Luftverschmutzung tötet jährlich sieben Millionen Menschen - darunter 600.000 Kinder

29. Oktober 2018 - 21:43 Uhr

Das hat die neuste Studie der Weltgesundheitsorganisation ergeben

Luftverschmutzung tötet einer neuen Studie zufolge weltweit sieben Millionen Menschen pro Jahr vorzeitig. Rund 600.000 von ihnen sind Kinder unter 15 Jahren, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete. Betroffen seien vor allem Menschen in ärmeren Ländern. "Luftverschmutzung ist eine globale Gesundheitskrise", lautet die Warnung.

Verschmutzung gibt es draußen und drinnen

Im Durchschnitt atmen laut der Studie weltweit 93 Prozent der Kinder Luft ein, die ein Risiko für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung ist. In reichen Ländern seien es 52 Prozent, in den übrigen Staaten 98 Prozent. Die WHO bezieht sich in dieser Studie auf Zahlen aus dem Jahr 2016.

Dabei unterscheidet die Organisation zwischen Verschmutzung der Außenluft und der Luft in Innenräumen. Unter freiem Himmel verpesten etwa die Verbrennung von fossilen Rohstoffen oder von Abfall, Industrie- sowie Autoabgase, Waldbrände und Vulkanausbrüche die Luft. In Häusern nehmen Rauch von Kerosin, Kohle, Bioabfällen oder Holz zum Kochen, Heizen oder als Lichtquelle Menschen den Atem. Dies sei vor allem für Kinder fatal, die in jungen Jahren besonders viel Zeit zuhause verbringen.

13 Prozent der unter Fünfjährigen starben an einer Lungenentzündung

ARCHIV - 05.01.2007, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Eine hochschwangere Frau fasst sich mit beiden Händen an ihren Bauch. (zu dpa "Frauen in Industrieländern bringen Kinder immer später zur Welt" vom 17.10.2018) Foto: Felix Heyder/dpa +++ dpa-Bildfunk ++
Kinder leiden nicht erst nach der Geburt an schlechter Luft.
© dpa, Felix Heyder, kd sun fpt dna soe rho dna

Schon im Mutterleib seien Föten gefährdet, schreibt die WHO. Schadstoffe könnten über den Blutkreislauf der Mutter zu dem ungeborenen Kind gelangen. Das könne die DNA schädigen, das Wachstum und den Aufbau eines robusten Immunsystems stören. Kinder seien dadurch unter Umständen besonders anfällig für Allergien und Asthma. Außerdem könne die Entwicklung des Gehirns leiden.

Rund 13 Prozent der unter Fünfjährigen seien 2016 weltweit an einer Lungenentzündung gestorben, heißt es in der Studie - mehr, als durch Durchfall ums Leben kamen, oder durch Mangelernährung oder ansteckende Krankheiten.

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"Kinder sind auf uns angewiesen"

"Kinder atmen schneller als Erwachsene, so nehmen sie mehr Luft und mehr Schadstoffe auf", heißt es in dem Bericht. Zudem seien kleine Kinder näher am Boden, wo die Schadstoffkonzentration besonders hoch sei. Sie atmeten öfter als Erwachsene durch den Mund statt durch die Nase, womit schädliche Partikel leichter in den Organismus kämen.

"Kinder sind auf uns angewiesen, dass wir sie vor der Bedrohung durch schlechte Luft schützen", ermahnen die Autoren. Deshalb sei die Umkehr zu "sauberer Energie" in privaten Haushalten extrem wichtig.

Welweit sollten Menschen politischen Druck ausüben, um das Umweltziel einer besseren Luft zu erreichen, meinte Maria Neira, WHO-Expertin für öffentliche Gesundheit. Bereits vor vier Jahren warnte Neira im Gespräch mit dem "Guardian" davor, die Gefahren von Luftverschmutzung zu unterschätzen. "Wenige Risiken haben heutzutage einen größeren Einfluss auf die weltweite Gesundheit als Luftverschmutzung", sagte sie damals.

Quelle: dpa / RTL.de