Massen-Evakuierungen in New York wegen Hurrikan 'Sandy'

29. Oktober 2012 - 17:30 Uhr

375.000 New Yorker müssen ihre Häuser verlassen

Die US-Ostküste rüstet sich für einen Jahrhundertsturm: Aus Angst vor Hurrikan 'Sandy' wurde in New York vorsorglich das gesamte Verkehrsnetz lahmgelegt. Fast 400.000 Bewohner der Millionenmetropole waren aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Mehr als 3.000 US-Flüge wurden gestrichen, darunter auch Verbindungen von und nach Deutschland. Schulen sollten geschlossen bleiben, Supermärkte wurden leergekauft.

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In vielen Supermärkten in New York kommt es zu Hamsterkäufen.
© REUTERS, KEITH BEDFORD

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg forderte 375.000 Bewohner auf, wegen des drohenden Hurrikans ihre Häuser zu verlassen. Betroffen von den Zwangsevakuierungen sind vor allem die niedriger gelegenen Stadtteile im Süden Manhattans, darunter auch das beliebte Tribeca. "Dies ist ein ernstzunehmender und gefährlicher Sturm", warnte Bloomberg. Auch für schmale Inseln vor New York gab es Evakuierungsbefehle.

Meteorologen erwarten, dass 'Sandy' am Montagabend irgendwo zwischen Washington und Boston auf Land trifft. Der Streifen gehört zu den am dichtesten besiedelten in Amerika. "Ich denke, Montag und Dienstag werden schwierige Tage", sagte der Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA, Joseph Lhota.

Dass Busse und Züge wie U-Bahnen wegen schlechten Wetters gestoppt werden, gab es bislang erst einmal: Als Hurrikan 'Irene' 2011 über New York hinwegzog. Der Sturm könne jedoch so viel Wasser auf das Land drücken, dass die Tunnel vollzulaufen drohen.

Airlines in den USA strichen nach Angaben eines Flugportals über 3.000 Flüge. Wie der Flugtracker 'FlightAware.com' meldete, waren davon am Sonntag über 700 US-Flüge betroffen, die meisten mit Start- oder Zielpunkt New York. Für Montag seien vorsorglich rund 2.500 Flüge gecancelt worden, so die Internetplattform.

Stromausfälle könnten US-Wahl beeinträchtigen

Für die Bewohner der Hauptstadt Washington und mehrerer Bundesstaaten, darunter New York und Maryland, riefen die Behörden den Notstand aus. Wetterexperten warnten vor einem Jahrhundertsturm.

Befürchtet wird, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stößt. Diese Kombination könne zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan 'Bob' an der Ostküste vier Menschen und führte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden zu hohen Schäden.

Die Schiffe der Navy, die im wichtigen Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, müssen verlegt werden. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

Hamsterkäufe führten zu ersten Engpässen. Viele Supermärkte von Washington bis New York hatten kein Wasser mehr, Regale waren leer. Auch Batterien und Lebensmittel in Dosen wurden knapp. Experten fürchten, dass sich der Schaden allein durch den Wind auf über drei Milliarden Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) belaufen könne

Der befürchtete Monstersturm bremste auch den Präsidentschaftswahlkampf aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch Herausforderer Mitt Romney sagten Termine ab, um den Sturm zu umgehen. Zudem gibt es düstere Prognosen, wonach der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag am 6. November auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten.

Der Amtsinhaber will vor der Wahl in anderthalb Wochen unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan 'Kathrina' im August 2005 vermeiden. Damals geriet Ex-Präsident George W. Bush heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung in die Kritik.