Söder bereut „Asyltourismus“-Wortwahl

Markus Söder will die AfD bis aufs Messer bekämpfen

Coronavirus - CSU-Vorstandssitzung
© dpa, Peter Kneffel, kne fdt

26. Juni 2020 - 16:06 Uhr

Annäherung der CSU an AfD sei schwerer Fehler

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder positioniert sich weiter deutlich gegen die AfD. Im Podcast des Journalisten, Autoren und Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert nennt Söder die zeitweise Annäherung der CSU an deren Agenda einen "schweren Fehler". "Es ist schon wichtig, dass man auch weltoffen bleibt für die Veränderungen der Zeit", erklärt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Podcast von Ulrich Wickert bei Audio Now

"Es gibt auch ungeschriebene Gesetze, wie man miteinander umgeht: Stil, Anstand, der dahinterstehende Respekt", erklärt der CSU-Mann auf Wickerts Frage nach den gemeinsamen Werten einer Gesellschaft und nennt den Kampf gegen die AfD als Beispiel: "Durch die bewusste Enttabuisierung, und zwar die dauerhafte, mit dem Ziel sich daran zu gewöhnen alles schlecht zu machen, haben diese Gruppen schon einen Teilerfolg", so Söder bei "Wickert trifft".

"Wir müssen schauen, dass wir diese Regeln bekräftigen und uns selbst daran halten und zweitens auch ein Stück emanzipatorisch tätig werden. Die Bürger ermuntern, diesen Weg zu gehen und sich da einzubringen. Ich habe aber auch schon auf Demonstrationen gegen die AfD teilgenommen, die von anderen Parteien organisiert waren, hier in München. Und hatte den Eindruck, dass das auch sehr akzeptiert und respektiert wird."

Der Podcast Wickert trifft mit Markus Söder ist seit dem 25. Juni 2020 auf Audio Now sowie allen anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.

Ulrich Wickert im Video: Das werden die nächsten Podcast-Gäste

Auf Wickerts Einwand, er sei mit rechtspopulistischen Begriffen wie "Asyltourismus" selbst an Grenzen gegangen, gibt sich der Ministerpräsident reumütig: "Ich habe ein Wort verwendet, damals in einer Zeit, wo es falsche Entwicklungen gab", so Söder und bezieht sich auf den Wahlkampf seiner Partei bei der Bayernwahl 2018. "Wir haben damals eine falsche Strategie gehabt. Wir haben falsch agiert (…) haben gedacht: Kann man das Phänomen AfD damit bekämpfen, indem man das Sachproblem annimmt?"

Seine innere Kehrtwende habe allerdings schnell stattgefunden, "nach wenigen Tagen, nachdem ich gemerkt habe, dass es Leute verletzen könnte, habe ich ausdrücklich gesagt, ich verwende es nicht mehr."

Dazu beigetragen hätte auch das Auftreten der AfD während der rechtsextremen Aufmärsche und Ausschreitungen 2018 in Chemnitz, "als ich das erste Mal Herrn Höcke gesehen habe – wirklich bewusst wahrgenommen – wie er mit einer weißen Rose, missbräuchlich instrumentalisiert durch die Stadt gelaufen ist." Das Symbol der Geschwister Scholl gegen die Nationalsozialisten in München in diesem Zusammenhang zu verwenden, habe er als "empörend und anbiedernd" empfunden und daraus seine Schlüsse gezogen: "Ich glaube, ich zähle heute zu den Schärfsten, die die AfD auch angehen und stellen und sich da nicht wegducken (…) Es fühlt sich nicht nur richtig an, es ist auch rational richtig", so Söder.

"Ich glaube fest daran, dass wir die AfD bekämpfen müssen"

Söder positioniert sich und seine Partei deutlich gegen die AfD: "Die Art und Weise, wie Dinge versucht werden, zu enttabuisieren – immer nach dem Motto, 'Das darf man ja noch mal sagen.' Natürlich haben wir Meinungsfreiheit, aber der Gedanke, der dahintersteht, ist nicht einfach, mal irgendeinen Unsinn zu erzählen, sondern eine ganz bewusste Veränderung der politischen Koordinaten zu machen. Und ich glaube auch ganz fest daran, dass wir die AfD bekämpfen müssen."

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