"Männer! Alles auf Anfang" - Interview Hans-Jochen Wagner

Schauspieler Hans-Jochen Wagner

11. Dezember 2014 - 16:20 Uhr

Hans-Jochen über seine Figur David

Schauspieler Hans-Jochen Wagner spielt eine tragende Rolle in der neuen RTL Dramedy-Serie "Männer! Alles auf Anfang". Mit uns spricht er über Freundschaft, Liebe und seine persönlichen Macken.

Was für ein Typ ist dein Rolle David?

David Mendelbaum will geliebt werden, von seinen Kindern, seiner Frau und vom Rest der Welt. Dieser eher unbewusste Wunsch führt dazu, dass er immer alles richtig machen will, in jeder Situation, er ist ständig bemüht um das Wohl seiner Liebsten. Leider lässt er sich dabei mehr von seinen eigenen Vorstellungen leiten, anstatt die anderen zu fragen, was sie denn wirklich gerne hätten. Diese Vorstellungen setzt er recht pedantisch um und fällt natürlich aus allen Wolken, wenn dann dafür keine Dankbarkeit zurückkommt, sondern der Vorwurf des Egoismus.

Hast du auch privat so pedantische Züge?

Nein, nicht in äußerlichen Dingen. In meinem Gerechtigkeitsempfinden bin ich jedoch sehr pedantisch.

Was hast du sonst für Macken?

Da müssen Sie meine Freunde fragen, die wissen das vermutlich besser als ich. Das Schöne ist, dass ich in einem Umfeld lebe, in dem über die Macken des anderen und die eigenen viel und herzlich gelacht wird.

Als Frau weiß man manchmal nicht, ob man mit der Figur David Mendelbaum Mitleid haben, oder ihm am liebsten ordentlich in den Hintern treten soll. Was wäre dir lieber?

Mitleid wäre sicher das Falscheste, eher Mitgefühl. Er ist sich ja keiner Schuld bewusst. Man müsste ihm das, was sein Verhalten auslöst, liebevoll spiegeln und wenn er es dann trotzdem nicht ändert, in den Hintern treten. Leider ist es im Leben und der Serie eher anders herum, zu erst kommt der Tritt, dann erst allmählich die Erklärung.

Mal angenommen, du dürftest drei Gegenstände aus deiner Wohnung mitnehmen, welche wären das?

Meine Gitarre, ein Buch von David Foster Wallace und meine Frau.

Wenn deine Serienfigur dein bester Freund wäre, welchen (Beziehungs-)Tipp würdest du ihm geben?

Ich würde ihm sagen, er soll sich mal an seinen echten eigenen Bedürfnissen orientieren, nicht an seiner unbewussten Sehnsucht nach bedingungsloser, allseitiger Liebe. Darauf kann man als Kind hoffen, nicht als erwachsener Mann. Diesen Erkenntnisprozess durchläuft David in der Serie, das Erwachsenwerden.

"Es gibt keine perfekte Beziehung"

Warum trennen sich deiner Meinung nach so viele Paare? Was machen sie falsch? Wie sieht für dich die perfekte Beziehung aus?

Es gibt keine perfekten Menschen, deswegen gibt es auch keine perfekten Beziehungen. Aber für mich ist eine gute Kommunikation der Schlüssel jeder Beziehung. Viele Menschen haben das verlernt, es wird wahnsinnig viel geredet, aber aneinander vorbei. Ich musste das richtig lernen, das Zuhören und das ehrliche Äußern des eigenen Erlebens, ohne zu urteilen. Es wird viel zu viel geurteilt über einander, das sprengt jede Beziehung. So ist es auch bei den Paaren in unserer Serie, die Situation muss erst aufbrechen, damit man wieder offener kommunizieren kann.

Trennen / scheiden / leiden Männer anders als Frauen? Wie?

Das denke ich nicht. Da gibt es alle Variationen geschlechterübergreifend. Was unsere Serie ausmacht ist, dass alle drei Männer aus ihrem gewohnten Umfeld fliegen, völlig überraschend. Das zieht ihnen natürlich zunächst den Boden unter den Füßen weg. Sie müssen sich außerhalb ihres bisherigen Selbstbildes als Familienvater und Ehemann oder langjähriger Freund eine neue Identität aufbauen. Das fällt Männern vielleicht schwerer als Frauen, wegen der tradierten Rollenbilder.

Was war das Verrückteste, was du jemals getan hast, um eine Frau zu beeindrucken?

Das verrückteste, was ich je getan habe ist, meiner Frau eine Heiratsantrag zu machen, mit Ring. Gottseidank erfolgreich. Hätte mir jemand vor zehn Jahren gesagt, dass ich einmal heiraten würde, hätte ich ihn für wahnsinnig erklärt.

Haben Sie selbst schon einmal in einer Männer-WG gewohnt? Wie war das?

Ich habe sowohl in Männer WGs als auch in gemischten WGs gewohnt. Das ist natürlich immer eine Frage der Konstellation von Persönlichkeiten. Aber meine Erfahrungen waren insgesamt gut, ich mag ja Menschen in meiner Nähe und wenn sie mir auf die Nerven gehen, muss ich das sagen können, dann ist alles gut. Dass die hygienischen Toleranzgrenzen verschieden liegen, ist immer ein Problem, auch bei Joris, Ben und David, aber auch da geht es um die richtige Kommunikation und Akzeptanz. Das ist in einer WG nicht anders als in einer Ehe.