Maskenpflicht, Mindestabstand und Co.

Konzept zu den Schulöffnungen: Das ist in Ihrem Bundesland geplant

04. August 2020 - 9:50 Uhr

Trotz Corona eine neue Normalität im Klassenzimmer?

Ab dieser Woche heißt es wieder: die Schule geht los. Kurz vor dem Ende der Sommerferien befürchten viele Experten ein regelrechtes Chaos im Unterricht. Nicht ohne Grund: Die Kultusminister der Länder haben sich zwar auf einen groben gemeinsamen Fahrplan verständigt. Trotzdem hat jedes Land seine eigenen Regeln – mit Konsequenzen für Eltern, Schüler und Lehrer.

Baden-Württemberg (Schuljahr beginnt am 14. September)

Als letztes Bundesland ist Baden-Württemberg in der vergangenen Woche in die Sommerferien gestartet:

  • Danach soll der Unterricht in möglichst festen Gruppen ablaufen, sodass sich die Schüler wenig durchmischen.
  • Auf dem Schulgelände und in Gebäuden der weiterführenden Schulen soll zudem eine Maskenpflicht gelten - nicht aber im Unterricht.
  • Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aber aus der Ferne mitlernen.
  • Alle Mitarbeiter an Schulen und Kitas können sich von Mitte August bis Ende September zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen.

Wie Experten das Thema Schulöffnungen bewerten und welche Probleme es noch zu lösen gilt, haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Bayern (Schuljahr beginnt am 8. September)

In Bayern laufen die Planungen noch. Fest steht schon:

  • Der Freistaat will im neuen Schuljahr auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium einsetzen, um Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, zu unterstützen. 800 sogenannte "Teamlehrkräfte" werden dafür gesucht. Neben ausgebildeten Lehrern können sich auch Menschen mit anderen Hochschulabschlüssen für diese Stellen bewerben.
  • Zudem sollen die Schulen spezielle Förderkurse anbieten, um Schüler mit Lerndefiziten wegen der Corona-Einschränkungen zu unterstützen.
  • Für Lehrer sollen zu Beginn des Schuljahres einmalige Reihentests angeboten werden.
  • Für das neue Schuljahr führt Bayern eine Maskenpflicht an Schulen ein. Sie gilt bis zum Platz im Klassenzimmer - auch in Grundschulen.
  • Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie ist regional auch eine Maskenpflicht im Unterricht möglich.
  • Bis mindestens Ende Januar 2021 sind mehrtägige Klassenfahrten untersagt.

Berlin (Schuljahr beginnt am 10. August)

In der Hauptstadt ist wieder "durchgehender Unterricht" in "vollem Umfang" für alle geplant:

  • Die Lehrer sollen zu Beginn den Lernstand der Schüler überprüfen und dann entsprechende Konzepte zur Unterrichtsgestaltung und eventuelle Fördermaßnahmen festlegen.
  • Sport-, Musik- und Theaterunterricht darf wieder stattfinden. So weit wie möglich soll der Unterricht im Freien stattfinden.
  • Außerdem soll Körperkontakt vermieden werden.
  • Schüler, die mit einem ärztlichen Attest nachweisen, dass sie zur Risikogruppe gehören, können bis auf weiteres auch von zu Hause aus mitlernen.
  • Es gilt eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen – ausgenommen ist der Unterricht.
  • Das gesamte Berliner Schulpersonal kann sich auch ohne Symptome kostenlos testen lassen.

Die Ausnahmesituation hat viele Schulen und Lehrer kalt erwischt. Was sich jetzt in Bildungssystem und Politik ändern muss, lesen Sie hier.

Brandenburg (Schuljahr beginnt am 10. August)

  • In Brandenburg soll nach bisherigem Plan für Lehrer eine Maskenpflicht gelten, aber nicht für Schüler.
  • Alle Lehrer können sich in der Zeit zwischen Anfang August und Ende November sechs Mal auf Kosten des Landes freiwillig auf das Coronavirus testen lassen.
  • Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen die Schüler nur einzelner Klassen in den Heimunterricht geschickt werden. So soll vermieden werden, gleich die ganze Schule schließen zu müssen.
  • Außerdem sollen bis zum Ende des ersten Halbjahres für alle Schüler mobile Endgeräte zur Verfügung stehen.

Bremen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Bremen hat ein "Rahmenkonzept Schuljahr 2020/2021" aufgestellt und will damit "möglichst viel Normalität und einen Regelbetrieb unter den Auflagen des Hygieneplans erreichen". Leitmotiv aller Entscheidungen sei das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe.

  • Vorgesehen sind "möglichst feste Klassenteams".
  • Falls es pandemiebedingt doch zu Einschränkungen des Schulbetriebs kommen sollte, sollen Grundschüler und Schüler, die zu Hause keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen haben, bevorzugt mit Präsenzzeiten versorgt werden.
  • Über die Anwendung einer Mund-Nasen-Bedeckung bei Lehrkräften soll individuell entschieden werden – eine Pflicht besteht nicht, auch nicht für Schülern.
  • Gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist verboten.

