Luftschiff-Experte: "Pilot ist ein Held"

14. Juni 2011 - 23:07 Uhr

Pilot stirbt in brennendem Zeppelin

Dramatischer Held: Beim Absturz eines Luftschiffs ist der Pilot ums Leben gekommen. Die drei Passagiere konnten sich in letzter Sekunde retten. Nun gilt der der 52-jährige Pilot als Held. Ohne seine mutige Entscheidung, so Experten, hätten noch mehr Menschen sterben können. RTL-Reporter Jens-Hendrik Rissing war an Bord und berichtet von dem Unfall.

Bei gutem Wetter und blauem Himmel flog das blau-silberne Luftschiff mit der Werbung des Reifenherstellers Goodyear das Wochenende über friedlich über die feiernden Menschen auf dem Hessentag in Oberursel. Alles schien friedlich, auch als die Maschine mit drei Journalisten an Bord vom Flugplatz Reichelsheim um 18 Uhr startete.

Zunächst sah alles ganz normal aus, berichtet Jens Rissing: "Wir sind gelandet und es hat ein wenig gerumpelt, aber das war eigentlich kein Problem". Der Pilot habe sich kurz umgedreht und gesagt, das wäre gerade ein kleiner Unfall gewesen. Sei dabei aber noch ganz ruhig geblieben, so der RTL-Reporter.

Plötzlich roch es aber nach Benzin und es wurde warm, erzählt Jens. "Wir hatten keine größere Angst bis wir Feuer bemerkten und ausstiegen." Trotz allem blieb der Pilot ganz ruhig, öffnete den Journalisten sogar noch die Tür, blieb selber aber sitzen. "Ich hätte gedacht, dass er jetzt auch aussteigen würde, oder Helium ablässt, aber er tat nichts." Dann stieg das Luftschiff in die Luft und ging in Flammen auf.

Vom Boden aus konnten die Passagiere dem Unglück nur fassungslos folgen. "Zwischendrin hat der fürchterlich geschrien", sagte der Bad Homburger Pressefotograf Joachim Storch dem Hessischen Rundfunk, ebenfalls Passagier des Unglück-Luftschiffs, über den Kapitän, der vergeblich um sein Leben kämpfte.

Technik-Experte: "Er hat sich geopfert"

Das sei eine "wahre Heldentat" des Piloten gewesen, sagte der Technik-Experte der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen, Hans-Paul Ströhle. "Er wusste genau, dass das brennende Schiff wieder hochsteigt, wenn die Passagiere aussteigen", so der Experte.

Laut Ströhle hätte es bereits ausgereicht, wenn nur ein Passagier das Luftschiff verlassen hätte – auch dann wäre das Luftschiff brennend wieder abgehoben. "Mit den Motoren kann man das nicht ausgleichen", sagte Ströhle. Üblicherweise werden Luftschiffe mit Seilen gesichert, bevor die Insassen aussteigen können. "Er hat sich geopfert", so der Experte.

Der australische Pilot habe ihn selbst zum Luftschiffpiloten ausgebildet und sei einer der erfahrensten Piloten überhaupt auf der Welt gewesen. Er habe die absolut richtige Entscheidung getroffen, als er die Passagiere zum Verlassen der Kabine aufforderte.

Derzeit wird fieberhaft ermittelt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Aus Braunschweig eilten am Montagmorgen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zu der Absturzstelle.