Macron in seiner neuen Paraderolle: Der Trump-Flüsterer

30. April 2018 - 12:19 Uhr

Von Franca Lehfeldt

"Ich packe meinen Koffer" - dieses Spiel hat der französische Präsident Emmanuel Macron vor seinem Staatsbesuch in Washington sehr bewusst und intensiv geübt. Im Gepäck befinden sich nicht nur die Interessen Europas, sondern auch ein Baum, ein Honigtopf und etwas "extra time" für den amerikanischen Nachrichtensender 'Fox News'.

So will Frankreichs Präsident seinen US-Kollegen zähmen

Trump und Macron mit Frauen in Washington
Die beiden Präsidentenpaare einheitlich gekleidet, der gesamte Besuch ist symbolisch ausgerichtet.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, SAV/HB

Bevor Emmanuel Macron zu seinem ersten Besuch bei Donald Trump in Washington aufbricht, gibt er zunächst dem konservativen Sender Fox News ein zehnminütiges Interview. Der Sender gilt als Trumps persönliches Sprachrohr und ist für seine Trump-freundliche Berichterstattung bekannt. So kann man das Interview, in dem Macron brav Rede und Antwort, steht auch als eine Art Vorstellungsgespräch interpretieren.

Allen Beteiligten ist klar: er spricht nicht mit dem TV Sender, sondern direkt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Macron nutzt dies, um erste herzliche Worte an Trump zu richten. Auf die Frage nach ihrem Verhältnis antwortet Macron: "Wir haben eine besondere Beziehung. Wir sind beide Außenseiter unserer Systeme, wir sind nicht Teil des politischen Systems gewesen. Und wir haben auch persönlich ein sehr enges Verhältnis." Eine erste Portion Honig um Trumps nicht vorhandenen Bart.

Übergepäck an Bord des französischen Airbus

Trump und Macron im Garten des Weißen Hauses.
Macron und Trump fassen gemeinsam an, um die französische Eiche im Garten des Weißen Hauses zu pflanzen.
© dpa, Andrew Harnik, AH hjb

Mit viel Tamtam empfängt Trump seinen französischen Amtskollegen, der standesgemäß mit einem Airbus im Land des Flugzeug-Giganten Boeing anreist. Jede Menge Symbolik begleitet den Empfang, schnell wird klar: die beiden Staatschefs mögen sich, begegnen sich auf Augenhöhe.

Doch bei aller Sympathie, die Themen die Macron im Gepäck hat, wiegen schwer. Angefangen beim Atomvertrag mit dem Iran, dem Umgang mit Russlands Staatschef Putin bis hin zum Handel zwischen den USA und Europa - in vielen Punkten unterscheiden sich Meinungen und Ziele. Für Macron, der den US-Militärschlag gegen Syrien unterstützt hat, steht fest: "Man führt keinen Handelskrieg gegen seine Alliierten" - damit dürfte feststehen, dass Macron seinen Besuch als Interessenvertreter Europas nutzen möchte.

Obwohl die Themen komplex sind, bleibt vor den Gesprächen noch etwas Zeit, um einen Baum zu pflanzen. Macron hat hierfür eine Eiche mitgebracht, symbolträchtig aus dem Wald von Belleau, in dem die Franzosen neben den Amerikaner im Ersten Weltkrieg gegen die Deutschen kämpften. Es ist die reinste Charmeoffensive. Die beiden Staatsmänner pflanzen das Mitbringsel gemeinsam mit ihren Ehefrauen im Garten des Weißen Hauses.

Dann ging es mit dem Hubschrauber zum Abendessen zum Landsitz des ersten Präsidenten George Washington. Auch Trump lässt sich nicht lumpen, immerhin ist es der offizielle Staatsempfang, den der US-Präsident ausrichtet.

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Merkel lässt Macron den Vortritt

So glamourös und spektakulär der Empfang und die demonstrativ zelebrierte Freundschaft auch sind, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist damit nicht zu beeindrucken. Aus Kreisen des Elysee-Palastes heißt es, Merkel habe sich mit Macron inhaltlich abgesprochen. Die Taktik Macrons, den Trump-Versteher zu geben, sich zu verbünden statt zu polarisieren, ist neu.

Der Franzose, der dafür bekannt ist, Umwege einzuschlagen, um an sein Ziel zu kommen, hat auch sein Vorhaben akribisch geplant. Die Bilder des langen, ausgiebigen Händedrucks der beiden Staatschefs im vergangenen Jahr sind immer noch präsent. Macron will Trump zähmen, mit und nicht gegen ihn arbeiten.

Merkel wird den dreitägigen Besuch aufmerksam verfolgen. Am Freitag, wenn Macron abgereist sein wird, reist sie nach Washington. Auch wenn es keinen glamourösen Staatsempfang für sie geben wird und allgemein bekannt ist, dass der US-Präsident und die Kanzlerin nicht die allerbesten Freunde sind, darf sie darauf hoffen, dass Emmanuel Macron den Boden für einen freundlichen Empfang und sachliche Gespräche bereitet hat. Ihre Visite ist schließlich als "Arbeitsbesuch" deklariert.