March for our lives: Leiten diese Schüler den Wendepunkt in der Waffendebatte in den USA ein?

In Los Angeles, Seattle, New York, San Francisco und vielen anderen Städten Amerikas gingen insgesamt mehr als eine Million Menschen auf die Straße.
In Los Angeles, Seattle, New York, San Francisco und vielen anderen Städten Amerikas gingen insgesamt mehr als eine Million Menschen auf die Straße.
© Christopher Peterson/Splash News

25. März 2018 - 9:57 Uhr

Teenagerbewegung gegen die Waffengesetze in den USA

Ein jahrzehntelang geführter Streit erreicht in den USA einen neuen Höhepunkt: Nach den Todesschüssen von Parkland formiert sich eine Teenagerbewegung mit emotionalen Argumenten gegen Schusswaffen. Ist die festgefahrene Debatte an einem Wendepunkt angelangt?

Enkelin von Martin Luther King: " Ich habe einen Traum"

Die Enkelin von Martin Luther King, di eneunjährige Yolanda,  spricht auf der Demonstration: "Ich habe einen Traum. Dass genug genug ist"
Die Enkelin von Martin Luther King, die neunjährige Yolanda, spricht auf der Demonstration: "Ich habe einen Traum. Dass genug genug ist"
© REUTERS, AARON P. BERNSTEIN, JRB/HB

"Ich habe einen Traum", sagt die kleine Yolanda. Auf der Bühne vor dem Kapitol in Washington spricht sie die Worte, die vor ihr schon fast an gleicher Stelle Martin Luther King – ihr Großvater - gewählt hatte. Yolandas Traum handelt nicht mehr so sehr von der Gleichstellung der Afro-Amerikaner. Ihr Traum dreht sich um das Ende des Schusswaffenmissbrauchs in den USA. "Ich habe einen Traum: Dass genug genug ist", sagt die Kleine vor einer halben Million Zuschauern auf der Pennsylvania Avenue der US-Hauptstadt. Der Auftritt des Mädchens ist der emotionale Höhepunkt einer Demonstration, die in die Geschichtsbücher eingehen soll.

Tausende kämpfen mit den Tränen. 'March For Our Lives' (etwa: 'Demonstration für unsere Leben') überschreiben die Schüler der Marjory Douglas Stonemann Highschool in Parkland in Florida die Kundgebung. Aufgerufen hatten sie dazu, nach dem ein Massaker mit 17 Toten ihre Schule erschüttert hatte. In Los Angeles, Seattle, New York, San Francisco und vielen anderen Städten Amerikas gingen insgesamt mehr als eine Million Menschen auf die Straße, viele weitere verfolgten das Geschehen an den Fernsehschirmen. Prominente machten mit oder spendeten Geld: Oprah Winfrey und das Ehepaar George und Amal Clooney gaben zusammen eine Million Dollar.

Tränen fließen, Stimmen überschlagen sich, eine Rednerin muss sich am Pult vor Aufregung übergeben

"Diese Demonstration ist nicht der Höhepunkt, sondern der Beginn unserer Bewegung“, sagte einer der Redner entschlossen.
"Diese Demonstration ist nicht der Höhepunkt, sondern der Beginn unserer Bewegung“, sagte einer der Redner entschlossen.
© Christopher Peterson/Splash News

Es zeugt von einer ungewöhnlichen Zähigkeit im von rasend schnell wechselnden Nachrichtenzyklen geprägten Amerika, dass sich die Überlebenden von Parkland über einen langen Zeitraum Gehör bei einer breiten Öffentlichkeit verschaffen konnten. Einige der Schüler kommen selbst auf die Bühne, sie geben inzwischen dem Kampf gegen Waffengewalt in den USA ein Gesicht. Tränen fließen, Stimmen überschlagen sich. Eine der Rednerinnen muss sich am Pult vor Aufregung übergeben.

Rhetorik und Emotion lassen keinen Zweifel daran: Diese jungen Leute haben einen festen Willen. Ein Umdenken beim Umgang mit Schusswaffen muss her. "Willkommen zur Revolution", sagt Cameron Kasky, einer der Wortführer der Schüler aus Parkland, unter dem euphorischen Jubel Hunderttausender. "Diese Demonstration ist nicht der Höhepunkt, sondern der Beginn unserer Bewegung", sagt er entschlossen.

Täglich werden in den USA Menschen mit völlig legal beschafften Pistolen und Gewehren umgebracht, täglich kommt es auch zu dem, was die Amerikaner als 'Mass Shooting' bezeichnen, als Schusswaffeneinsatz mit mehreren Opfern. Fast jeden Tag kommt es auch zu Unfällen mit Schusswaffen, bei denen etwa Kleinkinder ihre Eltern oder sich selbst erschießen, weil eine geladene Waffe irgendwie in ihrer Griffweite lag.

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Der Druck auf die Politik wächst

Der Druck auf die Politik, endlich strengere Regeln beim Zugang zu Schusswaffen zu erlassen, wächst enorm.
Der Druck auf die Politik, endlich strengere Regeln beim Zugang zu Schusswaffen zu erlassen, wächst enorm.
© Cathy Gibson / Splash News

Der Zugang zu Schusswaffen ist in den USA so lax geregelt wie in keiner anderen westlichen Demokratie. Die Zahl der Todesopfer durch Schusswaffen ist in den USA so hoch wie in keiner anderen westlichen Demokratie. Dennoch kommen immer wieder Politiker mit Argumenten durch, die Waffen würden für die Jagd gebraucht und außerdem sei das Recht auf Selbstverteidigung in der Verfassung festgeschrieben.

Die im November bevorstehenden Zwischenwahlen für den US-Kongress hat die Bewegung als willkommenen Hebel für die Umsetzung ihrer Ziele ins Visier genommen. "Vote them out!2 ("Wählt sie ab!") tönt es als Sprechchor aus den Reihen der Demonstranten, sobald ein Redner auf der Bühne eine Pause einlegt.

"Entweder ihr seid für uns oder ihr seid gegen uns"

Der Druck auf die Politik, endlich strengere Regeln beim Zugang zu Schusswaffen zu erlassen, wächst enorm. Präsident Donald Trumps vorsichtiges Vorgehen, nun erst einmal die sogenannten Bump Stocks zu verbieten, die im Nu halbautomatische Waffen zu schnell feuernden Maschinenpistolen machen, dürfte sie längst nicht zufrieden stellen.

Den jungen Leuten ist bewusst, welche enorme politische Tragweite die Wahlen zur Halbzeit der ersten Amtszeit Trumps entfalten können. In dieser aufgeladenen Situation stellen sie den Kandidaten der beiden großen Parteien eine klare Alternative: "Entweder ihr seid für uns, oder ihr seid gegen uns!"