Maike Kohl-Richter: Kohl-Witwe bekommt keine Entschädigung

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29. Mai 2018 - 15:57 Uhr

Gerichtsurteil: Maike Kohl-Richter geht leer aus

Das hatte sie anders erhofft: Maike Kohl-Richter hat keinen Anspruch auf eine von Altkanzler Helmut Kohl erstrittene Rekord-Entschädigung in Höhe von einer Million Euro. Das entschied das Oberlandesgericht Köln. Der Anspruch auf Geldentschädigung sei nicht vererbbar, erläuterte die Vorsitzende Richterin Margarete Reske. Schließlich gehe es darum, dem Geschädigten Genugtuung zu verschaffen, und das sei nur möglich, solange er noch lebe.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und seine Ehefrau Maike Kohl-Richter kommen zusammen am Samstag (03.04.2010) an ihrem Wohnhaus in Ludwigshafen-Oggersheim vor die Eingangstüre. Kohl feiert am 3. April seinen 80. Geburtstag. Eine zentrale Feier wird es am
Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und seine Ehefrau Maike Kohl-Richter am 3. April 2010 an seinem 80. Geburtstag.
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Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig - die Witwe und Alleinerbin Maike Kohl-Richter (54) kann dagegen in Revision gehen. Wird dem stattgegeben, Dann würde in letzter Instanz der Bundesgerichtshof entscheiden. Helmut Kohl (1930-2017) hatte die Entschädigung kurz vor seinem Tod vom Landgericht Köln zugesprochen bekommen, weil in dem Buch 'Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle' unautorisierte Zitate von ihm veröffentlicht worden waren.

Buchautor Heribert Schwan kommentierte das Urteil bissig: "Die gierige Kohl-Witwe kriegt keinen Cent", sagte er zur jüngsten Gerichtsentscheidung zu seinem Dauerstreit mit dem mittlerweile gestorbenen Altkanzler. Allerdings äußert das Gericht scharfe Kritik an seiner Arbeit.

Erneut deutliche Kritik an unkorrekter Arbeit von Buchautor Herbert Schwan

Der Autor Heribert Schwan präsentiert in Berlin das Buch "Vermächtnis. Foto: Britta Pedersen/Archiv
Der umstrittene Buchautor Heribert Schwan.
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Nahezu zwei Stunden lang listete Richterin Reske immer wieder "Fehlzitate", "Kontext-Verfälschungen" und "grobe Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht" auf. Sie erläuterte dies anhand von mehreren Beispielen. So enthielt Heribert Schwans Buch eine abfällige Bemerkung Kohls über Prinzessin Diana. Lese man aber das Gesprächsprotokoll nach, erfahre man, dass Schwan Kohl damals gefragt habe, ob er denn auch mal Diana kennengelernt habe. Woraufhin dieser geantwortet habe: "Natürlich. Aber darüber schreiben wir nichts."

Ein anderes Beispiel, das Reske ausführlich darlegte: Schwans Buch wurde seinerzeit beworben mit dem Kohl-Zitat, dass Kanzlerin Angela Merkel anfangs nicht mit Messer und Gabel habe essen können. Aus dem Kontext herausgelöst, wirke das wie eine vernichtende Generalabrechnung mit Merkel, sagte Reske. Tatsächlich aber stamme die Äußerung aus Erläuterungen Kohls über den Mentalitätsunterschied zwischen Ost- und Westdeutschen kurz nach der Wiedervereinigung. Er habe deutlich machen wollen, dass bürgerliche Gewohnheiten in der DDR viel weniger selbstverständlich gewesen seien als im Westen. Seine eigentliche Kritik habe sich dabei gegen Westdeutsche gerichtet, die dafür kein Verständnis aufgebracht hätten.

Somit haben alle Gerichte, die bisher mit dem Fall befasst waren, übereinstimmend festgestellt, dass Schwan in seinem Buch niemals unautorisierte Zitate des ehemaligen CDU-Politikers und "Kanzlers der Einheit" habe veröffentlichen dürfen. Warum? Weil Kohl ihm das alles nur als Ghostwriter seiner Memoiren erzählt hatte. Er redete viel, mehr als 600 Stunden lang. Aber nur einen kleinen Teil davon wollte er nach Überzeugung der Gerichte auch veröffentlicht sehen.