Ungerechtes Man-City-Urteil

Fairness ist bloß eine niedliche Idee

13. Juli 2020 - 16:59 Uhr

Ein Kommentar von Anja Rau

Manchester City darf auch in den kommenden Spielzeiten an der Champions League teilnehmen. Verstöße gegen das Financial Fair Play der UEFA kann der CAS im Berufungsverfahren nicht feststellen. Das ist ein Schlag für alle Fußballclubs, die fair und nachhaltig wirtschaften.

City kommt mit einem himmelblauen Auge davon

Manchester City kommt mit einem - wie passend - himmelblauen Auge davon. Eigentlich ist es noch nicht einmal ein richtiges Veilchen, was die Ermittler dem englischen Fußballclub verpassen. Denn das Team von Trainer Josep "Pep" Guardiola darf in der kommenden Saison in der Champions League spielen. Wenn's sportlich klappt - und davon ist auszugehen - auch in der darauffolgenden. Das ist ein Schlag für den fairen Fußball.

Von wegen das Financial Fair Play (FFP) ist ein bindendes Regelwerk für alle europäischen Fußballclubs. Eigentlich soll damit eine fast unmöglich scheinende Gleichberechtigung der Clubs hergestellt werden, kein Verein darf - grob gesagt - mehr ausgeben, als er einnimmt. Bei einigen, neben Manchester auch Paris St. Germain, wird das Prinzip öffentlich angezweifelt. Über schwerreiche Mäzene kommen die Clubs zu Geld - zu mehr, als sie durch Spielerverkäufe etc. einnehmen. 

Video: "Kein guter Tag für die Gerechtigkeit im Fußball"

Im Februar bekam Man City dafür die Quittung von den UEFA-Finanzinspektoren: Sponsoreneinkünfte seien weit über Gebühr bewertet worden, angebliche Sponsorengelder, unter anderem vom Hauptsponsor Etihad Airways, seien in Wirklichkeit von Club-Besitzer Scheich Mansour gezahlt worden. Ein Verschleiern mit System, mit Kalkül. Die Folge: Der Club wird für zwei Saisons vom Europacup ausgeschlossen.

"Nicht begründet" oder "verjährt"

Nun widerruft der Internationale Sportgerichtshof CAS die Strafe. Verwobene Geschäftsbeziehungen sind häufig schwer nachzuvollziehen, das hilft dem englischen Vizemeister jetzt. Beweise für die Täuschung gebe es nicht, heißt es deshalb - im Zweifel für den Angeklagten. Die meisten Anklagepunkte gelten als "nicht begründet" oder "verjährt", urteilt der CAS.

Fälle von 2013/14 sind damit nicht mehr strafbar, weil eine Frist von fünf Jahren gilt. Dabei hatte "Football Leaks" veröffentlicht, dass PSG und ManCity nicht sanktioniert wurden, obwohl ihre Bilanzen laut UEFA-Einschätzungen gegen das FFP verstoßen hatten. Druck der Clubeigner hatte gereicht, einer Strafe zu entgehen.

Nun wird sogar die von der Uefa auferlegte Geldstrafe von 30 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro reduziert. Sie muss nur gezahlt werden, weil City die Kooperation mit den ermittelnden Institutionen verweigert hat - ein vermeintliches Indiz für die Mauschelei. Die Summe ist ein Klacks für den Club, dessen Kader einen Gesamtmarktwert von mehr als einer Milliarde Euro hat.

Für die Uefa und das Financial Fair Play bedeutet dies: Das Konzept ist gescheitert. Weil die großen Clubs viel Macht haben und mit ihrer Präsenz letztlich die Verbände stärken, ist man nicht an einer echten Strafe interessiert. Schon vor Einführung des FFP sagten Kritiker, das Regelwerk gewährleiste, dass "die großen Vereine groß bleiben und die kleineren Vereine klein". Mit dem Freispruch für Manchester City ist das bewiesen. Da hilft es auch nichts, dass die Uefa das FFP als Instrument verteidigt, um "Clubs zu schützen und ihnen dabei zu helfen, finanziell nachhaltig" zu wirtschaften. An dieser Art der Hilfe sind nicht alle interessiert.

(Quelle: ntv.de)