Maria und die Mafia in Deutschland - eine Kronzeugin packt aus

8. März 2017 - 10:35 Uhr

Sie lebte 20 Jahre unter Verbrechern und ist seit 8 Jahren auf der Flucht, jetzt bricht sie ihr Schweigen. Für das neue 'Extra'-Spezial: 'Maria und die Mafia in Deutschland - eine Kronzeugin packt aus' begleitet RTL-Moderator Maik Meuser gemeinsam mit dem Recherchezentrum CORRECTIV und dem STERN die Ex-Mafia-Braut Maria. Erstmalig erzählt sie ihre gesamte brutale Geschichte als Frau eines führenden 'Ndrangheta-Mannes und gibt exklusive Einblicke in die ansonsten abgeschirmte Welt der Mafia-Clans. Als Kronzeugin ist sie eine der wenigen Frauen, die jemals gegen die 'Ndrangheta, die zu den mächtigsten kriminellen Organisationen der Welt gehört, ausgesagt haben. Dutzende Mafiosi wurden auch wegen ihrer Aussagen verhaftet. Die Reportage zeigt RTL am Montag, 13.3., direkt nach einer Kurzausgabe des RTL-Magazins 'Extra', das wie gewohnt um 22:15 Uhr beginnt.

Für ihre Kinder bricht Maria die Omertá, das Gesetz des Schweigens

Die Recherchen führen das Investigativ-Team ins italienische Kalabrien. Von dort aus hat sich die 'Ndrangheta in mehr als 30 Länder ausgebreitet. Mit geschätzten 53 Milliarden Euro Jahresumsatz  gilt die kalabrische Mafia seit den späten 1990er Jahren als mächtigste Mafia-Organisation Europas. Hier ist sie besonders in Deutschland aktiv, wo sie Geldwäsche über Immobilien betreibt. Wichtigste Einnahmequelle sind der Drogenhandel, Waffenhandel, Prostitution und die Müllentsorgung.

Als die damals 17-jährige Maria Pasquale heiratet, gerät sie in einen Teufelskreis aus Gewalt, Kriminalität und Abhängigkeit. Maik Meuser: "Maria wurde selbst zur Prostitution gezwungen, war in Waffenhandel und Drogenschmuggel verwickelt. Der Staatsanwalt in Catanzaro, mit dem ich sprechen konnte, nennt sie deshalb eine wichtige Zeugin." Ihr Mann ist äußerst gewalttätig. Als sie ihn nach Jahren verlässt, versucht er sogar sie umzubringen. Die damals dreifache Mutter führt ein Leben auf der Flucht. Auf Druck der Polizei und um ihre Kinder aus der Mafia-Welt herauszuholen, beginnt Maria 2008 mit dem Staat zu kooperieren. 2010 sagt sie dann aus und bricht  die Omertá, das Gesetz des Schweigens.

Nach ihrer Aussage in einem großen Prozess in Italien wird Maria in den Zeugenschutz aufgenommen. Es folgen Jahre auf der Flucht an verschiedenen Orten Italiens. Im Frühjahr 2016 glaubt sie nicht mehr sicher zu sein und verlässt das Programm.

Maria hofft jetzt auf einen Neuanfang in Deutschland

Sie flieht nach Süddeutschland in die Nähe ihres Geburtsortes. Für die Mafia bleibt sie die "Pentita", die Verräterin: "Ich stehe sowieso auf der Liste. Wenn sie mich umbringen wollen, können sie das jederzeit tun. Aber ich will nicht mehr ständig weglaufen. Ich will Ruhe, vor allem für meine Kinder. Sie sollen endlich ankommen können", sagt Maria.

Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Gefahr für italienische Kronzeugen hier in Deutschland allerdings begrenzt, wie Sigurd Jäger, Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität beim LKA Stuttgart, erklärt: "Hier ist man als Kronzeuge relativ sicher, weil die Mafiosi hier in Deutschland keine Morde mehr haben wollen und keine Aufmerksamkeit. Sie wollen kein zweites Duisburg mehr." Vor zehn Jahren wurden dort sechs Menschen, die mit einem Clan aus dem kalabrischen San Luca in Kontakt standen, kaltblütig hingerichtet. In Deutschland ginge es der Mafia nun aber vor allem darum, im Verborgenen zu agieren und nicht aufzufallen. Sabine Vogt, Chefermittlerin für Organisierte Kriminalität beim BKA: "Wir haben lange gesagt, dass Deutschland Rückzugsort für die Mafia ist. Das heißt ein Ruheraum, wo man sich zurückzieht. Aber wir wissen auch, dass Deutschland mehr ist als das. Wir sind Aktionsraum. Wir bieten natürlich Möglichkeiten, Geschäfte abzuwickeln."

Mit ihrem heutigen Ehemann, mit dem sie zwei weitere Kinder hat, hofft Maria jetzt auf einen Neuanfang in Deutschland. Allerdings holt die Vergangenheit sie selbst hier ein. Auch ihr Ex-Mann hat nach verbüßter Gefängnisstraffe eine neue Familie gegründet und Süddeutschland als seinen neuen Lebensmittelpunkt gewählt.

Begleitend zur TV-Reportage erscheint im Frühjahr das Buch 'Die Mafia in Deutschland. Kronzeugin Maria G. packt aus.' Die Autoren Maik Meuser (RTL), David Schraven (Leiter des Recherchezentrums CORRECTIV) und Wigbert Löer (STERN) enthüllen hier im Detail, wie die Mafia Deutschland als Basis für ihre kriminellen Aktivitäten nutzt.