"Don King kommt aus der Nummer nicht mehr raus"

Promoter-Spielchen und Visa-Probleme: Charr-Kampf in den USA vom Tisch

Zurück ins Gym: Mahmoud Charr muss weiter auf seinen nächsten Profikampf warten.
Zurück ins Gym: Mahmoud Charr muss weiter auf seinen nächsten Profikampf warten.
© imago/Marianne Müller, Marianne Mueller, imago sportfotodienst

28. Januar 2021 - 9:26 Uhr

Charr vs. Bryan abgesagt

Der für Freitag in Florida geplante WBA-WM-Kampf im Schwergewicht zwischen Mahmoud Charr aus Köln und dem Amerikaner Trevor Bryan ist vom Tisch. Wie "Boxingscene.com" berichtet, sagten die Veranstalter das Duell um den sogenannten "regulären" WM-Gürtel des Verbandes WBA ab, weil die Kampfverträge nicht unterschrieben seien.

King: Charr hat falsches Visum

Die WBA hatte den 29. Januar als Deadline für das Gefecht zwischen dem "regulären" WBA-Weltmeister Charr und "Interims"-Champion Bryan festgelegt. Bryans Promoter Don King hatte die Rechte an der Veranstaltung 2020 für zwei Millionen Dollar erworben. Der Kampf sollte am Freitag im Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood/Florida stattfinden.

King macht die Charr-Seite für die Absage verantwortlich. Charr habe nicht das nötige P1-Visum erhalten, um in den USA einen Profikampf zu bestreiten. "Das Visum, das er bekommen hat, erlaubt ihm in die USA zu reisen, aber sein Antrag für ein P1-Visum steht noch aus. Wenn er ein P1-Visum erhält, könnte er boxen, ohne geht es nicht", sagte Carl King, Anwalt und Sohn des berüchtigten Promoters, zu "Boxingscene".

Laut dem Fachblatt zeigten Unterlagen jedoch, dass Charrs P1-Visum bereit sei, zur Genehmigung fehle nur noch ein von King gegengezeichneter Vertrag für den Kampf des Syrers in den USA. Als veranstaltender Promoter sei King zudem für Visa-Angelegenheiten verantwortlich gewesen.

Charr-Promoter: King hat's verbockt

Charr und sein Promoter Erol Ceylan werfen King vor, ein mieses Spiel zu treiben, um den Kampf zwischen Charr und Bryan zu verhindern. Tatsächlich hatte der 89-Jährige bei der WBA eine Petition eingereicht. Inhalt: Bryan solle gegen King-Schützling Bermane Stiverne um den WBA-Titel boxen, Charr stattdessen zum "Weltmeister im Ruhestand" erklärt werden.

"Man wollte nie, dass der Kampf stattfindet. Wir wurden nie als Partner wahrgenommen, es gab keine Antworten auf unsere Mails. Wir haben einen Vertrag bekommen und diesen unterschrieben zurückgeschickt, aber nie ein gegengezeichnetes Dokument erhalten. Alles haben wir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und keinerlei Angriffsfläche geboten", sagte Ceylan zu "Boxen1.com".

King habe bei der zuständigen "Athletic Commission" in Florida nicht einmal einen Antrag für den Kampf zwischen Charr und Bryan gestellt, so Ceylan. "Rein technisch kann er damit nicht stattfinden." Der Hamburger Promoter ist sicher: "Don King kommt so aus der Nummer nicht mehr raus." Allerdings ist der Starkstromfrisurenträger mit dem Verband aus Panama eng verbandelt.

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BERLIN - OCTOBER 11:  Don King, boxing promoter during the WBC World Heavyweight Championship fight between  Samuel Peter and Vitali Klitschko at the O2 World on October 11, 2008 in Berlin, Germany.  (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Don King schwingt gerne Fähnchen und ist ein durchaus windiger Geschäftsmann
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

WBA = Weird Boxing Association (zu deutsch: ein wirrer Verein)

Die WBA hat noch nicht auf das Chaos reagiert. Laut den Verbandsbossen hätte der Kampf zwischen Charr und Bryan zwingend bis 29. Januar stattfinden müssen. Offen ist, ob beide Boxer ihre Titel behalten dürfen. Dass die WBA Kings Wunsch nachkommt und Charr vorläufig zum "Ruheständler" macht, ist ohne weiteres denkbar.

Allerdings müsste der Verband Charr dann die Chance geben, später wieder um den Titel zu boxen – auch, um eine Klage vor Gericht abzuwenden. Eine solche hat die WBA schon seit Jahren in Form von Box-Opa Fres Oquendo an der Backe. Dem Puerto-Ricaner hatte der Verband jahrelang einen WM-Kampf versprochen – ohne, dass es je dazu kam.

Möglich, dass auch Charr bald im Gerichtsaal aktiv wird. Die Faustlos-Odyssee des einstigen Klitschko-Herausforderers geht freilich weiter. Der "Koloss von Köln" hat seit November 2017 nicht mehr geboxt. Damals besiegte er in Oberhausen den Russen Alexander Ustinov nach Punkten, gewann den zweitrangigen, "regulären" WM-Titel der WBA.

Eine Titelverteidigung kam in den Jahren danach nie zustande, auch, weil Charr vor einem geplanten Kampf 2018 in Köln gegen Oquendo mit Steroiden erwischt wurde.