Marias Entführer nach Deutschland ausgeliefert

Maria H. ist nach fünf Jahren wieder zuhause in Freiburg.
Maria H. ist nach fünf Jahren wieder zuhause in Freiburg.
© deutsche presse agentur

02. Oktober 2018 - 18:27 Uhr

Mann sitzt in Untersuchungshaft

Das Verbrechen um Maria H. aus Freiburg war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangene Jahre, und noch immer ist nicht abschließend klar, was im Einzelnen vorgefallen ist. Nun soll der Mann, der das minderjährige Mädchen damals aus Deutschland fortbrachte, zur Klärung beitragen. Nachdem Bernhard Haase in Italien festgenommen worden war, wurde der 57-Jährige nun nach Deutschland ausgeliefert, wo er in einem Gefängnis in Baden-Württemberg in Untersuchungshaft sitzt. Bisher verweigert der Verdächtige die Aussage.

Nach fünf Jahren kehrte Maria freiwillig zurück

Maria H. und der 40 Jahre ältere Bernhard Haase: Sie liebten offenbar gemeinsam in Sizilien.
Maria H. und der 40 Jahre ältere Bernhard Haase.
© RTL

Die Ermittlungen in dem ebenso spektakulären wie rätselhaften Fall dauern an. Die Staatsanwaltschaft Freiburg teilte mit, dass Haase in den kommenden Tagen vernommen werden soll. Danach könne Anklage gegen ihn erhoben werden und es in Freiburg zum Prozess kommen. Einen genaueren Zeitplan gebe es noch nicht.

Der aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen stammende Mann war Anfang September in Sizilien festgenommen worden. Wenige Tage zuvor war die heute 18 Jahre alte Maria H., die mehr als fünf Jahre lang untergetaucht war, freiwillig nach Hause zurückgekehrt.

Ihr Begleiter schweigt seit seiner Festnahme. Er war jahrelang wegen Kindesentzugs und sexuellen Missbrauchs international gesucht worden. Der Mann muss sich verantworten, weil er ohne Einwilligung der Eltern mit der Minderjährigen untergetaucht war. Auch wenn Maria freiwillig mitgegangen ist, ist dies eine Straftat.

Maria gilt als Opfer, nicht als Beschuldigte

Der Mann ist rund 40 Jahre älter als die Freiburgerin Maria, die im Mai 2013 als 13-Jährige angeblich freiwillig mit dem Mann untertauchte. Beide hatten sich im Internet kennengelernt. Marias Familie hatte mehr als fünf Jahre lang erfolglos nach dem Mädchen gesucht. Ermittelt werde gegen den Mann, sagte ein Polizeisprecher. Maria gelte nicht als Beschuldigte, sondern als Opfer einer Straftat.

Die 18-Jährige hatte den Ermittlern in Deutschland nach ihrer Rückkehr gesagt, sie sei die meiste Zeit ohne den Mann unterwegs gewesen. Später korrigierte sie diese Aussage und gab zu, jahrelang nicht alleine, sondern gemeinsam mit dem Mann gelebt zu haben und quer durch Europa gereist zu sein. Zudem habe das Paar seit rund zwei Jahren gemeinsam in einer Wohnung in der Küstenstadt Licata in Sizilien gelebt.