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Lynchjustiz in Neuenburg: Noch viele offene Fragen

Lynchjustiz in Neuenburg: Noch viele offene Fragen

In dem Lynchjustizfall von Neuenburg sehen die Ermittler noch viele offene Fragen.
Selbstjustiz in Neuenburg: Langsam setzen die Ermittler die Puzzleteile zusammen - doch es gibt Widersprüche.
dpa, Patrick Seeger

Widersprüchliche Aussagen der Beschuldigten

Im erschütternden Lynchjustiz-Fall vom Oberrhein sehen die Ermittler weiter offene Fragen. "Da gibt es noch einiges zu bearbeiten“, sagte ein Sprecher der Freiburger Polizei, ohne Details zu nennen. Ein 17-Jähriger soll sich am mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester mit einem Lynchmord gerächt haben.

Nach Angaben der Ermittler hat der Teenager die Tat inzwischen gestanden. Auch die beiden anderen Beschuldigten hätten umfassend ausgesagt. Allerdings ergäben sich dabei erhebliche Widersprüche. So soll die Familie versucht haben, auf den mutmaßlichen Haupttäter beschwichtigend einzuwirken. Wie dies zu der Tatsache passt, dass der Vater ebenfalls am Tatort war, ist eine der offenen Fragen.

Nach Angaben der Ermittler stach der 17-Jährige 23 Mal mit einem Messer - unter anderem in Herz und Lunge - auf das 27 Jahre alte Opfer ein. Der Mann war zur Fahndung ausgeschrieben und auf der Flucht. Die Familie der Frau hatte ihm offenbar eine Falle gestellt und mit einem vermeintlichen Drogendeal auf einen Parkplatz in Neuenburg am Rhein gelockt. An dem Angriff dort sollen neben dem Teenager auch der 48 Jahre alte Vater der Geschwister und ein 21 Jahre alter Freund des Jugendlichen beteiligt gewesen sein. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen Mord vor.

Polizei sucht nach Zeugen zum Tathergang

Die Familie des 21-Jährigen hatte die Polizei alarmiert. Er sei nach Hause gekommen und habe "total erschüttert" von den Ereignissen berichtet, sagte Kriminaloberrat Michael Granzow. Die Kriminalpolizei war nach der Tat mit fast 50 Kräften im Einsatz. Um den Ablauf klären zu können, sucht sie nach Zeugen. Dabei seien auch Zugreisende gefragt, die zur Tatzeit auf einer Bahnstrecke an dem Parkplatz vorbeigekommen waren.

Der Getötete soll sich vor etwa einer Woche an der 26-jährigen Frau vergangen und sich dann vor der Polizei versteckt haben. Der 27-Jährige habe seit Anfang des Jahres keinen festen Wohnsitz mehr gehabt und sei der Polizei wegen mehrerer Eigentumsdelikte bekannt gewesen. Von 2008 bis 2013 habe er mehrfach im Gefängnis gesessen. Hinweise auf frühere Sexualverbrechen gebe es nicht, betonte Granzow. Zuletzt habe er sich bei Bekannten in Frankreich aufgehalten.