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Magdeburg: Prozess gegen Tagesmütter beginnt

Magdeburg: Prozess gegen Tagesmütter beginnt

52-Jährige in 89 Fällen angeklagt

Sie sollen kleine Kinder gezwungen haben, Erbrochenes zu essen, ihnen nasse Windeln ins Gesicht gedrückt haben: Zwei Tagesmütter aus Sachsen-Anhalt sollen Kinder in ihrer Obhut gequält haben. Nun müssen sie sich vor dem Landgericht in Magdeburg verantworten.

Die 52 Jahre alte Frau und ihre 28 Jahre alte Tochter hatten in ihrer Wohnung in Magdeburg mit behördlicher Erlaubnis eine Kindertagespflege betrieben. Der 52-Jährigen wird unter anderem Nötigung und Misshandlung von Schutzbefohlenen in 89 Fällen vorgeworfen. Ihre Tochter soll an 67 der Fälle beteiligt gewesen sein. Zehn Prozesstage sind angesetzt, 35 Zeugen sollen vernommen werden.

Angeklagte bestreiten die Vorwürfe

Die Angeklagten bestreiten die Misshandlung ihrer Schützlinge. "Das stimmt nicht", sagte die 52-Jährige. Ihre 28-jährige Tochter stritt die Vorwürfe ebenfalls ab. Es habe ein konsequentes, aber kein strenges Erziehungskonzept gegeben, sagte sie.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Berufsverbot für die beiden Tagesmütter beantragt. Noch bis vor kurzem hatten die beiden Frauen Kinder betreut. Bei einer Verurteilung drohen den beiden Angeklagten nach Angaben eines Gerichtssprechers bis zu 15 Jahre Haft.

Bis heute leiden einige Kinder laut Anklage unter den Folgen der Misshandlung. Sie seien verängstigt, hätten Schlafstörungen und panische Angst vor dem Töpfchen.

Tagesmütter kümmern sich um Jungen und Mädchen unter drei Jahren. In der Regel betreut eine Tagesmutter eine kleine Gruppe von Kindern bei sich zu Hause oder im Haushalt der Eltern. Nach Angaben des Bundesverbandes für Kindertagespflege muss man für die Arbeit als Tagesmutter beim Jugendamt eine Erlaubnis beantragen. Voraussetzung sind eine entsprechende Qualifikation, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitsnachweis.