Marlon ist eine umstrittene Sensation

Wie geht's Deutschlands erstem Klonhund heute?

Klonhund Marlon im Winter 2021 (Copyright: Familie J.)
Klonhund Marlon im Winter 2021 (Copyright: Familie J.)
© Privat / Familie J.

08. Februar 2021 - 12:53 Uhr

Große Aufregung um Marlon

Munter tobt der zweieinhalbjährige Marlon durch den Schnee in Sachsen. Auf Fotos, die uns die stolzen Besitzer Simone und Sven J. zeigen, sehen wir: egal ob im Urlaub oder Zuhause – Marlon ist immer dabei und der Mittelpunkt seiner Familie. Bei Marlon handelt es sich aber nicht um ein Kind, wie man vielleicht denken mag, wenn man seine Besitzer über ihn sprechen hört. Er ist eine stattliche englische Bulldogge. Und genau dieser Hund sorgt vor rund drei Jahren für Diskussionstoff in Deutschland, denn Marlon ist nicht von Mutter Natur gegeben: Er ist ein "Klonhund" und wird eigens in einem südkoreanischen Labor erschaffen, um den toten Hund seiner Besitzer zu "ersetzen". Wir möchten wissen: Wie geht es Marlon heute und ist er gesund? Mit uns hat Familie J. über ihren ganz besonderen Liebling gesprochen.

Einen Unterschied gibt es doch

"Marlon ist 1.000 Prozent das Ebenbild vom ersten!", freut sich Sven J. heute. Naja, nicht ganz, ein Schönheitsfleck ist von der Stirn (Marlon 1) zum Auge (Marlon 2) "verrutscht". Aber darüber können Sven und Simone J. leicht hinwegsehen. "Er benimmt sich genauso." Deutschlands erster Klonhund erfüllt also die Hoffnungen, die seine Besitzer in seine "Zeugung" gesetzt haben. Auch charakterlich gleiche der neue Marlon seinem Vorgänger. Und sogar das alte Hundespielzeug findet Anklang bei der englischen Bulldogge.

Ein kurzer Rückblick

Der Tod des geliebten Haustiers trifft viele Menschen hart, vor allem, wenn der Vierbeiner unerwartet stirbt. "Marlon war wie ein viertes Kind", trauert seine Besitzerin Simone J. Es ist eigentliche nur eine Routine-Operation, doch bei seiner Kastration stirbt die englische Bulldogge im Februar 2018. Simone und ihr Mann Sven stecken all ihre Hoffnungen in ein teures Abenteuer und lassen ihren Liebling klonen – ohne zu wissen, ob Marlon 2 tatsächlich ihrem Hund gleichen wird.

In Deutschland ist das Klonen von Tieren verboten, daher beauftragt Familie J. ein südkoreanisches Labor, die Kopie von Marlon zu erschaffen – für rund 90.000 Euro. Mit einer Gewebeprobe des toten Tieres reisen Sven und Simone nach Seoul. Im Labor wird die Eizelle eines Spendertieres dann mit dem Erbgut von Marlon zu einem künstlichen Embryo verschmolzen. Diesen trägt anschließend eine Hündin als Leihmutter aus. Am 11. September 2018 erblickt der neue Marlon das Licht der Welt. Im Dezember des Jahres reist die Familie extra nach Südkorea, um ihren neuen Liebling in die Arme zu schließen. Doch erst im April 2019, rund sieben Monate später, wird die englische Bulldogge nach Deutschland geflogen und kann endlich bei seinen Besitzern einziehen. Und bei Molly, der zweiten englischen Bulldogge der Familie.

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Gesundheitliche Topwerte!

Zur großen Freude seiner Besitzer zeigt Marlon auch keine gesundheitlichen Auffälligkeiten, wie sie Experten befürchteten. Regelmäßig untersucht ein Tierarzt den Rüden, der übrigens auch findet, dass Marlon 2 dem alten Marlon richtig ähnlich ist. "Alles war top, Organe waren top, also, was will man mehr?!", erzählt Simone J. in unserem Interview. Es sieht also so aus, als ob die Familie noch viele Jahre mit ihrem Liebling verbringen können wird. Ein bisschen schielen Sven und Simone auch schon in Richtung Zukunft. Es wäre doch schön, wenn Marlon sich mit dem zweiten Familienhund Molly fortpflanzen würde. "Wenn's passiert, passiert's", meint Simone lächelnd.

Familie J. aus Sachsen bereut ihre Entscheidung, ihren verstorbenen Hund klonen zu lassen, nicht eine Sekunde: "Wenn wir an dem Punkt wieder stehen, ich würde es auf jeden Fall wieder machen."