Mallorca hatte das Lächeln gerade endlich wieder gefunden - wird die neue Maskenpflicht alles kaputt machen?

Verschärfte Regelungen ab Montag

Die Insel zieht seit vielen Jahren nicht´nur ihre Einheimischen in den Bann.
© dpa, Espa Photo Agency, zeus vco

10. Juli 2020 - 8:22 Uhr

Ein Kommentar von Linda Görgen

Auf Mallorca wurden die strengen Ausgangsregeln zum 21. Juni abgeschafft. RTL-Redakteurin Linda Görgen erlebte mit, wie die Insel langsam wieder zum Leben erwachte und fragt sich jetzt, wie es dort weitergehen soll – denn ab Montag werden die Maßnahmen wieder verschärft.

Tränen zur wiedergewonnenen Freiheit

Es ist Mitternacht am 21. Juni. Ich sitze mit meinem Mann auf einer Terrasse im Nordosten Mallorcas. Plötzlich ertönt Applaus von überall her, Menschen jubeln und schluchzen. Nach einigen Sekunden bekomme ich eine Gänsehaut, denn ich begreife, was da gerade passiert. Der Alarmzustand ist endlich vorbei! Mallorca hat es geschafft. Die Einwohner haben harte Monate hinter sich. Eingesperrt in ihren vier Wänden – nur unter strengsten Bedingungen durften sie ihre Wohnungen verlassen. Im Gegensatz zu ihren Kindern, die einen Großteil des Ausnahmezustandes gar nicht raus durften. Man mag sich gar nicht ausmalen, was das für Kinderseelen bedeutet.

Spanien hat die Corona-Krise hart getroffen. Ob gesundheitlich, wirtschaftlich oder seelisch - jeder Spanier ist auf mindestens eine Art betroffen. Doch jetzt erwacht die "südlichste Insel Deutschlands" langsam wieder zum Leben. Jeden Tag öffnen mehr Geschäfte wieder ihre Pforten, die Orte werden auf Vordermann gebracht, die Lebensfreude ist in jeder Ecke zu spüren. Im Espadrilles-Geschäft, in dem der Verkäufer sich freut, sein erstes Paar Schuhe seit Monaten zu verkaufen, in der Strandbude, in der die Kellner noch mehr strahlen als sonst und der Inhaber noch lauter singt, wenn sein Lieblingslied ertönt, und im Kiosk, der die aufblasbaren Strandtiere noch mehr herausgeputzt hat als sonst. Diese Lebensfreude geht unter die Haut und sie färbt ab.

Endlich könnte sich die Wirtschaft wieder etwas erholen

Die ersten Touristen sind da, die Wirtschaft könnte sich nun langsam wieder berappeln. Jeden Tag geht es einen Schritt weiter in Richtung Normalität. Und jetzt das: Die Regierung wird nächste Woche die Maskenpflicht verschärfen und die Menschen auf den Balearen dazu zwingen, auch draußen die Atemmaske zu tragen. Weil in Katalonien die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt sind und die Maskenpflicht dort, wo weniger als 1,5 Meter Abstand gehalten werden kann, von einigen Leuten zu lasch betrachtet wurde.

Der Branchenverband Exceltur prognostiziert Einbußen in Höhe von 95 Prozent im Tourismussektor. Und das zeigt sich schon jetzt, wenn man durch die Straßen von Orten schlendert, die vom Tourismus leben. Und das sind de facto im Grunde alle auf der Insel. Viele kleine Geschäfte haben schon jetzt die Pforten für immer dicht gemacht und Schilder mit dem Aufdruck "se vende" (zu Deutsch: zu verkaufen) in den Fenstern hängen. Und das bricht mir das Herz. Ich kenne die Menschen aus den Urlauben zuvor und sehe im Geiste noch ihre Kinder vor dem Eingang spielen.

Die Urlauber sind abgeschreckt

Doch zurück zur Maskenpflicht. Es haben sich sicherlich nicht alle an die Vorgaben gehalten. Die Guardia Civil habe ich aber nur selten gesehen, wenn es darum ging, die Einhaltung der Maskenpflicht zu kontrollieren. An den Wochenenden waren die Strände voll – aber es sind nicht nur die Touristen. Im Gegenteil: Nach dem Ende des Alarmzustands kamen die Spanier in großen Gruppen zusammen, was sie laut Gesetz auch dürfen. Ich verstehe, dass die Menschen ihre Lieben wiedersehen und ihr altes Leben zurück haben möchten. Und es ist ihr gutes Recht. Jedoch verstehe ich nicht, dass die Regierung dies auch weiterhin toleriert – denn die Maskenpflicht wird nicht an den Stränden gelten - aber fordert, dass man die Masken auf dem Weg zum Strand tragen muss. Wo ist da der Sinn?

Im beliebten Ort Cala Ratjada steigen seit kurzer Zeit wieder Partys in einer von vor allem Einheimischen besuchten Disco. Offenbar feiert man auch dort die wieder gewonnene Freiheit – nah aneinander gedrängt. Muss das sein? Und wo ist die Guardia Civil, wenn so etwas passiert? Vor allem, wenn dies durch die Sozialen Medien bekannt ist? Das fragen zurecht auch viele Facebook-Nutzer in Mallorca-Gruppen. Würden konsequentere Kontrollen nicht ausreichen, um Schlimmeres zu verhindern? Die Frage lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht beantworten, aber ich finde, es wäre zumindest einen Versuch wert gewesen.

Fakt ist: Die Urlauber sind jetzt schon abgeschreckt. Wer bezeichnet Schwitzen bei 35 Grad unter Masken schon als Urlaub? Die Buchungen werden wieder zurückgehen, die Wirtschaft und somit die Einheimischen mit ihren Geschäften weiter leiden. Ob die Maßnahme am Ende etwas bringt, bleibt abzuwarten. Was sie aber definitiv bewirken wird: Die Menschen, die schon da sind, werden sich an den Stränden tummeln, weil die Maskenpflicht dort weiterhin nicht gelten wird. Ob das am Ende nicht nach hinten losgeht? Das zurückgewonnene Lächeln der Mallorquiner wird man zumindest leider erstmal nicht mehr sehen.

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