurdischen Dörfer und ihre Belagerung der strategisch wichtigen Grenzstadt Kobani hat die PKK in der Türkei auf den Plan gerufen. Die kurdische Arbeiterpartei mobilisiert ihre Anhänger zum bewaffneten Kampf gegen den IS. Eine Situation, die zeigt, wie kompliziert und extrem die Lage in dem Gebiet zurzeit ist: Die PKK kämpfte jahrzehntelang für einen Kurdenstaat im Osten der Türkei und wird von der Europäischen Union (EU) als terroristische Vereinigung betrachtet.

Kurden auf der Flucht vor IS
Immer mehr Kurden wollen in die Türkei
© REUTERS, STRINGER/TURKEY

Kurdische Kämpfer haben mittlerweile nach eigener Darstellung den Vormarsch der IS in der Nähe der nordsyrischen Stadt Kobani gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Montag zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG. Allerdings gebe es immer noch Kämpfe.

Die Massenflucht syrischer Kurden vor der Extremistenmiliz IS hält unvermindert an. Als Folge des Vormarsches sind nach Angaben der Regierung in Ankara inzwischen mehr als 130.000 Menschen in die Türkei geflüchtet. Diese Zahl nannte Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus für die Zeit seit der Grenzöffnung am Freitag, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Mittlerweile hat die Türkei die Grenze geschlossen. Laut RTL-Reporter Dirk Emmerich, der sich in Grenznähe befindet, versuchen viele, mit Hilfe von Schleusern an abgelegenen Punkten über die Grenze zu kommen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte am Sonntagabend noch mitgeteilt, die Zahl der Flüchtlinge nähere sich der Marke von 100.000 und gemeldet, die Türkei und die Vereinten Nationen bereiteten sich auf einen möglichen Ansturm von Hunderttausenden Flüchtlingen vor.

Die IS-Milizen haben weite Teile des nordsyrischen Kurdengebiets unter ihre Kontrolle gebracht hat und sind auf Kobani vorgerückt. Bei seinem Vormarsch mit schweren Waffen und tausenden Kämpfern verübte der IS nach Zeugenberichten Gräueltaten. So seien in den eroberten Dörfern Menschen zur Einschüchterung der anderen Bewohner hingerichtet worden.

Aufruf zu Anschlägen in Ägypten: "Schneidet ihnen die Köpfe ab"

Außerdem riefen die Extremisten hat zu Anschlägen auf Sicherheitskräfte auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel auf. "Spickt die Straßen mit Sprengstoff. Greift ihre Stützpunkte an. Überfallt ihre Häuser. Schneidet ihnen die Köpfe ab, lasst sie sich nicht in Sicherheit wiegen", heißt es in einem im Internet veröffentlichten IS-Appell an Islamisten-Gruppen in dem nordafrikanischen Land. Die ägyptische Regierung hat eingeräumt, dass es Kontakte zwischen dem IS und einheimischen Extremisten gibt. Der IS selbst sei in Ägypten aber nicht aktiv.

Ägypten erlebt seit dem Sturz des demokratisch gewählten islamistischen Präsidenten Mohamed Mursi im vergangenen Jahr eine Welle der Gewalt gegen die Sicherheitskräfte. Erst am Sonntag wurden drei Polizisten durch einen Bombenanschlag in der Nähe des Außenministeriums in Kairo getötet. Zu der Tat bekannte sich eine militante Gruppe.

Ein Mitglied der Extremisten-Organisation Ansar Bait al-Makdi sagte, der IS habe sie mit Anleitungen versorgt, wie sie wirksamer agieren könnten. Auf das Konto der Gruppe gehen Hunderte getötete Sicherheitskräfte während des vergangen Jahres.