Vom Strand in die Quarantäne

Malle „sicherer als Deutschland“ - so erleben Urlauber die Abreise aus dem Risikogebiet

Coronavirus - Mallorca - Tui
Coronavirus - Mallorca - Tui
© dpa, Clara Margais, vco wst

22. August 2020 - 12:05 Uhr

Abreise aus dem Risikogebiet: So gehen deutsche Urlauber mit der Situation um

Samstag ist auf Mallorca bekanntlich Abreise-Tag. Doch dieser Samstag ist für alle deutschen Urlauber am Flughafen in Palma ein Besonderer. Denn: Er steht auch für die Abreise aus einem Risikogebiet – und für Einige auch für einen verfrühten Abbruch des langersehnten Sommerurlaubs. Mit im Gepäck bei Vielen: Ein mulmiges Gefühl – denn zu Hause warten Pflichttest und Quarantäne.

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Mallorca-Urlauber: „Die Regeln werden hier strenger eingehalten“

Es ist ein ungewohntes Bild am Flughafen von Palma. Deutsch hört man weniger, es sind überwiegend spanische, italienische und französische Touristen unterwegs. Auch die Schlangen zur Gepäckabgabe vor dem TUI- oder Germanwings-Schalter wirken um einiges verlassener als im Normalbetrieb.

Risikogebiet, Reisewarnung, abgesagte Pauschalreisen – für Mallorca-Urlauber ging es vergangene Woche Schlag auf Schlag. Nicht alle können die Schritte der deutschen Behörden nachvollziehen. "Mallorca ist sicherer als Deutschland", erzählt uns Nadine S. vor dem TUI-Schalter. Sie fliegt heute gemeinsam mit ihrem Mann und den vier Kindern zurück nach Deutschland. "Die Regeln wurden hier viel strenger eingehalten, als ich es von zu Hause gewöhnt bin."

Reise-Rückkehrer: Sorge vor langer Wartezeit auf Corona-Testergebnis

Der TUI-Schalter am Flughafen von Palma de Mallorca am Samstagmorgen.
Der TUI-Schalter am Flughafen von Palma de Mallorca am Samstagmorgen.
© RTL

Sorgen bereitet der Familie die Situation im Testzentrum am Stuttgarter Flughafen. "Wir haben gehört, dass manche Urlauber bis zu fünf Tage auf das Testergebnis warten müssen. Das ist natürlich fatal", sagt Nadine S. "Das ärgert uns. Zurzeit kann sich jeder Urlauber testen lassen – auch wenn er nicht aus einem Risikogebiet kommt. Da müssen doch andere Prioritäten gesetzt werden."

Welche Erfahrungen unserer RTL-Reporterin bei ihrer Rückreise aus Mallorca gemacht hat, lesen Sie hier.

Auch der Urlaub von Familie Jahn wurde von der Reisewarnung überschattet. "Wir haben alles aus dem Urlaub heraus gemanagt. Freunde waren für uns einkaufen, sodass wir auf jeden Fall Essen für drei Tage für die Quarantäne zu Hause haben", erzählt Familienvater Lukas Jahn. "Wir sind alle Eventualitäten durchgegangen: positiver oder negativer Test. Die Angst schwingt da natürlich immer mit."

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Mallorca leer gefegt: Deutsche Urlauber verlassen die Insel

Nach der Veröffentlichung der Reisewarnung hatte Branchenprimus TUI seine Gäste gebeten, innerhalb von sieben Tagen die Rückreise anzutreten. Da die meisten Urlauber ihre bereits gebuchten Verbindungen nutzen konnten, musste TUI dafür keine Sonderflüge einsetzen. Bis Montag werden die meisten Gäste wieder zu Hause sein, erklärt eine TUI-Sprecherin auf Anfrage von RTL.

Auswirkungen hat das vor allem auf Urlauber, die eine längere Reise gebucht haben und ihren Aufenthalt auf der Insel früher als geplant abbrechen müssen. Der Reisekonzern bekomme dabei die Rückmeldung von Gästen, "dass sie gern geblieben wären, weil die Hygiene- und Sicherheitskonzepte gut umgesetzt werden und sie sich sicher fühlen."

Debatte um Corona-Test für Reise-Rückkehrer: Wer muss zahlen?

Ähnlich sieht das auch Manuela P. aus Stuttgart: "Der Urlaub hier auf Mallorca war toll, ich habe mich sicherer gefühlt als in Deutschland. Alles war sauber und sehr schön." Zur Debatte über die Kostenübernahme der Pflichttests für Reise-Rückkehrer hat sie eine klare Haltung: "Wenn der Staat die ganzen reichen Firmen retten kann, dann kann er uns auch den Corona-Test bezahlen."

Nachdem auch Teile Kroatiens als Risikogebiet eingestuft wurden, wird in Deutschland weiterhin darüber diskutiert, ob Pflichttests für Rückkehrer aus Risikogebieten von den Reisenden selbst bezahlt werden sollten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt das bisher ab. Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) plädiert für eine neue Strategie im Herbst, wenn wieder Ferien sind. Die "Volksseele" koche zu Recht, wenn jemand bewusst ins Risikogebiet Mallorca fahre und sich bei der Rückkehr auf Kosten der Allgemeinheit testen lasse, sagte sie in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

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Touristen doch nicht Schuld an Corona-Lage?

Für Unmut bei Mallorca-Touristen sorgt unterdessen eine weitere Meldung aus Spanien. Bisher hatte man die steigenden Corona-Infektionen an den Touristen festgemacht, doch das spanische Gesundheitsministerium vermeldet jetzt: 70 Prozent der Ansteckungen kamen auf Familienfesten und Feiern im Freundeskreis zustande.

Abreise aus dem Risikogebiet: Welche Möglichkeiten haben Urlaubs-Rückkehrer?

Am Freitag wurden das spanische Festland und die Balearen vom Robert Koch-Institut (RKI) zum Risikogebiet erklärt. Für Urlauber bedeutet das, dass sie bei ihrer Rückkehr einen Corona-Test vorweisen müssen.

Dafür haben Reiserückkehrer zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich schon im Urlaubsland in den 48 Stunden vor der Abreise testen. Dann müssen sie den Test aber selbst bezahlen. Oder sie lassen sich bis zu drei Tage nach der Rückkehr in Deutschland testen - kostenlos. Dabei müssen Urlauber so lange in häuslicher Quarantäne bleiben, bis das Testergebnis vorliegt.

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