2018 M11 14 - 20:55 Uhr

Fake News mit fatalen folgen

In Mexiko haben über Whatsapp verbreitete Fake News eine blutige Spur hinterlassen: Ein aufgebrachter Mob verbrannte zwei Männer bei lebendigem Leibe, weil sie zu einer Gruppe von Kindesentführern gehört haben sollen - dabei war die gesamte Geschichte komplett erfunden. Der erschreckende Fall zeigt einmal mehr, welch fatale Folgen gezielt gestreute Falschinformationen haben können.

Falschmeldung kostet zwei Männer das Leben

Für Ricardo Flores (21) und seinen Onkel Alberto (53) begann der Tag ganz gewöhnlich, doch er entwickelte sich zu einem Albtraum. Wie "El Mundo" berichtet, wollten die beiden im Ort Acatlán Baumaterial für einen Brunnen kaufen. Doch als sie ihren Wagen nahe einer Schule parkten, wurden sie bald von Anwohnern attackiert. Der Grund: Wegen einer als Kettenbrief versendeten Whatsapp-Nachricht waren die Bewohner in Alarmbereitschaft.

In der Nachricht warnte ein Unbekannter die Mexikaner vor einer Gruppe angeblicher Kindesentführer, die sich dem Handel mit Kinderorganen verschrieben habe. Spätestens als die Polizei die beiden Männer als Schutzmaßnahme wegen Störung des öffentlichen Friedens vorsorglich mit auf die Wache nahm, stand für die Bewohner fest: Bei den beiden muss es sich wirklich um die Entführer handeln.

Wütende Menschenmenge übt Selbstjustiz

In der Polizeiwache wähnten sich die Männer nur kurz in Sicherheit: Schon bald versammelte sich eine aufgebrachte Menschmenge vor dem Gebäude und forderte "Gerechtigkeit". Beschwichtigungen der Polizei, die Männer seien völlig unschuldig, stießen auf taube Ohren. Vielmehr riefen Teilnehmer der Aktion über soziale Netzwerke Freunde und Bekannte auf, sich ihnen anzuschließen.

Nach kurzer Zeit eskalierte die Situation dann völlig: Mit Stöcken, Metallstäben und anderen Werkzeugen bewaffnet, stürmte der wütende Mob die Wache, riss einen Zaun ein, nahm das Grundstück unter Kontrolle und fesselte die Gefangenen. Dann schlugen sie auf die vermeintlichen Entführer ein, überschütteten sie mit Benzin und zündeten sie an. Bei lebendigem Leib verbrannten die beiden Männer. Auch ein Polizeiauto steckten die Angreifer in Brand. Besonders erschreckend: Via Facebook übertrugen die Peiniger das Geschehen zum Teil live.

Später kristallisierte sich dann heraus, dass die beiden Männer nicht nur unschuldig waren, sondern dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass die angebliche Entführergruppe überhaupt existiert.

"BBC"-Studie: Lynchmord kein Einzelfall

Der grausame Tod von Ricardo und Alberto Flores ist bei weitem kein Einzelfall. Die traurige Bilanz der Whatsapp-Falschmeldungen: Mindestens 32 Menschen sind im vergangenen Jahr durch "Whatsapp-Lynchmorde" ums Leben gekommen. Das geht aus der "BBC"-Studie "Beyond Fake News" hervor. Laut der Studie sind Fake News auf Whatsapp besonders problematisch, da Inhalte in privaten Gruppen geteilt werden und sich daher nur schwer untersuchen lassen.

Da die Nachrichten von Freunden oder sogar Familienangehörigen weitergeleitet werden, erscheinen sie den Usern als glaubwürdig und werden öfter weiter verschickt.

Whatsapp steht besonders in Ländern wie Indien, in denen das Problem besonders groß ist, in der Kritik. Facebook, das Unternehmen hinter dem Messenger-Dienst, hat daher unlängst eine Summe von einer Million Euro bewilligt, um Forscherteams zu unterstützen, die dem Phänomen auf den Grund gehen sollen.