Prozess vor Landgericht Hamburg

Mann hat seine Frau mit 50 Messerstichen getötet: "Ich weiß nicht wieso, aber ich hab die Kontrolle verloren"

24. Mai 2019 - 16:24 Uhr

Kinder fanden die Leiche ihrer Mutter

Der 50 -jährige Hamburger Marc H. steht wegen Totschlags vor Gericht. Nun hat er sich zu den Vorwürfen geäußert. Nach einem Streit soll er seine Frau, von der er getrennt lebte, im Dezember 2018 mit 50 Messerstichen getötet haben. Der Angeklagte und das Opfer haben zwei gemeinsame Söhne. Die beiden fanden die Leiche ihrer Mutter. Wie es den Kindern heute geht, erklärt eine Cousine der Toten im Video.

Maxwell, der älteste Sohn des Opfers, sagte heute ebenfalls vor Gericht aus. Am Tag der Tat sei er aus der Schule gekommen und habe gedacht, seine Mutter wäre nicht da. Als seine zwei kleineren Geschwister nach Hause kamen, entdeckten diese im Schlafzimmer die tote Mutter.
"Ich habe gehört, wie mein Bruder laut geschrien und angefangen zu weinen hat. Als ich aus dem Zimmer rauskam habe ich es meiner Schwester erzählt. Sie fing an zu weinen. Dann haben wir die Polizei gerufen."

"Das Messer kam erst später dazu, ich kann mich nicht erinnern"

ARCHIV - 06.12.2018, Hamburg: Die Außenaufnahme zeigt ein Wohnhaus im Bezirk Altona. Bei einem Familiendrama in Hamburg-Altona soll im Dezember 2018 ein 49-Jähriger seine Ehefrau mit einem Messer getötet haben. (zu dpa "Vierfache Mutter getötet - Ang
Prozess nach tödlichem Messerangriff auf vierfache Mutter
© dpa, Daniel Reinhardt, dan bra chc

Er wollte eigentlich nur ein Tablet abholen, das er zuvor einem seiner Söhne ausgeliehen hatte. Denn Marc und Juliet H. lebten getrennt. In der Wohnung soll es zu einem Streit gekommen sein. Dabei soll die vierfache Mutter "Du bist kein richtiger Mann" zu Marc H. gesagt haben.

Vor Gericht sagte Marc H. heute aus: "Sie wollte sich an mir vorbeidrängen und dann hat sie meine Schulter berührt. Und dann ist es halt körperlich geworden. Dann bin ich durchgedreht. Ich weiß nicht wieso, aber ich hab die Kontrolle verloren. Ich kann es nicht erklären. Vielleicht brach die ganze Wut aus mir raus. Meine Arme haben sich wie von alleine bewegt, ich konnte sie nicht steuern."

Marc H. soll ausgerastet sein und wild auf sie eingestochen haben. Laut Staatsanwaltschaft soll es bei dem Streit auch um den neuen Partner von Juliet H. gegangen sein. Die 42-jährige Altenpflegerin erlitt 50 Schnitt- und Stichverletzungen im Gesicht, am Hals und am Oberkörper.

Nach der Tat ging er zu McDonald's

"Ich hatte ihre Hand gehalten und geguckt, ob das Herz schlägt." Einen Rettungswagen habe er nicht gerufen, weil er dachte, es sei zu spät gewesen. Danach, erzählt er, habe er sich die Hände gewaschen, denn die wären ja voller Blut gewesen. Dann soll er noch draußen gegangen sein, um etwas zu essen. "Ich hatte Hunger, ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen." Anschließend sei er ins Kino gegangen, in einen Tanzfilm, der habe ihm gut gefallen. "Ich war geschockt und durcheinander."

Er hatte schon vorher gedroht, sie umzubringen

Der Angeklagte soll seine Frau schon zuvor gestalkt, bedroht und misshandelt haben. Doch zunächst schwiegen die 42-jährige Altenpflegerin und ihre Kinder, versuchten geregelte Verhältnisse vorzutäuschen. Nicht mal engste Familienmitglieder ahnten etwas. 2017 soll Marc H. Juliet das erste Mal gedroht haben, sie umzubringen. Er soll sie mit einem Elektroschocker misshandelt haben, mehrfach auf sie eingeprügelt haben.

Juliet H. trennte sich und zeigte ihn an. Schließlich floh sie mit ihren Kindern ins Frauenhaus. Sie bekam das alleinige Sorgerecht für die Kinder zugesprochen. Doch es gab Streit wegen der Unterhaltszahlungen. So kam der damals 49-Jährige wieder an ihre Adresse.

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