Mallorca ist zu voll: Touristen-Limit in der Hauptsaison?

21. Juli 2015 - 10:38 Uhr

Aufnahmekapazität "total erschöpft"

Die neue Regierungschefin der Balearen-Insel, Francina Armengol, sagt dem Massentourismus den Kampf an: All-Inklusive-Angebote sollen beschränkt werden, um die lokale Wirtschaft zu stärken. Außerdem drohen Urlaubern eine Ökoabgabe und Eintrittsgelder für Strände.

Mallorca voller Strand
80 Prozent der Urlauber kommen in den Sommermonaten auf die Balearen-Inseln.
© ZBSP, Z5311 Jens Wolf

"Wir wollen einen nachhaltigeren Tourismus", sagt Armengol und kündigt eine radikale Tourismuspolitik an. "Klasse statt Masse" ist dabei das Motto. Besonders in den Sommermonaten sei die Insel einfach zu voll, so die Sozialdemokratin. 80 Prozent der 14 Millionen Urlauber, die die Balearen jährlich besuchen, kommen in der Hochsaison im Sommer auf die Inseln Mallorca, Ibiza, Formentera und Menorca. Alle seien sich darüber im Klaren, dass die Aufnahmekapazität in dieser Zeit "total erschöpft" sei, sagte Biel Barceló, stellvertretender Ministerpräsident der Autonomen Gemeinschaft. Es gebe aber viel Spielraum, um den Tourismus außerhalb der Sommermonate wachsen zu lassen.

Die wichtigste Maßnahme soll dabei die Einführung einer Touristenabgabe sein, ähnlich einer Kur-Taxe. Die Einnahmen sollen unter anderem für die Verbesserung der Infrastruktur und den Naturschutz ausgegeben werden, so Armengol. Die neue linke Regierung in Palma würde damit dem Beispiel der Machthaber auf den Kanaren folgen, die bereits vor einigen Wochen konkrete Pläne für eine Begrenzung der Touristenzahlen bekanntgegeben haben.

"Das wäre eine Tragödie!"

Auf dem Festland kommen diese Maßnahmen allerdings gar nicht gut an. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy ging mit Blick auf die vielen Initiativen linker Regionalregierungen auf die Barrikaden. Im Bereich des Tourismus müsse man mit "extremer Vorsicht" handeln, warnte er. Kein Wunder: Der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt Spaniens beträgt gute elf Prozent. Der Sektor beschäftigt zwei Millionen Menschen. Und gerade die Arbeitslosigkeit von 23 Prozent - eine der höchsten Quoten der Europäischen Union - bereiten Rajoys Volkspartei (PP) vor den Parlamentswahlen Ende des Jahres große Sorgen.

Selbst Spaniens überhaupt nicht zuständiger Justizminister der Zentralregierung, Rafael Catalá, zeigte sich empört: "Das wäre eine Tragödie!" rief er speziell auf die Touristenabgabe in Madrid angesprochen. Es sei so, als "würde man sich selber in den Fuß schießen" wenn es um Wettbewerbsfähigkeit gehe.