Lockdown, Schulschließungen und Mund-Nasen-Schutz

Das haben die bisherigen Corona-Maßnahmen gebracht

Frau mit Mundschutzmaske, steht in S-Bahn, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland Coronavirus *** Woma
Frau mit Mundschutzmaske, steht in S-Bahn, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland Coronavirus *** Woma
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10. Juni 2020 - 10:37 Uhr

Welche Corona-Maßnahmen waren am effektivsten?

Lockdown, Masken, Abstandsregelungen – in den letzten Wochen und Monaten wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Coronavirus und das Infektionsrisiko einzudämmen. Aber was haben die Maßnahmen konkret gebracht? Und welche war besonders wirkungsvoll?

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Studie: Lockdown verhinderte Millionen Tote

Die Zahlen sprechen für sich: Allein in Europa verhinderten die Anti-Corona-Maßnahmen mehr als drei Millionen Todesfälle. Zu diesem Schluss kommt ein britisches Forscherteam rund um den Wissenschaftler Seth Flaxman vom Imperial College London im Fachmagazin "Nature". Den Analysen zufolge hat der großangelegte Lockdown samt Grenzschließungen, Kontaktsperren und Schulschließungen in elf europäischen Ländern bis Anfang Mai etwa 3,1 Millionen Todesfälle verhindert, womöglich sogar bis zu 3,5 Millionen. Experten in Deutschland raten zu einer vorsichtigen Interpretation, unter anderem wegen einer hohen Schwankungsbreite der Zahlen.

Forscher untersuchen 9 Corona-Maßnahmen

Aber welche Wirkung hatten die einzelnen Shutdown-Maßnahmen denn konkret? Dieser Frage hat sich ein internationales Forscherteam um Jan Brauner von der University of Oxford gewidmet. Die Forscher untersuchten neun Maßnahmen, darunter das Tragen von Masken, das Testen aller Patienten mit Symptomen, die Schließung von Schulen, die Schließung aller nichtessenziellen Geschäfte und Betriebe und die Schließung nur von riskanten Betrieben wie Gaststätten, Nachtclubs oder Fitnessstudios.

Ihr Ergebnis: Als mit Abstand effektivste Maßnahme erwies sich die Schließung von Schulen. Unabhängig von anderen Maßnahmen senkte sie die Reproduktionszahl im Schnitt um 50 Prozent. Ein weiteres Ergebnis: Ausgangsperren haben einen vergleichsweise geringen Effekt. Den Analysen zufolge senkten sie die Reproduktionszahl im Schnitt nur um 14 Prozent. Und auch beim Verbot von Versammlungen und Veranstaltungen kam das Team um Jan Brauner zu einem interessanten Ergebnis: Es macht kaum einen Unterschied, ob man Veranstaltungen ab 100 oder ab 1.000 Personen untersagt: Im ersten Fall senkt dies die Ausbreitung um 16 Prozent, im zweiten um 17 Prozent. Nur die Beschränkung auf unter zehn Personen wirkt sich den Daten zufolge deutlicher aus – dies verringert die Virenausbreitung um 28 Prozent. Die Forscher betonen allerdings, dass ihre Ergebnisse nicht als finale Antwort auf die Effektivität von Eindämmungsmaßnahmen gesehen werden sollten.

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Studie belegt Wirksamkeit von Masken im Alltag

Der Rückgang von Infektionen mit dem Coronavirus ist aber auch auf den Gebrauch von Mund-Nasen-Masken zurückzuführen: Das hat eine Forschungsgruppe um den Wirtschaftswissenschaftler Klaus Wälde von der Johannes Gutenberg-Universität an Hand von Jena unter Beweis gestellt. Als erste größere deutsche Stadt hatte Jena bereits ab 6. April eine Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr angeordnet. Die Zahl der Neuinfektionen ist daraufhin drastisch zurückgegangen. Laut der Forscher kam es in den drei Wochen nach Einführung der Maskenpflicht zu viermal weniger neuen Fällen als in Vergleichskommunen. Das Ergebnis stimmt mit der Einschätzung von Epidemiologen und Virologen überein, wonach ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen hemmt und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel eingedämmt wird. Erst kürzlich hat auch die WHO ihre Meinung zur Maskenpflicht geändert und sich dazu entschieden, sich für eine Maskenpflicht auszusprechen.

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