"Wir hatten von Anfang an eine Vision"

Mando Diao melden sich mit neuem Album "Bang" zurück

© Viktor Flumé, SpotOn

19. Oktober 2019 - 15:25 Uhr

Björn Dixgård im Interview

Mando Diao melden sich mit ihrer neuen Platte "Bang"* zurück. Es ist das zweite Album nach dem Ausstieg von Gustaf Norén (38) im Jahr 2015. Ist ein Comeback des ehemaligen Frontmannes möglich? Die Nachrichtenagentur spot on news hat bei Sänger Björn Dixgård (38) nachgefragt.

Mit dem neuen Album "Bang" schlagen Sie wieder mehr den Rock'n'Roll-Pfad ein. Wie kam es dazu?
Björn Dixgård: "Good Times" war eine Platte, die wir machen mussten. Nachdem Gustaf (Norén, Ex-Frontmann neben Dixgård, Anm. d. Red.) ausgestiegen war, hat sich auch die Bandkonstellation verändert. Wir wollten eine Platte machen, an der alle mitgeschrieben haben. Davor hatten immer Gustaf und ich die Songs geschrieben, das war seit der Schulzeit so. Für "Bang" hatten wir von Anfang an eine Vision. Wir wollten Songs in unserem alten Stil schreiben. Bis auf Jens (Siverstedt, Gitarrist, Anm. d. Red.) und mich - wir sind in Stockholm - leben alle anderen Bandmitglieder auf der anderen Seite von Schweden. Durch das viele Touren hatten wir wenig Zeit zuhause, weshalb hauptsächlich Jens und ich an den neuen Songs gearbeitet haben.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Gustaf heute?
Dixgård: Es existiert nicht, um ehrlich sein. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Er hat die Band verlassen, weil er sich durch das Musikgeschäft gefangen gefühlt hat. Zumindest hat er das damals gesagt. Er war nicht mehr bei der Sache. Wir hatten eine lange gemeinsame Geschichte vor der Trennung und eine Menge Probleme. Im Moment haben wir keine Beziehung zueinander. Vielleicht in der Zukunft, ich weiß es nicht.

Also ist die Tür für ihn immer offen?
Björn Dixgård: Damit wir wieder zusammen Musik machen, müssten viele Dinge passieren und wir müssten viele Gespräche führen. Wir müssten erstmal wieder miteinander klarkommen.

Verfolgen Sie seinen musikalischen Werdegang?
Björn Dixgård: Nicht wirklich. Manchmal sehe ich etwas in den Medien. Er hat das gemacht, was er machen wollte. Er wollte kleine Sachen machen und nicht mehr diese großen Touren. Er macht eigentlich nichts mehr. Er tourt nicht und bringt keine Alben mehr heraus. Ich hoffe, er ist glücklich damit.

Einer Ihrer ersten Einflüsse waren The Who. Freuen Sie sich auf das neue Album im November?
Björn Dixgård: Bringen die echt ein neues Album heraus? Okay, das wusste ich nicht. Vor zwei Tagen habe ich Interviews mit Keith Moon auf YouTube angeschaut. Das ist einfach so witzig, seine Antworten sind so verdammt lustig. Als ich jung war, sind wir voll auf das Zeug aus den 60ern und 70ern abgefahren.

Verstehen Sie Fans, die sagen, "Oh, sie folgen dem Reunion-Trend! Die machen das nur fürs Geld"?
Björn Dixgård: Ich bin mir ziemlich sicher, dass The Who kein Geld mehr brauchen - außer sie hätten es alles ausgegeben. Mich interessiert nur, wie die Musik klingt. Wenn man eine Platte hört und die Musik mag, dann mag man sie und muss nicht lang über deren Zweck nachdenken. Solange man noch Musik in sich trägt, warum soll man kein Album mehr machen?

Ihr schwedischsprachiges Album "Infruset" ist Ihr erfolgreichstes Album in Schweden, in anderen Ländern war es dagegen nicht sehr erfolgreich. Der Song "Strövtåg i hembygden" ist auch der meistgestreamte Mando-Diao-Song auf Spotify. Können Sie sich den Erfolg und den Einfluss erklären, den das Album in Schweden hatte?
Björn Dixgård: Ich glaube, das ist nur deswegen unser meistgestreamter Song, weil Spotify nicht groß war, als "Dance With Somebody" herauskam. Sonst wäre sicher dieser Song unser erfolgreichster. Was den Einfluss betrifft, ist es in den meisten Ländern so - sicher auch in Deutschland - dass die Künstler mit dem größten Erfolg die sind, die in ihrer Muttersprache singen. Bei uns war es so, dass eine Freundin von Gustaf fragte, ob wir nicht einen Song für ihre Ausstellung machen könnten. Wir haben einen gemacht und fanden, dass er ziemlich gut war. Nach einer Weile waren es zehn. Alle Plattenfirmen in Schweden haben gesagt, dass wir das nicht veröffentlichen könnten, weil kein einziger Hit dabei sei. Es gab nur eine einzige, die gesagt hat: "Das ist ein großartiges Album, das wollen wir herausbringen." Es ist dann ein Riesenerfolg geworden. Man kann nicht vorhersehen, was funktionieren wird und sollte sich stattdessen darauf konzentrieren, was man fühlt und selbst machen möchte. Das haben wir bei "Bang" auch gemacht und beten dafür, dass es der Rest der Welt auch mag.

Die Band Opeth hat vor kurzem ein Doppelalbum veröffentlicht. Der erste Teil ist auf Englisch, der zweite auf Schwedisch. Wäre das eine Option für Sie?
​Björn Dixgård: Wir wollen auf jeden Fall mehr Songs auf Schwedisch machen. Wir haben schon ein paar neue, wir müssen sie nur noch aufnehmen. Wir lieben es, auf Englisch zu singen und wir lieben es, auf Schwedisch zu singen. Es fühlt sich nur unterschiedlich an. Englisch wird immer meine bevorzugte Sprache bleiben und es wird sich auch immer ein wenig mehr nach Theater anfühlen, was aber auch nicht schlecht ist. Auf Schwedisch muss die Seele in jeder einzelnen Note passen.

spot on news

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