"Leake den Impfstoff!"

Künstlerkollektiv fordert Biontech auf, Impfstoff-Formel zu veröffentlichen

Mit diesem Plakat vor Biontechs Impfstoff-Produktion in Marburg fordern Künstler dazu auf, die Herstellungsanleitung des Impfstoffs freizugeben.
Mit diesem Plakat vor Biontechs Impfstoff-Produktion in Marburg fordern Künstler dazu auf, die Herstellungsanleitung des Impfstoffs freizugeben.
© Peng-Kollektiv

12. Februar 2021 - 11:56 Uhr

Kollektiv fordert Biontech auf, Infos zum Impfstoff zu veröffentlichen

Die Corona-Impfung von Biontech ist endlich da, leider geht die Verabreichung des Impfstoffes hierzulande noch recht schleppend voran. Der Grund dafür ist die noch nicht ausreichende Menge an Impfstoff, der vom Unternehmen Biontech mittlerweile auch in Marburg hergestellt wird. In Form einer Plakat- und Internetaktion fordert ein Künstlerkollektiv nun Mitarbeiter des Pharmaunternehmens dazu auf, die Produktionsanleitung des Impfstoffes zu "leaken" – also zu veröffentlichen. Auf diese Weise soll der Impfstoff hierzulande und auch dem Rest der Welt schneller zur Verfügung gestellt werden können.

Kollektiv arbeitet mit wikileaks-ähnlicher Plattform zusammen

Plakat des Peng-Kollektivs vor Biontech in Mainz
Auch vor der Biontech-Zentrale in Mainz brachten die Künstler Plakate an.
© Peng-Kollektiv

Auf den ersten Blick mutet das Plakat des Künstlerkollektivs "Peng" offiziell an – eine Frau im Laborkittel begutachtet eine Laborprobe. Würde man es nicht genauer inspizieren, könnte man denken, die Werbung stammt von Biontech selbst. Allerdings stammt dieses Plakat von einem Künstlerkollektiv und fordert die Biontech-Mitarbeiter gezielt dazu auf, die Informationen zur Herstellung des mRNA-Impfstoffes freizugeben. Dafür hat das Kollektiv auf der eigenen Internetseite eine Verlinkung zur wikileaks-ähnlichen Plattform ddosecrets (Distributed Denial of Secrets) hinterlegt.

Die Plakate wurden sowohl vor der Biontech-Zentrale in Mainz als auch vor dem hessischen Produktionsstandort in Marburg angebracht. Dort verschwanden sie allerdings wieder nach kurzer Zeit. Die so entstandene Aufmerksamkeit will die Künstlervereinigung nutzen, um einen "katastrophalen Mangel weltweit zu beheben und Menschenleben vor Profite
zu stellen" – so heißt es in einer Pressemitteilung.

Kollektiv prangert Profitgier an

Laut Robin Barnabas vom Peng-Kollektiv sei die "künstliche" Knappheit des Impfstoffes ein Problem: "Der BioNTech-Impfstoff wurde auch dank großzügiger öffentlicher Förderung entwickelt.
Trotzdem hält nun ein privates Unternehmen das Wissen unter Verschluss! Das daraus
resultierende Monopol verschärft die Impfstoff Knappheit weltweit." Insbesondere Länder im Globalen Süden, wie etwa Malawi, das aktuell besonders hart von der südafrikanischen Corona-Mutation getroffen ist, bräuchte schnell Aussicht auf ein wirksames Vakzin und die schnelle Verfügbarkeit dessen.

Mit der Veröffentlichung der Herstellungsanleitung wären laut Barnabas Unternehmen weltweit in der Lage, in die Produktionskette einzusteigen und so die ungleiche Verteilung des Impfstoffs zu beenden.

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Bündnis von Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen fordert Freigabe

Das Peng-Kollektiv ist mit seiner Forderung nicht alleine: Ein Bündnis von Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen fordert neben Biontech auch Curevac dazu auf, schnell den Weg für eine weltweite Produktion ihrer Corona-Impfstoffe zu ebnen. So sollten die Unternehmen während der Pandemie auf ihre geistigen Eigentumsrechte verzichten und Technologien und Know-How anderen Firmen zugänglich machen, heißt es in einem offenen Brief unter anderem von Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, Oxfam und Transparency International. Zudem sollten sie einen Teil der Impfstoffe für ärmere Länder bereitstellen.

Elisabeth Massute von Ärzte ohne Grenzen erklärte am Donnerstag: "Es darf nicht sein, dass ärmere Länder mit dem Schutz ihrer Risikogruppen noch Jahre warten müssen, während reiche Länder wie Deutschland schon die breite Masse impfen."

Quelle: RTL.de/DPA

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