Sie will weiter Ministerpräsidentin bleiben

Manuela Schwesig: "Die gute Nachricht: dieser Krebs ist heilbar"

© dpa, Jens Büttner, jbu fdt

10. September 2019 - 17:18 Uhr

Ein Portrait von Heike Boese

Die 45-jährige Politikerin Manuela Schwesig ist an Brustkrebs erkrankt und von ihrem Amt als kommissarische SPD-Vorsitzende zurückgetreten. Ein schwerer Schritt für die Vollblutpolitikerin aus Mecklenburg-Vorpommern – aber jetzt hat erstmal die Gesundheit Priorität.

"Die gute Nachricht ist, dieser Krebs ist heilbar." So ein Satz ist typisch Manuela Schwesig. Auch in der größten privaten Krise behält sie ihren Optimismus. Die 45-jährige Politikerin hat Brustkrebs. Ein Albtraum für jede Frau. Viele ziehen sich komplett zurück, andere versuchen, ihr bisheriges Leben so gut es irgend geht aufrecht zu halten.

Manuela Schwesig will weiterarbeiten

Manuela Schwesig hat sich für den zweiten Weg entschieden. Sie wird ihr Pensum ein bisschen zurückfahren, um genügend Zeit für die medizinische Behandlung zu haben, aber ansonsten will sie weiterarbeiten. Fast schon entschuldigend kündigt sie an, dass sie in den kommenden Monaten nicht an allen Tagen öffentliche Termine wahrnehmen werde. Aber ansonsten ist sie fest entschlossen, ihre Aufgaben als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und als Landesvorsitzende der SPD zu erfüllen.

Lediglich das Amt der kommissarischen SPD-Vorsitzenden in Berlin gibt sie auf. Die vielen zeit- und kräfteraubenden Fahrten von Schwerin nach Berlin, die permanenten Krisentelefonate mit den beiden anderen kommissarischen Vorsitzenden Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel, zusätzliche Interviews für Zeitungen, Radio und Fernsehen – all das fällt jetzt weg.

Auch ihr Vorgänger Erwin Sellering hatte Krebs

Als das Trio nach dem Rücktritt von Andrea Nahles im Juni den verwaisten Parteivorsitz übernommen hat, war keiner von ihnen scharf auf das Amt. Für alle drei war es eher Pflicht als Freude, der SPD in höchster Not zu helfen. Und alle drei haben sehr schnell ausgeschlossen, selbst für den Bundesvorsitz zu kandidieren. Diese Entscheidung hatte für Manuela Schwesig nichts mit ihrer Krebserkrankung zu tun, von der sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnte. Sie sah und sieht ihren Platz in Schwerin, auch jetzt. Als sie im Juli 2017 Regierungschefin im Nordosten der Bundesrepublik wurde, übernahm sie das Amt von Erwin Sellering. Traurige Fußnote: auch er war - wie Schwesig jetzt – an Krebs erkrankt.

Schon früh galt Manuela Schwesig als eine der großen Hoffnungen in der SPD. Sie ist tough, bodenständig, selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen – ihre Attraktivität war vielleicht sogar eher ein bisschen hinderlich als hilfreich. Schnell wurde ihr das Label "Küsten-Barbie" angeheftet. Falls sich Manuela Schwesig darüber geärgert hat, ließ sie sich das nie anmerken. Die gebürtige Brandenburgerin kommt aus sogenannten kleinen Verhältnissen.

Aufgewachsen im heutigen Landkreis Märkisch-Oderland an der Grenze zu Polen, der Vater Schlosser, die Mutter Verwaltungsangestellte. Bevor Manuela Schwesig in die Politik ging, war sie einige Jahre als Diplom-Finanzwirtin in der Steuerfahndung tätig – glamourös geht anders. Die Politikerin ist verheiratet und lebt mit ihrem zwölfjährigen Sohn und der dreijährigen Tochter in Schwerin.

Vom Berliner Politikbetrieb hat sie sich jetzt erstmal verabschiedet – sie ließ bewusst offen, ob sie eines Tages zurückkehren werde. Aber unwahrscheinlich ist das nicht. Wenn Manuela Schwesig wieder gesund ist, wird man auch in Berlin wieder viel von ihr hören.