Maß und Mitte statt Müll: Nico Rosberg setzt auch in Japan auf sein Erfolgsrezept

Nico Rosberg kann in Suzuka eine Vorentscheidung im Titelkampf herbeiführen. Gewinnt er das Rennen, kann sein ungeliebter Teamkollege Lewis Hamilton nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden.

Keine Playstation, keine Party, stattdessen volle Konzentration auf Familie und Formel 1: Nico Rosberg hat nach harten Lehrjahren in der Vollgasbranche seine innere Mitte gefunden. "Ich habe gelernt, meine Energie nicht mehr mit Müll zu vergeuden", sagte der WM-Spitzenreiter am Donnerstag im Vorfeld des Japan-GP in Suzuka: "Diese Herangehensweise will und werde ich auf jeden Fall beibehalten."

Müll, Nico? "Ja, alles das, was ihr schreibt halt", sagte er und grinste breit in die internationale Medienrunde. Es war nicht ganz so böse gemeint, versicherte Rosberg dann schnell, obwohl durchaus ein Teil Wahrheit in dem flapsigen Spruch steckte. Er verfolge Nachrichten über die Formel 1 im Allgemeinen und über sich selbst im Besonderen tatsächlich nicht mehr so intensiv wie früher. Außerdem meide er "Spiele auf dem PC oder Party bis fünf Uhr morgens" und widme sich stattdessen lieber "meiner Frau und meiner wunderbaren kleinen Tochter".


Ein Erfolgsgeheimnis hat Nico Rosberg nicht, Energie ist das Zauberwort. "Ich stecke die Energie, die ich zur Verfügung habe, in das, was ich beeinflussen kann", erklärte der 31-Jährige in Suzuka. Deshalb mache er sich auch nach dem Motorschaden seines Teamkollegen Lewis Hamilton am vergangenen Sonntag in Malaysia keine Gedanken darüber, ob ihm möglicherweise demnächst etwas Ähnliches passieren könnte: "Weil ich das absolut nicht beeinflussen kann. Es kommt, wie es kommt."


Nico Rosberg hat Vertrauen in die Mercedes-Boxencrew und vor allem in sich selbst. Und weil das so ist, hat er in Malaysia auch nicht so viel über den Ausfall von Lewis Hamilton, sondern vielmehr über seine eigene Situation nachgedacht: "Als mir die Box mitgeteilt hat, dass Lewis raus ist, habe ich nur gedacht: Okay, aber das heißt jetzt gerade überhaupt nichts für mein eigenes Rennen." Er habe in Malaysia nicht zuletzt durch die Startkollision mit Sebastian Vettel einen "schwierigen Arbeitstag gehabt. Deshalb hatte ich wirklich nur Zeit für mich und mein Auto."


Das Lob für den in den vergangenen Jahren ewigen Zweiten Nico Rosberg kommt mittlerweile auch aus berufenem Munde. "Nico fährt grundsätzlich konstanter und besser als im letzten Jahr. Er ist einfach stärker und aggressiver geworden, macht einen Superjob", sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda, Aufsichtsratsboss des Mercedes-Teams, dem Magazin 'auto, motor und sport': "Er hat die kleinen Schwächen, die er gegenüber Lewis hatte, voll kompensiert." Bei fünf noch ausstehenden Rennen hat Rosberg in der WM-Wertung einen Vorsprung von 23 Punkten auf den zweitplatzierten Hamilton. Sollte der Deutsche auch in Suzuka gewinnen, könnte Hamilton aus eigener Kraft nicht mehr Weltmeister werden. Auch darüber, so Rosberg, denke er absolut nicht nach. "Die WM-Entscheidung ist noch sehr, sehr weit weg, ich denke jetzt erstmal an das Rennen in Japan, damit habe ich genug zu tun", sagte er.


Ob er sich denn im bislang besten Jahr seiner Karriere - wie es Hamilton stets auszudrücken pflegt - gesegnet fühle? "Nein", sagte Rosberg lächelnd: "Ich habe einen tollen Job und eine Familie, die ich sehr liebe, aber gesegnet - ich würde lieber sagen, ich hatte bisher viel Glück im Leben."