Mahnwache für Mathias Puddig in Berlin

Journalist (35) auf dem Fahrrad von Lkw überfahren

ADFC Berlin e.V.
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06. August 2020 - 10:26 Uhr

Berliner Radaktivisten riefen zu Mahnwache auf

Mathias Puddig wartete am Montagnachmittag im Berliner Stadtteil Adlershof an einer roten Ampel, als ein Lastwagenfahrer plötzlich die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, gegen den Ampelmast prallte und dabei den 35-jährigen Journalisten erfasste. Er war sofort tot. Am Mittwoch riefen Radaktivisten des ADFC und des Vereins Changing Cities zu einer Mahnwache auf. Etwa 80 Personen versammelten sich am Unfallort.

Radaktivisten fordern mehr Engagement des Bundes

Mahnwache in Berlin für verstorbenen Radfahrer.
Mahnwache in Berlin für verstorbenen Radfahrer.
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Dreimal klingelten die Trauernden im Gedenken an den Verstorbenen, während von der Autobahnbrücke über ihnen das Rauschen des Autoverkehrs zu hören war, schreibt der "Tagesspiegel". Bei einigen sei der Zorn deutlich zu spüren gewesen. "Eigentlich könnte ich durch die Decke gehen", wird Rad-Aktivist Jörg Siewert zitiert. "Die Politik müsste eine andere Gangart einschalten. Ich demonstriere schon seit über zehn Jahren für Radfahrerrechte. Und irgendwann baut sich Frust auf." In den Händen hielt er ein Schild mit der Parole: Die "Vision Zero" - null Tote im Straßenverkehr.

Puddig saß gegen 13:15 Uhr auf seinem Fahrrad und wartete an einer Ampel, als ihn der Sattelschlepper auf der Kreuzung erfasste. Laut Polizei erlitt er so schwere Verletzungen, dass er noch am Unfallort starb. Die Unfallursache ist laut "Tagesspiegel" weiterhin unklar. "Nach einem typischen Abbiegeunfall sieht es jedenfalls nicht aus", heißt es dort. Den ersten Ermittlungen zufolge kam der Lastwagen von der Straße ab, stieß gegen den Ampelmast und tötete den 35-Jährigen. 

"Die spezielle Kreuzung war bisher nicht als Gefahrenstelle bekannt", sagt Lisa Feitsch vom ADFC Berlin der Zeitung, "im Umfeld von Hermann-Dorner-Allee und Ernst-Ruska-Ufer in Treptow-Köpenick gab es jedoch bereits mehrere Unfälle, bei denen Lkw-Fahrende Radfahrende töteten."

„Er war neugierig, fröhlich, vielseitig“

Puddig arbeitete in der Redaktion der Märkische Oderzeitung (MOZ). "Dieser Unfall erschüttert unsere Redaktion bis ins Mark. Denn bei dem Toten handelt es sich um unseren Kollegen und Freund Mathias Puddig. Er wurde 35 Jahre alt", schreibt die Zeitung in einem langen Nachruf auf ihren Berlin-Korrespondenten. "Er war neugierig, fröhlich, vielseitig interessiert, offen für die Welt – so wie es ein guter Journalist sein muss, wie es ein Mensch sein sollte und nur wenige es sind."

Noch im Juli 2018 hatte er einen Artikel zum Thema "Abbiegeassistenten für Lkw" veröffentlichte. "Als Pkw-Fahrer vergisst man leicht, wie groß und unübersichtlich so ein Lkw ist.[...] Steht dort ein Radfahrer oder auch ein Fußgänger, ist er beim Rechtsabbiegen des Lasters chancenlos – egal, ob er sich an die Straßenverkehrsordnung hält oder nicht. Ob ein Lkw mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet ist, ist deshalb keine Frage der Bequemlichkeit oder der Kosten. Es ist eine Frage von Leben und Tod", zitiert der "Tagesspiegel" aus dem Artikel.