Historisches Urteil in Peking

Mann muss Ex-Frau nach Scheidung die von ihr geleistete Hausarbeit bezahlen

In China muss ein Mann seine Ex-Frau für die von ihr geleistete Hausarbeit bezahlen.
In China muss ein Mann seine Ex-Frau für die von ihr geleistete Hausarbeit bezahlen.
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd jai

24. Februar 2021 - 18:11 Uhr

Urteil: Mann muss seine Ex bezahlen

In China muss ein Mann seine Ex-Frau nachträglich für die Hausarbeit bezahlen, die sie während der Ehe geleistet hat. Ein Gericht in Peking verfügte in einer historischen Entscheidung, dass der Frau nach der Scheidung 50.000 Yuan (umgerechnet circa 6.380 Euro) zustehen für ihre unbezahlte Arbeit, die sie in fünf Jahren Ehe geleistet habe.

Frau hatte sich alleine um Haushalt und Kind gekümmert

Wie der Sender BBC berichtete hatte das Paar 2015 geheiratet. 2020 reichte der Mann dann die Scheidung ein. Die Frau habe daraufhin einen finanziellen Ausgleich gefordert, weil sie in der Ehe allein für die Hausarbeit und die Betreuung des gemeinsamen Sohnes zuständig gewesen sei.

Das Gericht verpflichtete den Mann nun zu einer monatlichen Unterhaltszahlung von 2.000 Yuan (255 Euro), sowie der einmaligen Zahlung von 50.000 Yuan für die von der Frau geleistete Hausarbeit. Der Richter erklärte bei der Urteilsverkündung, dass es bei einer Scheidung normalerweise darum ginge, die materiellen Güter eines Ehepaares aufzuteilen. In diesem Fall sei es aber auch um nicht materielle Güter gegangen, als die er die geleistete Hausarbeit der Frau wertete.

In Argentinien entschied ein Gericht 2019 in einem ähnlichen Fall ebenfalls zugunsten der Frau und sprach ihr umgerechnet 160.000 Euro für 27 Jahre Hausarbeit zu.

Hausarbeit
Wenn ein Ehepartner mehr Arbeit im Haushalt erledigt, steht ihm dann bei einer Scheidung ein finanzieller Ausgleich dafür zu?
© dpa, Monika Skolimowska, skm uk vco

Sind 50.000 Yuan angemessen für fünf Jahre Hausarbeit?

Das Urteil war möglich, weil in China ein neues Gesetzt erlassen wurde. Ehepartner haben jetzt mehr Anspruch auf finanzielle Entschädigung bei einer Scheidung, wenn sie mehr Verantwortung bei der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen tragen, bzw. ihren Partner bei der Arbeit unterstützt haben. Zuvor sei das nur möglich gewesen, wenn ein Ehevertrag vorgelegen habe.

Kritikern geht aber auch das nicht weit genug. Wie der Sender BBC berichtete, entfachte der Fall in sozialen Netzwerken in China eine Diskussion, ob 50.000 Yuan für fünf Jahre Hausarbeit wirklich genug seien. In Peking würde ein Kindermädchen in nur einem Jahr bereits mehr verdienen.

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Auch in Deutschland verrichten Frauen einen Großteil der Hausarbeit

Laut OECD verbringen chinesische Frauen etwa zweieinhalb Mal soviel Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt oder Versorgung von Kindern wie Männer. Auch in Deutschland ist die unbezahlte Arbeit ungleich verteilt. Laut einem Bericht des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung waren Frauen hierzulande 2016 durchschnittlich rund zwei Stunden pro Tag mit Hausarbeit beschäftigt. Männer hingegen gerade einmal 52 Minuten. Bei Familien mit kleinen Kindern sei dieser Unterschied sogar noch größer.

Auch Daten des Statistischen Bundesamtes und Eurostat, die bei Statista veröffentlicht wurden sprechen für sich: Demnach liegt der Anteil der Männer, die täglich kochen oder sich um Hausarbeit kümmern in Deutschland gerade einmal bei 29 Prozent, während 72 Prozent der Frauen jeden Tag etwas im Haushalt tun.

Wäre so ein Urteil auch in Deutschland möglich?

Dass sich ein Ehepartner bei der Scheidung nachträglich für die geleistete Hausarbeit bezahlen lässt, wäre in Deutschland so nicht möglich, meint Klaus Wille, Anwalt für Familienrecht. "Dafür gibt es keine Grundlage", erklärt er. Grundsätzlich sei es so, dass man in einer Ehe Anspruch auf ein Taschengeld und Haushaltsgeld habe, wenn man sich ausschließlich um den Haushalt kümmere und der andere arbeiten gehe. Nachträglich könne man das aber nicht einklagen. Bei einer Scheidung hätte man dann aber Anspruch auf Unterhaltszahlungen durch den Ehepartner.