Hamburg (Schuljahr beginnt am 6. August)

Auch in Hamburg ist "in allen Schulformen und Jahrgangsstufen" wieder Regelbetrieb geplant. "Sofern es keine anderweitige Entwicklung der Infektionslage gibt, ist für die Planung davon auszugehen, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern für das Schuljahr 2020/21 auf Ebene der Klasse bzw. des Jahrgangs aufgehoben wird", heißt es in einer Mitteilung des Senats von Mitte Juli.

Außerdem gilt:

  • Es gilt eine Maskenpflicht für das gesamte Schulgelände, nicht aber für den Unterricht selbst.
  • Alle Hamburger Lehrer und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.
  • Auch der Sport-, Kunst- und Musikunterricht soll zeitnah wieder eingeführt werden.

Hessen (Schuljahr beginnt am 17. August)

  • In Hessen wird der Mindestabstand in den Klassenräumen und beim Sportunterricht aufgehoben, er besteht jedoch weiterhin beispielsweise bei Konferenzen.
  • Im Musikunterricht ist gemeinsames Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten nur im Freien erlaubt.
  • Eine Einführung der Maskenpflicht soll im Ermessen der einzelnen Schule liegen.
  • Jede Lehrkraft soll sich vor dem Start ins neue Schuljahr auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen können.

Mecklenburg-Vorpommern (Schuljahr beginnt am 3. August)

Mecklenburg-Vorpommern geht als erstes Bundesland zurück in den regulären Schulbetrieb:

  • Das Bildungsministerium hat die Schüler jahrgangsmäßig in Gruppen eingeteilt. So sollen beispielsweise die Jahrgangsstufen 1 bis 4 oder 7 und 8 unter sich bleiben.

"Die verschiedenen definierten Gruppen sollen sich einander nicht bzw. möglichst nur unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m begegnen", heißt es in einem Brief an die Schulleitungen.

  • Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Kita-Personal. Möglich sind bis zu den Herbstferien fünf Tests pro Person im Abstand von zwei Wochen.
  • Am ersten Schultag galt noch keine landesweite Maskenpflicht. Doch nachdem die Debatte ins Rollen gekommen war, schwenkte die Bildungsministerin des Landes, Bettina Martin (SPD), um. Künftig soll die Maskenpflicht in weiterführenden Schulen im Schulgebäude, aber nicht im Klassenraum gelten. An Grundschulen soll es demnach weiterhin keine Maskenpflicht geben.

Wie verlief der erste Schultag in Mecklenburg-Vorpommern? Familie Welenz aus Rostock berichtet in unserem Artikel von ihren Erlebnissen.

Niedersachsen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Niedersachsen will nach Angaben des Kultusministeriums ein Maximum an Bildung und Betreuung anbieten. "Wir planen das neue Schuljahr 2020/2021 auf der Basis von Normalität", sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Anfang Juli. Für das neue Schuljahr wurden - je nach Infektionslage - drei Szenarien entwickelt:

  • Im Moment wird vom "eingeschränkten Regelbetrieb" ausgegangen - laut Tonne "Schule wie immer" mit "ein paar Sonderregelungen".
  • Das heißt, dass auf das Abstandsgebot verzichtet wird, es aber feste Lerngruppen geben soll.
  • Masken sollen auf den Fluren und in der Pause getragen werden. Eine Pflicht besteht allerdings nicht.

Nordrhein-Westfalen (Schuljahr beginnt am 12. August)

Die 5.500 Schulen mit ihren rund 2,5 Millionen Schülern in NRW sollen nach Aussage von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nach den Sommerferien "in einen verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren".

  • Nordrhein-Westfalen führt an allen weiterführenden und berufsbildendenden Schulen eine Maskenpflicht ein – diese gilt auch im Unterricht.
  • An Grundschulen soll die Maskenpflicht nicht gelten, wenn die Schüler auf ihren festen Plätzen im Unterricht sitzen.
  • Zudem wurde ein Leitfaden für die Schulen angekündigt, falls diese aus Gründen des Infektionsschutzes doch wieder auf Distanz-Unterricht umschalten müssen.
  • Die Beschäftigten von Schulen und Kitas in NRW können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.
  • In allen Klassen soll eine feste Sitzordnung eingehalten und dokumentiert werden.

Rheinland-Pfalz (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der für das neue Schuljahr weiterentwickelte Hygieneplan in Rheinland-Pfalz sieht kein Abstandsgebot mehr vor. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) plant je nach Entwicklung der Corona-Infektionen mit zwei weiteren Szenarien:

  • das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht
  • temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch

Gemäß des Hygieneplans muss eine Maske getragen werden:

  • in den Fluren, Gängen und Treppenhäusern, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann
  • beim Einkauf am Schulkiosk sowie in der Mensa

Außerdem wird allen am Schulleben Beteiligten die Nutzung der Corona-Warn-App empfohlen. Ausflüge und Klassenfahrten können vorerst nicht stattfinden.

