Raphael Samuel vergleicht Kinderkriegen mit „Kidnapping und Sklaverei“

Mann verklagt Eltern - weil sie ihn geboren haben

© Screenshot Youtube, Diemair, Alexandra [RTL interactive]

6. Februar 2019 - 16:20 Uhr

Skurrile Klage mit ernstem Hintergrund

Ein 27-jähriger Inder plant, seine Eltern zu verklagen, weil sie ihn geboren haben. Klingt skurril? Ist es auch. Aber was so seltsam klingt, hat anscheinend einen ganz ernsten Hintergrund.

„Sie haben mich zu ihrem eigenen Vergnügen gezeugt“

Raphael Samuel ist gebürtiger Inder und stammt aus Mumbai. Und er ist der Initiator eines ziemlich skurrilen Gerichtsprozesses: Der 27-jährige will jetzt seine Eltern verklagen. Der Grund? Raphael Samuel wirft seinen Eltern vor, ihn ohne sein Einverständnis gezeugt und geboren zu haben.

"Ich liebe meine Eltern, wir haben eine großartige Beziehung. Aber sie haben mich zu ihrem eigenen Vergnügen gezeugt", sagt der Inder, der sich in den sozialen Netzwerken "Nihilanand" nennt, in einem Interview mit der indischen Zeitung "The Print".

Raphael Samuel ist Anhänger des Antinatalismus

Was erst einmal wie ein schlechter Scherz klingt, hat einen hochphilosophischen Hintergrund. Raphael Samuel ist Anhänger einer Bewegung, die sich Antinatalismus nennt. Antinatalisten propagieren die Kinderlosigkeit, um globalen Problemen wie Überbevölkerung, Hungersnöten und Umweltproblemen entgegenzuwirken. Formiert haben sich Anhänger der Bewegung in jüngster Vergangenheit vor allem über virtuelle Foren, soziale Netzwerke und Youtube. Und machen mit teilweise sehr provozierenden Aussagen auf sich aufmerksam.

"Ein Kind in diese Welt zu setzen und dann zu zwingen, eine Karriere aufzubauen – ist das nicht Kidnapping und Sklaverei?", fragt der 27-jährige beispielsweise in einem Youtube-Video.

„Eltern sind Heuchler“

Auch auf seiner Facebookseite mit dem Namen "Nihilanand" postet Samuel regelmäßig provokante Beiträge. Ein Bild ist mit der Überschrift "Eltern sind Heuchler" versehen, der Text darunter: "Gute Eltern stellen ihr Kind über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse.... aber das Kind selbst ist der Wunsch seiner Eltern".

Anhänger des Antinatalismus

Neu ist Antinatalismus allerdings nicht. Bereits Anfang der Neunziger wurde das Voluntary Human Extinction Movement (VHEM) gegründet, eine tiefenökologische geistige Strömung, die für das freiwillige Aussterben der Menschheit eintritt. Die VHEM möchte die Menschen dazu ermutigen, sich mit dem eventuell vorhandenen Kinderwunsch kritisch auseinanderzusetzen und freiwillig aufzuhören, sich weiter zu reproduzieren.

An der Spitze der Bewegung steht Pratima Naik, ein in Bengaluru ansässiger Diplom-Ingenieur. Wie Samuel ist Naik jung (28) und überzeugt, niemals Kinder bekommen zu wollen.

"Dies ist eine völlig freiwillige, gewaltfreie Bewegung", sagte Naik gegenüber "The Print". "Wir wollen niemandem unseren Glauben aufzwingen, aber immer mehr Menschen müssen darüber nachdenken, warum es nicht richtig ist, ein Kind auf der Welt zu haben."

Wie ernst man allerdings Raphael Samuel und die Klage gegen seine Eltern nehmen sollte, bleibt dahin gestellt. Zumindest seine Aufmachung mit falschem Bart und Sonnenbrille wirkt alles andere als seriös.