Magen-Darm-Welle: Heute neue Ergebnisse

07. Oktober 2012 - 19:17 Uhr

Klarheit durch Lagebericht des RKI?

Die Welle der Brechdurchfall-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ebbt ab, doch weiterhin bleibt die Ursache ungeklärt. Heute könnten neue Erkenntnisse über einen möglichen Auslöser der Epidemie bekannt werden. Das Robert-Koch-Institut will seinen aktuellen Lagebericht zu den gemeldeten Fällen vorlegen. Zusätzlich werden auch Neuigkeiten von den Landesbehörden und der eingesetzten Task-Force erwartet, die Essenslieferanten und Speisen überprüft und Laboruntersuchungen veranlasst haben.

Robert-Koch-Institut veröffentlicht aktuellen Lagebericht
Die Suche nach dem Erreger der Magen Darm Welle - wird der Bericht des Robert-Koch-Instituts Klarheit bringen?
© dpa bildfunk

Nach Mahlzeiten in Schulen und Kindertagesstätten waren mit Stand vom Sonntag mindestens 8.365 Jugendliche und Kinder sowie einige Erwachsene in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankt.

Das für Ernährung zuständige Bundesministerium sieht deutliche Anzeichen für Entspannung. Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten. In Sachsen und Thüringen wurde das hochansteckende Noro-Virus in einigen Fällen als Erreger nachgewiesen. Es führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher. In Nordsachsen stieg die Zahl der Erkrankungen zuletzt wieder leicht an. Von den 38 neuen Erkrankungen wurden in 23 Fällen hochansteckende Noro-Viren nachgewiesen.

Der Erreger soll sich über den Caterer 'Sodexo' im hessischen Rüsselsheim verbreitet haben, der die Schulen mit Kantinenessen beliefert. Einen Zusammenhang mit dem Kantinenessen sehen die Behörden durchaus. "Wir können jetzt sagen, dass es wohl einen Zusammenhang gibt zwischen dem Kantinenessen und dem Ausbruch der am 26. und am 27. September in den fünf Bundesländern stattgefunden hat", so Gerd Fricke vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

In Berlin und Thüringen haben Schulen und Kindergärten jetzt auf Essen von 'Sodexo' verzichtet. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung will mit der Firma verhandeln, ob die Essens-Lieferungen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden. Die Verwaltung empfahl Eltern, ihren Kindern Verpflegung mitzugeben. Erzieher haben die Erlaubnis, für zwei Euro pro Kind, Essen zu kaufen. In Thüringen untersagte eine Amtsärztin dem Anbieter bis auf weiteres, in einer Suhler Großküche Essen für Kinder zu kochen.

Ansonsten werde aber überall wieder Kantinenessen produziert und geliefert, sagte 'Sodexo'-Sprecher Stephan Dürholt: "An unseren Produktionsprozessen und hygienischen Arbeitsweisen liegt es nicht. Da ist überhaupt nichts beanstandet worden - und wir sind sehr, sehr intensiv untersucht worden". Wenn die Erkrankungswelle tatsächlich mit den Essenslieferungen im Zusammenhang stehe, sei davon auszugehen, dass es an einem zugelieferten Produkt liege. Die Task-Force-Experten aus Bund und Ländern, gehen derzeit davon aus, dass ein kontaminiertes Lebensmittel den Ausbruch verursacht hat.

Die Suche nach dem Erreger

Das Noro-Virus ist als alleiniger Auslöser der Epidemie nicht bestätigt. Auch die Bakterienart Bacillus cereus steht im Verdacht, erklärte Jürgen Ziegenfuß, Abteilungsleiter im Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Thüringen. Das Bakterium bildet Gifte (Toxine) aus, die hitzebeständig sind. In Thüringen wurde der Erreger seit Ausbruch der Krankheitswelle in zwei Laborproben nachgewiesen. Das RKI berichtete, als "mögliche Auslöser sind Norovirus oder Toxine von toxinbildenden Bakterien (z.B.: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) in Betracht zu ziehen." Human- und Lebensmittelproben würden weiter untersucht.

Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei kurz und unkompliziert, so das RKI. Es besteht kein Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen. Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind.

Mit 2.800 Fällen wurden die meisten Erkrankungen in Sachsen registriert, wo am Montag 19 vorübergehend geschlossene Schulen wieder geöffnet wurden. 2.415 Fälle waren im Land Brandenburg gemeldet, 2.213 laut RKI in Berlin, 887 in Thüringen, 50 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern kein Fall. In Berlin und Brandenburg sind die Schulen jetzt wegen der Herbstferien geschlossen.