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Malaysia-Maschine über der Ostukraine "wohl vom Himmel geschossen": 298 Menschen sterben, darunter vier Deutsche

Malaysia-Maschine über der Ostukraine "wohl vom Himmel geschossen": 298 Menschen sterben, darunter vier Deutsche

"Ukraine-Konflikt Gefahr für die ganze Welt"

Der Konflikt in der Ostukraine hat höchstwahrscheinlich die schwerste Flugzeugkatastrophe in Europa seit Jahrzehnten verursacht. Im Osten des Landes haben Rettungskräfte nach dem Absturz eines malaysischen Verkehrsflugzeugs mit 298 Menschen an Bord viele Leichen geborgen. Unter den Opfern sind mindestens vier Deutsche. Die Boeing 777-200 auf dem Flug vom Amsterdam nach Kuala Lumpur war nach einem mutmaßlichen Raketenbeschuss über dem von Rebellen kontrollierten Gebiet abgestürzt. Die ukrainische Regierung und prorussische Separatisten beschuldigen sich gegenseitig. Inzwischen haben Rettungskräfte nach Angaben der regierungstreuen Gebietsverwaltung von Donezk zwei Flugschreiber sichergestellt.

Flugzeug der Malaysia-Airlines über der Ukraine abgestürzt
Nach dem Flugzeugabsturz in der Ostukraine liegen die Trümmer über Kilometer verteilt.
dpa, Anastasia Vlasova

Niemand überlebte den Absturz. Nach jüngsten Angaben kamen 173 Niederländer, 44 Malaysier, 27 Australier zwölf Indonesier, neun Briten, vier Belgier, drei Philippiner, ein Kanadier und ein Neuseeländer sowie vier Deutsche ums Leben. Noch sei nicht bei allen Getöteten die Nationalität festgestellt worden, sagte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus und forderte eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. Es gebe "sehr, sehr viele Indizien für einen Abschuss".

An der Absturzstelle lagen brennende oder rauchende Trümmer über Kilometer verteilt, wie ein Augenzeuge der 'Süddeutschen Zeitung' berichtete. Reiseführer von Bali würden die Ziele mancher Passagiere verraten. "Das Feld ist übersät mit Leichen. Es sind viele Kinder darunter – es ist unbeschreiblich schrecklich", sagte der Augenzeuge. Manche seien angeschnallt an ihren Sitzen.

An Bord waren zahlreiche Aids-Aktivisten. Sie befanden sich auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne, wie die International Aids Society mitteilte. Es ist der zweite schwere Schlag für Malaysia Airlines innerhalb von Monaten. Im März verschwand Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking.

Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach von einem "terroristischen Akt". Er warf den prorussischen Separatisten vor, die Boeing mit einer Rakete abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Der Vorfall belege, dass die Krise in seinem Land die internationale Sicherheit gefährde. "Die heutige Tragödie zeigt erneut, dass Terrorismus nicht örtlich begrenzt ist, sondern ein Problem der ganzen Welt ist", hieß es in einer Erklärung des prowestlichen Politikers.

US-Vizepräsident: Absturz "kein Unfall"

Der Geheimdienst der Ukraine hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing 777-200 hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen.

Die Aufständischen dementierten, für den Absturz der Boeing verantwortlich zu sein. Sie hatten sich aber zuletzt mehrfach damit gebrüstet, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Nach unbestätigten Berichten hatten die Separatisten behauptet, im Verlauf der Kämpfe ein Buk-Flugabwehrsystem erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. Die MH17 flog deutlich tiefer. Nach offiziellen Angaben aus Kiew hatten die Separatisten zwar im Juni eine solche-Anlage erobert, diese sei allerdings nicht funktionsfähig gewesen. Aus Sicht der Ukraine führt die Spur nach Russland.

Dagegen gab der russische Präsident Wladimir Putin indirekt der Ukraine die Schuld. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gäbe, sagte der Kremlchef. Später forderte er die ukrainische Regierung und die Separatisten zu einer Waffenruhe auf. Damit sollten Verhandlungen ermöglicht werden, so Putin.

Die prorussischen Separatisten kündigten eine zwei- bis viertägige Waffenruhe zur Untersuchung der Ursache an. Jedoch behindern sie nach Angaben des ukrainischen Regierungschefs Arseni Jazenjuk die Helfer an der Absturzstelle massiv: "Diese Banditen lassen eine Untersuchung der Tragödie durch unsere Leute nicht zu." Präsident Petro Poroschenko warf den Separatisten vor, Beweise zu vertuschen.

Die USA gehen nach Auswertung von Satelliten-Aufnahmen davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert wurde. Auch Vizepräsident Joe Biden sprach von einem Abschuss der Maschine. Der Absturz sei "kein Unfall", die Maschine sei "vom Himmel geholt worden", sagte Biden nach Angaben des TV-Senders MSNBC. Das entspricht der Einschätzung des US-Geheimdienstes.

US-Präsident Barack Obama forderte eine internationale Untersuchung der Ursache für den Absturz. In einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Poroschenko sagte er, am Ort des Absturzes dürfe nichts verändert werden, bis internationale Experten "alle Aspekte der Tragödie" untersuchen können.