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Maidan – Janukowitsch wollte Waffen sprechen lassen

Maidan – Janukowitsch wollte Waffen sprechen lassen

Janukowitsch, Ukraine
Janukowitsch wollte Demonstration gewaltsam auflösen
dpa, Tim Brakemeier

Sicherheitskräfte sollten Demonstranten einkesseln

Niemand weiß, wo sich Ukraines Ex-Präsident Viktor Janukowitsch aufhält, viele tippen auf die Halbinsel Krim. Dafür wurde nun bekannt, was er getan hätte, wenn er weiter im Amt geblieben wäre: Janukowitsch wollte die Demonstrationen gegen ihn offenbar mit einem Großeinsatz Tausender Sicherheitskräfte niederschlagen. Das geht aus Dokumenten hervor, die Journalisten zufolge in der Residenz des Ex-Machthabers nahe Kiew gefunden wurden. Ein Abgeordneter der bisherigen Opposition stellte die brisanten Informationen ins Internet.

Nach den Plänen sollte der Unabhängigkeitsplatz in Kiew umstellt werden, Scharfschützen hätten das Feuer auf die Demonstranten eröffnen sollen. 22.000 Polizisten, darunter 2.000 Spezialkräfte sollten an der Aktion beteiligt werden.

Mit der Veröffentlichung solle der Druck auf die neue Führung erhöht werden, den flüchtigen Janukowitsch vor Gericht zu stellen, sagte der Abgeordnete Hennadi Moskal. Der Ex-Präsident wird mit Haftbefehl gesucht. Ihm wird Massenmord vorgeworfen. Bei Feuergefechten zwischen der Polizei und Janukowitsch-Gegnern auf dem Unabhängigkeitsplatz wurden vergangene Woche mindestens 88 Menschen getötet. Die Demonstranten hielten den Platz drei Monate lang besetzt. Dabei schossen Scharfschützen gezielt auf Protestler. Viele Ukrainer machen dafür unter anderem den geflohenen Innenminister Witali Sachartschenko und den abgetauchten Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka verantwortlich. Das Parlament ernannte die Getöteten posthum zu "Helden der Ukraine".

Und sie wollen auch jetzt nicht abziehen, sondern erst, wenn es eine neue, zuverlässige Regierung gibt, die ihren Vorstellungen entspricht. Dafür soll nun der nächste Schritt erfolgen: Das Parlament will einen neuen Ministerpräsidenten wählen. Offizielle Kandidaten gibt es nicht. Infrage für den Posten kommt der frühere Parlamentspräsident Arseni Jazenjuk, der im Parlament die Fraktion der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko führt. Als möglicher Kandidat wird zudem der Unternehmer und frühere Außen- und Wirtschaftsminister Pjotr Poroschenko gehandelt.

Russland bestreitet Legitimität der neuen Regierung

Da das Land vor dem Staatsbankrott steht, reißt sich niemand um den Posten des Regierungschefs. Die bisherige Opposition hatte am Wochenende nach monatelangen Protesten die Macht in Kiew übernommen und rasch alle wichtigen Posten besetzt.

Russland bestritt die Legitimität der neuen Regierung und warnte vor "diktatorischen" und "terroristischen" Methoden. "Falls sich Leute, die in schwarzen Masken und mit Kalaschnikow-Sturmgewehren durch Kiew schlendern, als Regierung bezeichnen, so wird die Arbeit mit einem solchen Kabinett sehr schwierig sein", sagte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew. Das russische Außenministerium warf dem Westen vor, sich in Wahrheit nicht um das Schicksal des Landes zu sorgen, sondern lediglich geostrategische Interessen zu verfolgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Ukraine auf, für neuen Zusammenhalt im Land zu sorgen. Die jetzigen Verantwortlichen müssten bei der Zusammensetzung der neuen Regierung auch auf den prorussischen Osten und den Süden des Landes Rücksicht nehmen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.