Wir haben andere Probleme - aber das ist TROTZDEM wichtig

Suche nach dem Kanzler-Kandidaten: Der ganz normale Wahnsinn!

Armin Laschet und Markus Söder: Die Union sucht ihren Kanzlerkandidaten
Armin Laschet und Markus Söder: Die Union sucht ihren Kanzlerkandidaten
© dpa, Michael Kappeler, mkx alf

14. April 2021 - 13:17 Uhr

Ein Kommentar von Philipp Sandmann, Berlin

Erstaunlich ist, wie erstaunt viele Menschen über den Machtkampf in der Union sind. Am Dienstag das große Spektakel bei der Bundestagsfraktion der Union. CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder liefern sich einen offenen Machtkampf.

Zugegeben: Das Timing hätte besser sein können. Das Zeitfenster für eine andere Variante war allerdings klein. Denn wirklich stark war Armin Laschet nur ganz kurz. Nämlich dann, als er im Januar gerade zum Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt worden war.

Hätte es damals sofort Gespräche mit der CSU gegeben und die CDU auf eine schnelle Entscheidung gedrängt, so wäre ein Kanzlerkandidat Laschet wohl kaum zu verhindern gewesen. Die Umfragewerte waren in Ordnung, die Maskenaffäre in der Union noch kein Thema. Schon damals warnten aber Politiker aus der Union: Wenn die Umfragewerte unter 30 Prozent fallen, dann geht die Diskussion los. So war es dann auch.

Demokratischer Machtkampf!

Heute sieht die Welt also anders aus. Die Union ist schwer beschädigt und das Vertrauen in das Pandemie-Management der Bundesregierung dürftig.

Inmitten einer wegweisenden Sitzungswoche des Bundestages, in der es um eine grundlegende Änderung des Infektionsschutzgesetzes geht, passiert also dieser Schaukampf zwischen Söder und Laschet.

Wir haben doch andere Probleme, meinen viele Menschen. Haben wir auch. Trotzdem: Wer als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen geht, das ist keine unerhebliche Frage. Das Ringen um den besten Kandidaten oder die beste Idee: Auch das gehört zum ganz normalen (demokratischen) Wahnsinn dazu.

Dazu kommt die Frage: Was wäre eigentlich gewesen, wenn Armin Laschet (oder Markus Söder) bereits vor Monaten zum Kanzlerkandidaten gekürt worden wäre? Die Maskenaffäre wäre auch dann ans Licht gekommen und das Vertrauen ins Management der Bundesregierung hätte ebenfalls gelitten. Nur dann wäre eben auch schon der Kanzlerkandidat der Union schwer beschädigt gewesen.

Sowohl Markus Söder als auch Armin Laschet tragen die Verantwortung dafür, was in ihren eigenen Reihen von CSU und CDU passiert. Noch sind aber keine Wahlplakate gedruckt, auf denen das Gesicht des einen oder des anderen zu sehen ist.

Wer wird Merkels Nachfolger?

Nach 16 Jahren Kanzlerschaft der Union unter der Führung von Angela Merkel, wird die Bundestagswahl im September eine historische. Viel wurde seit Angela Merkels Rückzug als Parteivorsitzende über ihre Nachfolge geredet.

Kramp-Karrenbauer, Merz, Laschet, Spahn, Röttgen und auch Söder: Sie alle wollten es oder wollen es werden. Noch hat es keiner geschafft. Eine wirkliche Nachfolge von Merkel tritt nur der an, der das Kanzleramt verteidigen kann. Denn das ist die Messlatte, die Merkel so hoch gesteckt hat bei vier Wahlsiegen. Und wenn die Union dafür ein paar Tage braucht, um herauszufinden, wer die besten Chancen dafür hat, dann sollte sie sich diese Zeit auch nehmen. Sogar inmitten der Corona-Krise.

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