Neuer Alltag in vielen Schulen: Maskenpflicht und Mindestabstand im Klassenzimmer.
Neuer Alltag in vielen Schulen: Maskenpflicht und Mindestabstand im Klassenzimmer.
© imago images/Rupert Oberhäuser, Rupert Oberhäuser via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Saarland (Schuljahr beginnt am 17. August)

Auch im Saarland wird das Abstandgebot von mindestens 1,50 Metern innerhalb des Klassenraumes aufgehoben. Der Plan sieht außerdem vor:

  • Im Saarland soll der Unterricht in festen Gruppen innerhalb eines Jahrgangs stattfinden, "um eine Durchmischung mit den anderen Jahrgängen nach Möglichkeit zu vermeiden". Ziel sei es, dass bei Infektionsfällen für die nicht betroffenen Personen der Präsenzunterricht weiterlaufen könne.
  • Im Hygieneplan des Landes für die Schulen wird außerdem empfohlen, Musikunterricht - wenn gesungen wird - bei gutem Wetter im Freien abzuhalten.
  • Schüler, die zur Risikogruppe gehören, können mit ärztlichem Attest vom Schulbesuch befreit werden, müssen aber an Prüfungen teilnehmen. Dafür stellen die Schulen separate Räume zur Verfügung.
  • Lehrer sollen sich auf das Corona-Virus testen lassen können.
  • Eine allgemeine Maskenpflicht wird es nicht geben. 

Sachsen (Schuljahr beginnt am 31. August)

"Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet", hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) für Sachsen angekündigt.

Außerdem wichtig:

  • Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt nicht mehr.
  • Die Schulleitungen können selbst festlegen, wann und wo eine Maske zu tragen ist.
  • Wer die Schule betritt, muss sich die Hände waschen oder desinfizieren.
  • Täglich wird dokumentiert, wer in der Schule war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Sachsen-Anhalt (Schuljahr beginnt am 27. August)

In Sachsen-Anhalt gilt die Anweisung, dass sich alle Schulen auf die Rückkehr in den Regelbetrieb vorbereiten sollen. Denn die Gesundheitsbehörden können weiterhin lokale Schulschließungen vornehmen. Daher seien die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, "um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können". Das teilte das Bildungsministerium mit.

  • An allen Schulen werden Lernstandserhebungen durchgeführt, um während der Schließungszeit entstandene Defizite festzustellen und im kommenden Schuljahr gezielt abzubauen.
  • Klassenfahrten, Studienfahrten und Schüleraustausche sollen wieder möglich sein.
  • im Sportunterricht sind Abweichungen vom Mindestabstand möglich.

Das Bildungsministerium empfiehlt zudem "allen schulischen Akteuren" die Nutzung der Corona-​Warn-App.

Ein aktualisierter Corona-Hygieneplan muss noch vorgelegt werden. Erst dann wird sich zeigen, ob auch in Sachsen-Anhalt z. B. eine Maskenpflicht gelten wird.

Schleswig-Holstein (Schuljahr beginnt am 10. August)

  • Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung der Schüler in feste Großgruppen nach Jahrgangsstufe geplant.
  • Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. Die Begründung: Im Infektionsfall könnte dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden, ohne dass die ganze Schule zugemacht werden muss.
  • Das Bildungsministerium spricht keine Pflicht, sondern eine "dringende Empfehlung" aus, in den ersten zwei Unterrichtswochen in der Schule eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Das gilt ausdrücklich auch für den Unterricht.
  • Für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 ist der Unterricht von der dringenden Empfehlung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, ausgenommen.
  • Für die Laufwege in der Schule, die Pausenräume und den Schulhof gilt auch über diese zwei Wochen hinaus grundsätzlich in allen Jahrgangsstufen die dringende Empfehlung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Thüringen (Schuljahr beginnt am 31. August)

"Wir wollen am 31. August in ein normales Leben zurückkehren" - diese Devise hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ausgegeben.

Außerdem gilt:

  • Klassenfahrten sollen wieder möglich sein.
  • Im Musikunterricht muss beim Singen sowie beim Einsatz von Instrumenten mit Aerosol-Emissionen ein Sicherheitsabstand von 1,5 Meter eingehalten werden.
  • Ab Mitte August sind freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Lehrer geplant.

Thüringen hat für die Schulen ein Ampel-Konzept mit abgestuften Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, wenn beispielsweise ein Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Bei Gelb werden die Schutzmaßnahmen an der Schule verschärft. Wenn der Kontakt nicht nachzuvollziehen ist, tritt Stufe Rot in Kraft und es kann zu einer vorübergehenden Schulschließung kommen.

Während Stufe "Grün" wird das Tragen einer Maske empfohlen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. In Stufe "Gelb" kann der jeweilige Schulleiter eine Maskenpflicht entsprechend ausweiten.

Stand: 3. August 2020, 15:00 Uhr

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