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Mali: Kämpfe vertreiben 380.000 Menschen

Mali: Kämpfe vertreiben 380.000 Menschen

Mali Krieg Flüchtlinge
Die Menschen in Malis Hauptstadt Bamako unterstützen das Eingreifen der Franzosen.
REUTERS, JOE PENNEY

Ärzte berichten von Geisterstädten

Die blutigen Gefechte zwischen Regierungstruppen und Islamisten haben in Mali bislang insgesamt 380.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Unter ihnen sind viele Kinder. Seit April 2012 sind rund 150.000 Menschen in benachbarte Länder geflohen. Die restlichen 230.000 sollen versuchen, sich innerhalb des Landes in Sicherheit zu bringen.

Seit dem militärischen Eingreifen Frankreichs habe sich die Zahl der innerhalb Malis geflohenen oder vertriebenen Menschen um mehr als 30.000 erhöht. Das teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit.

Mancher Ort gleiche einer "Geisterstadt", berichtet die Hilfsorganisation 'Ärzte ohne Grenzen'. Die Kämpfe toben in Nord- und Zentralmali. Deshalb ziehen die Menschen in Richtung Süden, sagte der stellvertretende Uno-Sprecher Eduardo del Buey. Die Dunkelziffer sei noch höher.

"Wir haben bislang rund 144.500 Flüchtlinge aus Mali in umliegenden Ländern registriert", sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. Die humanitäre Lage sei weiterhin sehr besorgniserregend. Mit 54.100 Menschen habe Mauretanien die größte Zahl von Flüchtlingen aus Mali aufgenommen, gefolgt von Niger mit mehr als 50.000, Burkina Faso mit 38.800 sowie Algerien mit 1.500.

Doch dorthin müssen die Flüchtlinge erst einmal kommen. Berichten aus Mali zufolge sollen Islamistengruppen die Menschen daran hindern, das Kriegsgebiet zu verlassen. Mittlerweile sollen Mauretanien und Algerien Soldaten an ihren Grenzen postiert haben, um diese abzuriegeln.

Keine deutsche Beteiligung an Kampfhandlungen

Unterdessen haben die Islamisten die Stadt Diabali 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako erobert. Die französische Regierung konterte mit Luftangriffen und will die Truppen deutlich verstärken. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian plant nach übereinstimmenden Berichten, bis zu 2.500 Soldaten zu schicken. Präsident François Hollande hatte zuvor von rund 750 Soldaten gesprochen, die aktuell in Mali im Einsatz sind. Die Tageszeitung 'Le Monde' berichtete, eine Einheit mit 40 französischen Panzern aus der Elfenbeinküste habe die malische Hauptstadt Bamako erreicht.

Auch Länder wie Niger, Burkina Faso, Senegal, Togo, Nigeria und Benin wollen die malische Regierung mit der gemeinsamen Kampftruppe gegen die islamistischen Aufständischen im Land unterstützen und eine rund 3.300 Mann starke Kampftruppe aufstellen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat das militärische Eingreifen Frankreichs in Mali gutgeheißen. "Alle Mitglieder haben ihre Unterstützung für die französische Position ausgedrückt", sagte der französische UN-Botschafter Gérard Araud.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta kündigte eine "begrenzte logistische Unterstützung" des französischen Einsatzes an. Logistische Hilfe haben auch Kanada, Großbritannien, Belgien und Dänemark zugesagt.

In Deutschland steht eine Unterstützung mit Transall-Transportmaschinen zur Debatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen bekräftigt, dass sich Deutschland nicht an Kampfhandlungen in Mali beteiligen werde. "Wir überlegen, ob wir logistische Unterstützung leisten oder humanitäre Hilfe", sagte sie.