Rede des britischen Grünen-Politikers Magid Magid geht viral

"Matteo Salvini ist ein Feigling": EU-Abgeordneter aus Somalia rechnet mit Italien-Hardliner ab

22. Juli 2019 - 10:14 Uhr

Der Grünen-Abgeordnete Magid Magid spricht nur eine Minute und elf Sekunden. Doch die Rede des britischen Politikers im europäischen Parlament hat es in sich: "Matteo Salvini ist ein Feigling", sagt der gebürtige Somalier über den italienischen Innenminister. Buhrufe hallen durch den Saal. Auf Twitter ist die Rede schon jetzt ein Hit.

"Sie werden alle verlieren"

Magid Magid beginnt seine Ansprache ans Plenum mit einer arabischen Grußformel. "Salam Aleikum", sagt er. Der Mann mit der gelben, verkehrt herum getragenen Baseballkappe spricht über Seenotrettung, lobt den Einsatz der deutschen "Sea Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete. Sie symbolisiere ein faires, gütiges Europa. Matteo Salvini sei das Gegenteil, ein Feigling. "Welcher erwachsene Mann schaut einem ertrinkenden Kind zu, das nach Luft schnappt und dreht ihm dann den Rücken zu?"

Buh-Rufe hallen durch das Parlament. Das bringt den 30-Jährigen in Fahrt. Er wendet sich direkt an Salvinis Unterstützer und die rechte Fraktion: "Sie werden alle verlieren. Denn am Ende werden die, die Mut im Herzen haben, gewinnen. Das verspreche ich Ihnen." Applaus brandet auf. Einen Tag danach wurde die Rede auf Twitter bereits 262.000 Mal aufgerufen.

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Mit 28 ist Magid Bürgermeister von Sheffield

Wenn Magid Magid über Flüchtlinge redet, weiß er, wovon er spricht. Der 30-Jährige wurde 1989 in Somalia geboren. Im Land tobte der Bürgerkrieg. 1994 flüchtete seine Mutter mit ihm und seinen fünf Geschwistern. Sechs Monate verbrachten sie in einem Auffanglager in Äthiopien, bevor sie schließlich in Großbritannien ankamen. Seitdem hat Magid eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. 2014 tritt er in die Green Party of England and Wales (GPEW) ein. Mit 28 wird er in Sheffield zum jüngsten Bürgermeister gewählt, den die Stadt je hatte. Zur Feier seines Wahlsieges im Bürgerhaus ließ er den Imperial March aus Star Wars und die Titelmelodie von Superman spielen.

Für sein Amtsportrait ließ er sich kniend wie Batman in Doc Martens auf dem Pfeiler der Rathaustreppe ablichten. Das gefiel nicht jedem. Im Interview mit "Bento" hält Magid dagegen: "Ich konnte Menschen erreichen, die sich sonst eher weniger mit Politik beschäftigt haben – weil ich eben nicht der klassische Politiker bin."   

"Ich bin schwarz. Gewöhnt euch dran"

Das bekommt er eigenen Angaben zufolge auch an seinem ersten Tag im EU-Parlament zu spüren. Magid postete auf Twitter ein Foto von sich. Er trägt ein Shirt: "F**K FASCISM", steht darauf. Er sitzt vor dem Gebäude, schaut müde in den Himmel. "Dein Gesicht, wenn dich gerade jemand gefragt hat, ob du dich verlaufen hast und dir dann sagt, du sollst verschwinden – an deinem ersten Arbeitstag". Das Parlament hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen. Magid schreibt auf Twitter: "Ich weiß, dass ich anders aussehe. Ich habe nicht das Privileg, meine Identität verstecken zu können. Ich bin schwarz und mein Name ist Magid. Ich habe nicht vor, mich anzupassen. Gewöhnt euch dran."