Martinshorn zu laut

Anwohner drohen Feuerwehr mit Anzeige

23. Juli 2019 - 12:40 Uhr

Feuerwehr erhält Drohung mit einer Anzeige wegen Körperverletzung

Jeder weiß, wenn es brennt, muss es schnell gehen. Für die Feuerwehr heißt das: Rein ins Löschfahrzeug und Sirene an. Auf der anderen Seite stehen die Anwohner. Die wiederum fühlen sich von der Dauerbeschallung gestört. Darüber ist in Mettmann jetzt ein fieser Streit entbrannt. Anwohner drohen der Feuerwehr sogar mit einer Klage wegen Körperverletzung. Die Reaktion der Feuerweht - im Video.

Feuerwehr: Auf dem Weg zu mutmaßlichem Hochhaus-Brand

Die Feuerwehr war zu einem mutmaßlichen Brand in einem Hochhaus gerufen worden und zog das Martinshorn, um schnellstmöglich am Ort des Geschehens zu sein. Alles falscher Alarm - Es ist nur das Essen angebrannt. Nach ihrer Rückkehr auf der Wache erhielten sie aber wenig später böse Post von den Anwohnern, die sie nach eigenen Angaben "etwas sprachlos" macht. Und das alles ganz anonym. Darin heißt es:

  • "Sollte jetzt noch ein einziges Mal die Einsatzfahrzeuge in der lautesten Sirenenfrequenz durch die Innenstadt fahren, obwohl weder an der Kreuzung im Zentrum noch in der Bahnstraße noch in der verkehrsberuhigten Breite Straße weder Auto noch Fußgänger unterwegs waren (in Bild und Ton festgehalten), erstatten wir in Wohngemeinschaft von den betreffenden Bewohnern Anzeige wegen Körperverletzung (...)".

Es grüßten freundlich die "kranken Anwohner".

Wenig später ging die nächste Beschwerde ein mit einem ähnlichen Wortlaut ein. Dieses Mal wurde es aber von einem namentlichen Account gesendet. Ob die beiden Schreiben in einem Zusammenhang miteinander stehen konnte Matthias Mausbach, Amtsleiter der Feuerwehr Mettmann, nicht beantworten.

Einsatzkräfte werden von Anwohnern als "Wilde" bezeichnen

Weiter bezeichneten die anonymen Anwohner die Einsatzkräfte als "Wilde" und bitten ausdrücklich darum, diese in einer Dienstbesprechung auf den Einsatz der Martinshörner noch einmal zu schulen. Außerdem würden die Anwohner - so kündigten sie an - die Martinshorn-Fahrten  "in Bild und Ton festhalten."

Die von der Feuerwehr veröffentlichte Mail wurde bei Facebook bis zum Montagmittag mehr als 3.300 Mal kommentiert. Die meisten stellten sich dabei hinter die Einsatzkräfte.

Beschwerde-Mail an Rettungskräfte ist kein Einzelfall

Eine Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht eine anonyme Mail von Anwohnern, die sich über ein lautes Martinshorn beschweren.
Martinshorn zu laut? Anonyme E-Mail-Schreiber drohen Feuerwehr.
© dpa, Marcel Kusch, mku fdt gfh

Für die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft sind die Beschwerde-Mails von Mettmann aber kein Einzelfall: "So etwas gibt es leider immer wieder", so der stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Jedamzik. Er ist selbst Feuerwehrmann in Dortmund und gibt zu bedenken, dass Feuerwehrautos auf dem Weg zu dringenden Einsätzen laut Gesetz eigentlich immer das Martinshorn anschalten müssten. Nur so sei das "Wegerecht" gesichert, schneller oder zum Beispiel über rote Ampeln fahren zu dürfen.