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Männeranteil unter Erziehern steigt in Thüringen nur langsam

Erzieher Mario bastelt mit Finn-Ole in der Holzwerkstatt
Erzieher Mario Byell bastelt mit dem fünfjährigen Finn-Ole in der Holzwerkstatt. Foto: Jens Büttner © deutsche presse agentur

Der Anteil männlicher Erzieher in Thüringen hat sich in den vergangenen sechs Jahren fast verdoppelt - und bleibt trotzdem auf einem niedrigen Niveau. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Demnach stieg die Zahl des männlichen pädagogischen Personals in den Kindertagesstätten auf 630 im Jahr 2017. Sechs Jahre zuvor wren es nur 297.

Doch der Männeranteil an den 13.951 Erziehern im Freistaat ist weiterhin gering: Mit 4,52 Prozent lag er im vergangenen Jahr unter dem Bundesdurchschnitt von 5,75 Prozent und noch weit unter den von der EU empfohlenen 20 Prozent Männeranteil in Kitas.

In den Statistiken werden nicht nur Männer aufgeführt, die eine Erzieher-Ausbildung haben, sondern auch anderes pädagogisches Personal wie Kinderpfleger oder Sozialpädagogen. Im bundesweiten Vergleich liegt Thüringen beim Männeranteil auf dem drittletzten Platz. Nur in Bayern (4,11 Prozent) und im Saarland (4,47 Prozent) gibt es anteilig noch weniger männliche Pädagogen in den Kitas.

"Wir wollen langfristig den Anteil von männlichen Erziehern weiter erhöhen", sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Er wolle Schulabsolventen ermuntern, sich für eine Erzieherausbildung zu entscheiden. "Kinder - Jungen und Mädchen gleichermaßen - sollen in der frühkindlichen Bildung weibliche und männliche Rollenvorbilder und Bezugspersonen haben", sagte Holter.

Nach Einschätzung der Jenaer Soziologin Sylka Scholz könne ein höherer Anteil männlicher Erzieher helfen, Stereotype über Geschlechter abzubauen. "Kinder sehen, dass dieser Beruf von beiden Geschlechtern ausgeübt wird und dass Männer Gefühle zeigen können", sagte Scholz. Immer noch gelte die Arbeit in den Kitas als weibliches Berufsfeld. "Dabei machen Männer oft gute Erfahrungen in dem Beruf."

Für ein studentisches Forschungsprojekt führte ein Team um Scholz Interviews mit Männern, die in Kitas arbeiten. Diese erlebten, dass ihnen oft schnell bestimmte Rollen zugewiesen wurden. Man habe von den männlichen Kollegen erwartet, dass sie zum Beispiel für das Raufen oder Fußballspielen zuständig sein müssten. "Dabei wollen diese Männer Kinder gar nicht geschlechtsspezifisch erziehen", erklärt Scholz.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Initiativen vom Bund, der EU und dem Land Thüringen gegeben, um den Anteil männlicher Erzieher zu erhöhen - die meisten davon sind aber bereits ausgelaufen. Geschlechterfragen spielen aber laut Bildungsministerium unter anderem im Startprojekt Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie "Entwicklung innovativer Lernumgebungen" und im Thüringer Bildungsplan eine Rolle.


Quelle: DPA

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