Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat Zweifel an Hetzjagden in Chemnitz

07. September 2018 - 6:46 Uhr

Maaßen: Keine Informationen über Hetzjagden

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hat Zweifel, dass es während der rechtsgerichteten Demonstrationen in Chemnitz zu regelrechten Hetzjagden auf Ausländer gekommen ist. Dem Verfassungsschutz lägen "keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben", sagte Maaßen der "Bild"-Zeitung.

"Gezielte Falschinformation, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken"

Hans-Georg Maaßen
Hans-Georg Maaßen, Präsident im Bundesamt für Verfassungsschutz, spricht während einer Konferenz. Foto: Soeren Stache/Archiv
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Über das Video, das Jagdszenen auf ausländische Menschen nahe des Johannisplatzes in Chemnitz zeigen soll, sagte er: "Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist." Nach seiner vorsichtigen Bewertung "sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken".

Den Begriff "Hetzjagd" hatte unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) benutzt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widersprach ihr am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Landtag. Das Geschehen in Chemnitz müsse richtig beschrieben werden, sagte er. "Klar ist: Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome."​

Am Donnerstag hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer Verständnis für die empörten Demonstranten geäußert. Die Migration seie die "Mutter aller Probleme". Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte daraufhin im RTL-Sommerinterview besonnen: "Ich sag das anders. Ich sage, die  Integrationsfrage stellt uns vor Herausforderungen. Dabei gibt es auch Probleme, dabei gibt es auch Erfolge."


Quelle: DPA/RTL.de