’Maskenmann’-Opfer erheben schwere Vorwürfe

Martin N. hat die Morde an drei Jungen gestanden.
Martin N. hat die Morde an drei Jungen gestanden.

27. Februar 2012 - 19:39 Uhr

Haben alle nur weg geschaut?

Opfer des als 'Maskenmann' bekanntgewordenen mutmaßlichen Mörders und Kinderschänders erheben in einem 'NDR'-Fernsehbericht schwere Vorwürfe gegen Heimbetreiber und Betreuer. Diese hätten ihnen sexuelle Übergriffe in Ferienfreizeiten nicht geglaubt und den Behörden nicht gemeldet. "Die Betreuer haben das teilweise als Traum abgetan, das hat mich sehr wütend gemacht", sagte ein Opfer in der Sendung 'Menschen und Schlagzeilen'.

Die Heimbetreiber haben in einigen Fällen die Vorkommnisse offenbar ebenfalls nicht gemeldet. Sie verstärkten zwar ihre Sicherheitsmaßnahmen, informierten aber nicht immer die umliegenden Heime und den Dachverband. Willi Schäfer, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender im Dachverband 'AG Bremer Schullandheime', bestätigte, dass er von einer Vielzahl der Fälle erst jetzt erfahren habe. "Ich bin darüber erschüttert." Der mutmaßliche Täter besuchte einige Schullandheime offenbar gleich mehrfach, ohne dass Betreuer, Betreiber oder die Polizei zunächst einen Zusammenhang erkennen wollten.

Lehrerin fühlte sich als "hysterisches Weib" behandelt

Als eine Lehrerin bei einem der ersten Fälle in Hepstedt (Landkreis Rotenburg) einen schwarzen Mann auf dem Flur bemerkt haben wollte, fühlte sie sich von der Polizei als "hysterisches Weib" behandelt. Die Ermittlungsbehörden wollten sich laut 'NDR' mit Blick auf den am 10. Oktober beginnenden Prozess nicht äußern. "Nach dem dritten, vierten Fall hätte man eine Sonderkommission gründen müssen, denn wieso sollte ein Serientäter, der ein gutes Doppelleben hat und sich gut auskennt, aufhören?", sagte die Kriminologin Monika Frommel von der Uni Kiel dem Sender.

Aber auch Lehrer und Schulen haben offensichtlich die Schilderungen häufiger nicht ernst genommen. Nach Angaben der Mutter eines der Missbrauchs-Opfer reagierten diese abweisend auf Nachfragen: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Schule einmal mit mir spricht und das nicht als Traum abfertigt, dass man mir zugehört hätte."

Der Pädagoge muss sich wegen Mordes an dem kleinen Dennis und zweier anderer Jungen zwischen sechs und 14 Jahren vor dem Landgericht Stade verantworten. Die Polizei hatte viele Jahre vergeblich in Norddeutschland nach dem 'Maskenmann' gesucht. Erst in diesem Frühjahr konnten Fahnder den 40-Jährigen überführen, nachdem sich ein Zeuge bei den Ermittlern gemeldet hatte. Er war in seiner Jugend von Martin N. missbraucht worden.

Der mutmaßliche Täter hat die drei Morde gestanden. Er ist auch wegen sexuellen Missbrauchs in 20 Fällen angeklagt. Er verging sich unter anderem in Zeltlagern und Schullandheimen an den Jungen.